Das Mädchen mit dem bösen Gesicht.

2017-06-02 12.43.06

„So klein und schon so ernst.“

„Guck doch nicht so böse!“

„Kann die auch lachen?“

„Die ist aber skeptisch!“

„Schon eher ein verschlossenes Kind, oder?“

„Lach doch mal!“

„Na Kleene, so wird dit später aba nüscht mit die Jungs.“

 

Ja, Menschen sagen diese Dinge zu meiner Tochter und über meine Tochter. Nein, das habe ich nicht erfunden. Tatsächlich war „skeptisch“ immer schon das, was Leuten als erstes einfällt, wenn sie mein Kind anschauen. Und dann klingt es ja auch gar nicht fies. Ist gar nicht böse gemeint, nee nee. Skeptisch guckte die Tochter anscheinend schon mit wenigen Wochen, glaubt man wildfremden Menschen an der Supermarktkasse. Und den Damen bei unserem Kinderarzt. Und irgendwelchen Spielplatzeltern. Und Verkäufer*innen und Passanten und Obdachlosen im Park. Skeptisch, böse, unlustig. Und wissta was: Ich kann’s nicht mehr hören. Ich kann es verdammt nochmal nicht mehr hören. 

Dreieinhalb Jahre Smalltalk über das resting bitch face meines Kindes haben mein Mutterfell nicht dicker, sondern dünner gemacht. Könnt Ihr, die Ihr Euch dazu berufen fühlt, den Gesichtsausdruck meiner Tochter zu bewerten, jetzt endlich mal die Schnauze halten? Ja? JA? Damit würdet Ihr nicht nur mein, sondern auch ihr Leben ein bisschen netter machen. Weil: Ein böse guckendes Baby kommentieren, joa, geschenkt. Bei einem Kleinkind ist das nicht mehr in Ordnung, das hat nämlich gut funktionierende Ohren und einen fixen kleinen Verstand.

 

Echte Situation beim Einkaufen neulich:

Wildfremder Typ zum Kind in überlauter Stimme: „Guck doch nicht so böse!“

Leute in Kassenschlange: lachen.

Kind: drückt sich an meine Beine und schaut weg.

Ich: „Lassen Sie mal mein Kind in Ruhe.“

Wildfremder Typ: „Biste Löwenmutter, wa!“ Lacht schallend.

Kind nach dem Einkaufen: „Mama, ich bin nicht böse. Der Mann hat das gesagt.“

Ich: „Das stimmt nicht und außerdem war der Mann doof.“

Kind: „Ich bin nicht böse.“

Ich: „Nein, Du bist nicht böse, Du bist ganz toll und lustig und schnell und schlau.“

Kind nimmt meine Hand. Innerlich zertrümmere ich dem Mann das Nasenbein.

 

Ich finde es erbärmlich, dass man (vorwiegend) Mädchen immer wieder zum Lächeln, freundlich gucken, aufgeschlossen sein auffordert. Jeder Hans und Franz maßt sich an, von meiner Tochter ein Lächeln zu verlangen. Dabei ist ein Lächeln, und erst recht ein aufrichtiges unverfälschtes Kleinkinderlächeln, ein Geschenk. Ein Geschenk, verdammt! Darauf hat man keinen Anspruch, das kann man sich höchstens verdienen – und manchmal auch nicht, und das ist VOLLKOMMEN OKAY.

Immer wieder ertappe ich mich dabei, wie ich meine Tochter verteidige. Wie ich vorauseilend erkläre, dass sie überhaupt nicht verschlossen oder sauer oder dauernd mies drauf ist. Sondern dass sie vielleicht fünf Minuten (!!!) freundliche Aufmerksamkeit braucht, um dann herumzukaspern wie der niedlichste Clown. Ich erkläre, ich rechtfertige, ich bleibe dabei freundlich. Warum mache ich das? Weil ich Angst habe, dass andere Menschen mein Kind unsympathisch finden und deshalb weniger nett zu ihm sind. Erzieher*innen oder Lehrer*innen oder andere Eltern oder vielleicht sogar meine Bekannten und Freund*innen. Deshalb übersetze ich ihr Gesicht. Und das nervt mich. Denn ist es nicht eine Doppelbotschaft? Einerseits sage ich dem Kind, Du bist total super, und andererseits rechtfertige ich vor Erwachsenen, dass ihr nicht zu jedem Zeitpunkt die Sonne aus dem Arsch Antlitz scheint.

So, und deshalb reicht es mir jetzt. Die nächsten Menschen, die das Tochtergesicht auf diese Weise kommentieren, können sich darauf einstellen, eine sehr lange und peinliche und gar nicht witzige Diskussion mit mir zu führen. Unter Aufbietung aller Lästigkeit, zu der ich im Stande bin. Und nein, ich übertreibe nicht, und ja, ich finde meine Genervtheit total angemessen.

Es wäre überhaupt ganz fantastisch, wenn Menschen weniger Kommentare abgäben. Ob einer nun abgenommen hat, oder die alte Frisur doch viel schöner war, oder eine immer so ernst guckt oder unüblich viele Tätowierungen hat oder eine dicke Warze. Es ist überhaupt nicht notwendig, alles dauernd wertend auszusprechen. Gerade und vor allem nicht, wenn Kinder beteiligt sind. Die nehmen sich das nämlich auf ganz andere Weise zu Herzen als wir.

Falls Sie im Karstadt am Hermannplatz mal einer unüblich viel tätowierten, böse guckenden Frau mit schöner Frisur begegnen: Das bin ich. Sprechen Sie mich gern an, dann lächele ich vielleicht.

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80 Gedanken zu “Das Mädchen mit dem bösen Gesicht.

  1. Ggggggrmmmmppf. Mir sollte gerade niemand ins Gesicht gucken, denn das ist echt böse.

    Menschen die Kindern unnötigerweise ein falsches Bild von sich selbst vermitteln finde ich so ****.

    Ja, halte die Rede. Der nächste, der was sagt, ist dran. Ich hoffe für dich, dass jetzt einfach keiner mehr was sagt. Denn normalerweise ist das ja so: wenn man sich einmal die richtigen Worte zurecht gelegt hat, dann sagt keiner mehr was. Was in diesem Fall ja gut wäre. Ich drück dir die Daumen.

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  2. Meike schreibt:

    Ich kenne das auch so gut. Geht mir bei meinem Sohn, mittlerweile 4, genauso. Seine Schwester, 10 Monate, lacht meistens direkt mit jedem, und da soll er dann mal nicht eifersüchtig werden, wenn alle sagen, ach deine Schwester ist aber mal ein Sonnenschein, die erobert alle Herzen im Sturm (in Klammern und zwischen den Zeilen: im Gegensatz zu dir, crumpy cat). Echt schlimm, ich bin auch nur am rechtfertigen und nerve mich damit selbst.

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    • Oh ja, ich kenne das selbst, denn mein jüngerer Bruder war auch so ein totaler Sonnenschein als Kind. Ich eher so die Introvertierte, die manche Menschen für stumm hielten.

      Heute ist er eher der ruhige, und ich bin zwar immer noch schüchtern, kann aber bei Bedarf ganz gut faken 😉

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    • Sarahli schreibt:

      Same here😏🙄 Dieses rechtfertigen ist echt eine Krankheit aber bei mir sind es die gleichen Gründe: die idiotische Angst jemand könnte meine Tochter vorverurteilen bzw sie nicht so sehen wie sie ist. An sich ja völlig egal was sie von ihr Denken aber irgendwie ist es mir das nicht. Ich werde mich aber jetzt aktiv zusammennehmen und zurückpöbeln anstatt mich für meine schüchterne Tochter zu entschuldigen.
      Das ist ohnehin das was mir am Mutterdasein am meisten zu schaffen macht, die Tatsache das jeder denkt sich bei dir „einmischen“ zu dürfen. So aktiv haben noch nie so viele fremde Leute beurteilt, was ich einkaufe, esse, füttere generell mache, wann ich wie drauf bin etc … Wenn man ein Kind hat ist man irgendwie allgemein zum Abschuss freigegeben a la die ist aber streng/lasch, Kind ist Eis: Oh Gott, naja mal was süßes, Blabla völlig Kontext befreit aber immer enorm besserwissend und verurteilend. Das soll sich mal einer wundern wenn man pampig wird.

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      • Mir ist das auch nicht egal, was die Leute denken, ich verstehe das. Gerade solche Bezugspersonen wie Erzieher*innen, denn bei denen macht es vielleicht echt nen Unterschied? Und die Kinder spüren das ja. In der Kita haben wohl die Erzieherinnen außerhalb der Gruppe schon kommentiert, dass Kiddo ja so ein ernstes Kind sei, wenn man sie anspricht. Aber ihre Bezugserzieherin weiß zum Glück, wie sie wirklich ist, und sagt das auch ihren Kolleginnen. Darüber bin ich froh.

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  3. Ich bin auch so ein Mensch mit Gesichtszügen, die gerne als grummelig interpretiert werden, obwohl ich ganz neutral gucke. Wenn man einen Menschen nicht kennt, kann man auch nicht in seinem Gesicht lesen.

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  4. Das Mädchen mit dem resting bitch face das war früher ich. Der Unterschied ist, dass vor allem meine Mutter meinen Gesichtsausdruck ständig (negativ) bewertet hat… Dazu kamen dann noch Nachbarn etc. Deine Genervtheit ist völlig angemessen! Ich finde es furchtbar, insbesondere Kinder ständig zu bewerten. Meine Mutter war da immer ganz groß drin: Wie du guckst… wie du gehst… wie du dich kleidest… wie du isst… Jeder halbwegs empathische Mensch kann sich vorstellen, was das in einem Kind anrichten kann. Gut, dass Deine Tochter eine Mutter hat, die sich schützend vor sie stellt!

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    • Ich war auch so als Kind. Vielleicht reagiere ich deshalb heute umso genervter. Ich musste mir nämlich auch schon eine Bazillion Gesichtskommentare anhören und weiß, wie sehr das auf Dauer verunsichert.

      Apropos Elternkommentare: Meine Mutter sagte eine Zeitlang zu mir beim Essen, ich solle mal aufhören, so zu schmatzen. Egal, wie sehr ich mich bemüht habe, „ordentlich“ zu essen, ich habe angeblich geschmatzt. Irgendwann sagte sie es dann wohl nicht mehr, aber ich habe bis heute ein komisches Gefühl dabei, mit anderen Menschen zu essen. Im Übrigen hat das sonst nie jemand zu mir gesagt, auch auf Nachfrage bei (vertrauten) Menschen wurde nichts bemerkt. Keine Ahnung, warum meine Mutter da so hartnäckig war.

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      • Erst einmal: Ein toller, ehrlicher und Mut machender Artikel!! Ich musste auch schon das ein oder andere Mal mein Kind verteidigen; gerade gestern erst. Ich würde jeder Mutter zum Wohle ihres Kindes auch dazu raten! Stellt Euch auf die Hinterbeine – Eure Kinder können sich nicht verteidigen und darum tun wir das für sie; wer sonst??

        Zum Schmatzen möchte ich auch etwas sagen. Ich bin seit dem Kleinkindalter Allergikerin und habe eigentlich IMMER eine verstopfte Nase. Darum habe ich als Kind IMMER geschmatzt (probiert doch mal, mit einer Wäscheklammer auf der Nase zu essen. Geht gar nicht!). Meine Maam sagte mir sehr liebevoll: Bitte hör‘ mal auf zu schmatzen. Ich, ca. 5 Jahre alt, daraufhin: Ich WILL aber schmatzen! Damit war das Thema Dank meiner (lachenden) verständnisvollen Mutter durch. Irgendwann habe ich es dann gelassen. Als ich Nasentropfen entdeckte (und eine völlig neue, freie Welt).

        Ich war selbst ein sehr offenes, fröhliches Kind, was bei Menschen ‚Türen geöffnet‘ hat, sagt meine Maam. Mein 2-jähriger Sohn ist genauso. Er betritt einen Raum und es wird geraunt, geflirtet, lieblich zugeflüstert und gelobt usw. Meine 4-jährige Tochter ist mehr so die ‚was zum Teufel willst Du denn von mir, Fremder?!‘- Fraktion und etwas schüchtern dazu. Sie ist eben eine kleine Grantelgans und eher abweisend und schmollend, wenn ihr etwas unangenehm wird. Das hat sie auch von mir; ich kenne beide Seiten und finde, dass das ein sehr natürliches und nachvollziehbares, kindliches Verhalten ist! Manches Mal bemerke ich, dass der Kleine durch seine sehr positive Ausstrahlung der Großen gegenüber von Fremden bevorzugt behandelt wird. Das schmerzt mich und ich denke: Das ist so unfair – Ihr müsstet sie einfach nur kennen! Aber ich lasse das eigentlich nie durchgehen und versuche vor allem sie zu stärken; ihr eigenes Gefühl positive zu bestätigen! (Z.B. sage ich: Das ist in Ordnung, dass Du XYZ nicht magst. Du musst nicht jeden mögen, auch, wenn er nett zu Dir ist. Das tue ich auch nicht!‘ Aber weh tut das doofe Erwachsenenverhalten dann trotzdem manchmal.

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  5. Tatjana schreibt:

    Ich spreche selten mal Kinder an. Vielleicht, wenn sie gerade vor mir an der Kasse stehen und fünf Cent zu wenig dabei haben. Dann frage ich, ob ich aushelfen kann. Meistens schauen mich die Kinder nur groß an und sagen nichts, nicken nur. Ist doch verständlich: ich bin eine Fremde für sie.

    Habe eben erst einen Vater mit Kind auf dem Parkplatz gefragt, ob er (das Kind, ca. sechs Jahre alt) die Aufkleber der Minions von Rewe möchte. Er hat den Kurzen gefragt und er hat erfreut genickt.

    Und ich bin wirklich abschreckend: übergewichtig, ziemlich groß und auch tätowiert 😉

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  6. Kann Dich gut verstehen. Es geht mir mit meinen dreijährigen Sohn ( der wegen seiner langen Wimpern und großen Augen oft für ein Mädchen gehalten wird) ähnlich. „Er ist aber eher schüchtern, oder?“ „Nein, gar nicht, er redet nur nicht gleich mit jedem Hinz und Kunz“, kommt dann normalerweise von mir zurück. Ich habe das auch seit eh und je über mich mit anhören müssen, schon von Kindesbeinen an: „Du guckst immer so ernst.“
    Ja, und?

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    • Ich weiß auch gar nicht, wie man sonst gucken soll. Es kommt sicher mal vor, dass ich vor mich hin lächele, weil ich gerade an was schönes denke. Aber sonst…

      Irgendwie ist das für mich alles ein großes Rätsel.

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      • Vor allem geht es niemanden was an. Solange man sich einigermaßen sozialverträglich verhält hat sich eigentlich niemand dafür zu interessieren, wie man aus der Wäsche schaut, vor allem wenn man mit den Leuten nichts zu tun hat.

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  7. Tine schreibt:

    Unser Baby ist auch sehr vorsichtig, beobachtet, fährt seine Antennen aus und vertraut seinem Gefühl.
    Wenn dann wieder jemand, selbst die Oma und Tante, sagt „Guckst du aber grimmig.“, kann ich nur erwidern: „Also mich, seine Schwestern und Papa lächelt er IMMER an. Da ist wohl der Funke noch nicht übergesprungen. Seine Alarmanlage zeigt ‚Vorsicht‘ an. Dann bemerken die Sprücheklopfer ziemlich schnell, dass sie für den Gesichtsausdruck verantwortlich sind, nicht das Baby. 🤣

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  8. Ich finde es generell grenzwertig, wenn fremde Menschen mein Kind ansprechen. Gut, sie ist eine, die viel lächelt und lacht, aber wenn sie mal nicht möchte, dann ist das eben so. Ich glaube ich würde echt wütend werden, wenn jemand mein Kind so anmachen würde!
    Ein ehrliches Lächeln muss man sich verdienen!

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  9. nudge schreibt:

    „So klein und schon so ernst.“
    > „So groß und immer noch ungefragt in die Gegend plappern…“
    „Guck doch nicht so böse!“
    > „Gucken SIE mal in den Spiegel, da sehen Sie den Grund dafür.“
    „Kann die auch lachen?“
    >“Ja, mit Menschen die sie mag, schon.“
    Sorry, musste einfach sein. Du brauchst sicherlich keine Schützenhilfe von Anderen (Dir fremden Leuten), aber mich hat’s einfach in den Fingern gekribbelt… Nimm Dir ab jetzt gedanklich immer so einen zweistufigen Ikea-Hocker mit ; beim nächsten Kommentar stellst Du ihn vor Deinem geistigen Auge vor Dich hin und steigst hinauf, dann „kannst Du über den Dingen stehen“. 🙂

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  10. Immer wieder ertappe ich mich dabei, wie ich meine Tochter verteidige. Wie ich vorauseilend erkläre, dass sie überhaupt nicht verschlossen oder sauer oder dauernd mies drauf ist.

    Und selbst wenn sie es wäre, es geht ja niemanden was an. Dass Hinz und Kunz meinen, kleine Mädchen sollten immer fröhlich herumspringen (ohne dabei Erwachsene zu stören natürlich!) und dass sie lieber lächelnde als ernste Kindergesichter sehen, ist deren Problem. Da hat kein Kind irgendeine Bringschuld.

    Und es ist so schwer, sich nicht zum Komplizen der Leute zu machen. Dein Dilemma mit dem Erklären und Übersetzen zeigt das ja. Wenn man nichts sagt, gehört man zu „denen“ und stellt sich de facto gegen das eigene Kind. Wenn man was sagt, kriegt das Kind hintenrum die Botschaft, sein Verhalten sei mindestens erklärungsbedürftig. Beides bescheuert.

    Und je nachdem, wie perfide die sich anstellen (wie der im Beispiel mit „Löwenmutter“) geht das ja auch nicht mit einem Halbsatz. Da braucht es mehr Text, wenn man selbst nicht völlig doof dastehen will. Obwohl, ich stehe lieber doof da als dass ich mein Kind zum Freiwild für solche Leute mache!

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    • Ja, geht mir auch so. Es ist halt kompliziert. Ich reagiere auch nicht irgendwie geplant, sondern situativ. Und klar, abhängig von meiner eigenen Verfassung. Meine Tochter ist halt nun auch alt genug, um zu begreifen, dass da irgendwas doofes vor sich geht und mich das auch bewegt (in blödem Sinn). Das tut mir einfach leid.

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  11. Jessica Elaine schreibt:

    Ich habe auch so ein manchmal ‚bös‘ dreinblickendes Kind oder wie ihre Erzieherin immer ganz liebevoll sagt ‚Niemand ist so authentisch wie O, das mag ich!‘

    Ich versteh dich gut. O reagiert dann immer gleich richtig wütend und schreit die Leute an ‚lass mich in ruhe!‘ und auch ich rechtfertige hin und wieder. Immer wieder fassen Menschen sie sich einfach an, weil sie so pausbäckig ist und rote Locken hat. Auch da schreit sie dann ‚Fass mich nicht an!‘ Manchmal ist mir das unangenehm. Insgeheim finde ich es aber auch cool, dass sie sich das traut und zu ihren Gefühlen steht.

    Mich nervt das oftmals nur noch, dass die Leute so oft ihren negativen Senf dazu geben. Vielleicht weil ich auch einfach das Gegenteil bin. Ich lache ganz viel und bin sehr offen.

    Liebe Grüße, Jessi

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  12. Sabine schreibt:

    ❤ "Es ist überhaupt nicht notwendig, alles dauernd wertend auszusprechen." ❤

    Das gilt meiner Meinung nach nicht nur für oder bei Kindern, sondern auch Erwachsenen und grundsätzlich allen Menschen!

    Ich verstehe Dich total, meine Tochter ist – zumindest laut 3.857 Aussagen anderer, teils fremder Personen – sehr groß: "Die ist ja riiiiiiieesig!" An diesem Satz stören mich so unfassbar viele Details, dass in mir schon wieder die Wut hochkocht… Und was gerade die Bewertung von Äußerlichkeiten bei Mädchen (aber sicherlich auch Jungs) anrichten kann, darüber scheint niemand auch nur eine Sekunde nachzudenken.

    Du merkst, Du hast auch bei mir einen wunden Punkt getroffen, und auch ich finde mich so oft in einer Verteidigungshaltung oder in Erklärungen wieder: Naja, der Papa ist ja über 1,90 m… so ein Bullshit!

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  13. Astrid schreibt:

    Mir geht es heute als Erwachsenen noch auf den Keks, wenn Leute zu mir sagen wie ich angeblich zu gucken habe. Was fällt denen ein???? Wie du richtig sagst muss sich das Gegenüber das Lächeln als Geschenk verdienen. Und für manches Geschenk muss man was tun.

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  14. Lara schreibt:

    Ich finde es toll, dass Du dich vor deine Tochter stellst und sie vor doofen Kommentaren beschützt. So etwas ist total nervig – ich kenn das auch. Mein Sohn, in einem ähnlichen Alter wie deine Tochter, wird andauernd auf seine sehr helle Haut angesprochen. Letztens sprach ein völlig fremder Mann meinen Sohn an:“Geh doch mal raus, dann kriegst du auch ein bisschen Farbe und die Mädchen laufen dir in der Kita hinterher.“ Weiß nicht, ob das witzig sein sollte, ich fand es nervig und fühlte mich gleich wieder genötigt mich zu rechtfertigen (selbstverständlich geht das Kind viel raus, der Papa ist auch sehr hell….). Ich hoffe nur, unsere Kinder sind und werden so starke Persönlichkeiten, dass ihnen blöde Kommentare nichts ausmachen. Grüße Lara

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    • Also das ist ja auch total ätzend. Ein bisschen Farbe. Is klar. Und vielleicht will er auch gar nicht, dass ihm Mädchen hinterherlaufen…so als Kindergartenkind. Manche Leute, echt ey.

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  15. Kiki schreibt:

    Ah, danke, da hab ich einen Namen für das Phänomen! An Kinderzeiten kann ich mich nicht erinnern, aber als Teenie und später (oft auch auf Partys) wurde ich häufig angequatscht mit „Lächel doch mal!“, wenn ich einfach nur in der Gegend rumgeguckt habe. Voll nervig! Meist hab ich dann absichtlich grimmig zurückgeguckt, es gibt keinen blöderen Satz, der gesagt werden kann, ich war immer sehr genervt, egal, wer ihn sagte. Auf Sich-Ständig-Erklären hat man einfach keinen Bock. Für Kinder stell ich es mir demnach echt unangenehm vor, wenn jemand einen anquatscht und ohne erkennbaren Zusammenhang derart auffordert.

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  16. Beckze schreibt:

    Ohhh ich fühle mit dir. Meine Kleine lacht fast immer und ist meist total gut drauf. Und ständig wird es kommentiert:“ was für ein liebes Kind… Ohh das ist aber eine freundliche…“Ich bin inzwischen auch total genervt von den ständigen Bewertungen. Wenn ich mir dann auch noch vorstelle es wären permanent Abwertungen.. ich würde auch ausflippen! Fühl dich gedrückt. Ich persönlich mag die grumpy Cat übrigens sehr gerne 🙂

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  17. Ellen schreibt:

    Oh, das habe ich jahrelang verdrängt und jetzt bin ich 67! Gibt es diese doofen Sprüche immer noch? Je öfter ich dies hörte- desto verschlossener wurde meine Mimik. Ich hoffe, dass meine Enkeltochter so etwas niemals hören muss, und ich werde sie hoffentlich beschützen können!

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  18. Oh Mann… das könnte ich genauso sein. Zum Abkotzen! Jeder (!!!) sagte das früher zu mir, genau die Sätze, die du genannt hast. Plus sowas wie (auf hessisch) „Lach doch emoool!“ Ich hasse diesen Satz. Und jetzt sagen das die Leute auch zu meiner großen Tochter, weil die natürlich auch kein Honigkuchenpferd geworden ist. Ja, sorry, sie ist eben etwas schüchtern, nein, sie kann lachen, nein, sie ist nicht böse. What the fuck?!?!? Ärgert mich ganz genauso. Und ich werde auch immer unlustiger beim antworten. Kinder sind offenbar dazu da, um andere zu erheitern. Würg.

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    • Steffi schreibt:

      Exakt das! Kinder sind für viele Menschen zur Bespaßung da und das finde ich furchtbar. Wenn über alles, was meine Mädels tun, gelacht und sie als so süß belächelt werden, anstatt daß man sie ernst nimmt und sieht, daß das Belächeln sie verletzt…. Wenn solche Sprüche wie im Text gesagt werden…. Wenn immer erwartet wird, daß die Mädels freundlich lächelnd ruhig und „brav“ sind…. Das macht mich nur noch wütend. Ich hab gar keine Lösung dafür, aber ich versuche, es von Situation zu Situation zu entscheiden, wie ich für die beiden Kinder jetzt gerade am besten damit umgehe. Tipps, anyone?

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      • Ich bin da auch keine Expertin, aber ich versuche, in freundlich-bestimmtem Ton meine Ansicht kundzutun, wenn mir jemand seine aufdrückt. Wir waren mal in einem Cafe (draußen, nix schickes) mit zwei Kindern, da beschwerten sich die anwesenden Hipsterkollegen, dass die Kinder ja so unentspannt seien (weil sie nicht auf ihren Stühlen sitzenblieben, sonst aber sehr „brav“ und leise waren). Denen habe ich dann nett meine Meinung zum Thema „Das Anrecht von Kindern auch öffentlichen Raum“ ausgeführt. Das hat die wahrscheinlich genervt, aber mir ging es besser.

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    • Zu mir auch. Der Kindergarten ist für mich einen total beschissene Erinnerung. In der Schule ging es dann, da zählten andere Dinge, und ich hatte einen tollen Lehrer. So schade, dass introvertierte Menschen derart fehleingeschätzt werden.

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  19. Carla schreibt:

    Eigentlich unglaublich….
    Tut mir leid, dass deine Tochter und du in diese Situationen überhaupt kommt und das schon so früh!
    Leider erlebe ich es mit drei Kindern in der Schule eigentlich täglich. Ich weiß überhaupt nicht wie ich zum Beispiel auf ein “ zu langsam 😦 „, natürlich mit Rotstift geschrieben, unter einem Test reagieren soll!? Ich fühle mich hilflos in so einer Situation.
    Anscheinend hat meine Tochter ein etwas dickeres Fell, sie antwortet dann mit „ihre Zeit ist nicht meine Zeit“ oder „wenn ihre Zeit so schnell abläuft, kann ich nichts machen“. Finde ich sehr cool, nützt nur nix, gilt dann als aufmüpfig und nicht leistungsbereit. Tja, eine crux.

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  20. Vielen, vielen, vielen Dank. Ich war auch so ein ernstes. blasses Kind und hatte leider keine Mutter, die so hinter mir gestanden hätte. Beliebte Kommentare waren: Guck nicht so böse! Bleichgesicht! Später dann, als Teenager von 1,80 m: „langes Laster!“

    Ich bin jetzt schon sehr lange erwachsen und habe es nicht vergessen.

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    • Nein, man vergisst sowas nicht. An mir klebt seit Jahrzehnten der „unsportlich“-Stempel. Danke, Eltern und Lehrer. Nach 6 Jahren Yoga ahne ich langsam, dass ich gar nicht unsportlich bin.

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      • mom schreibt:

        Ging mir auch so. Ich hab während meiner verhassten Schulsportjahre mit Begeisterung Ballett betrieben und nicht kapiert, dass ich da eigentlich Leistungssport mache – Sport war das Gerenne und Ballgeschubse in der Schule, das ich widerlich fand, und zu dem ich eindeutig nicht talentiert war. Völlige Idiotie, dieser Schulsport.

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  21. Steffi schreibt:

    WORD! Genau meine Gedanken und Gefühle. Es nervt so sehr und macht so viel kaputt. Und selbst bewertet werden wollen solche Leute ja eigentlich auch nicht, oder? Ich unterschreibe jedes Wort und freue mich, nicht allein zu sein damit.

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  22. Isabell schreibt:

    Oh danke, ich kenne das auch. Häufig bin ich einfach empört darüber das fremde Menschen sich überhaupt trauen kleine Kinder direkt anzusprechen. Total nett von denen, denken die, total scheiße denke ich und leider reagiere ich oft freundlich, ich möchte einen freundlichen Umgang miteinander vorleben.
    Aber in Zukunft lasse ich das sein, ich fühle mich jetzt ganz bestärkt durch deinen Artikel und die Kommentare. Nicht nur mein Kind sieht unfreundlich Fremde und nicht Fremde an. Meistens denkt es dabei ganz viel und kann einem später alles ganz genau beschreiben.

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    • Genau. Die beobachten alles sehr genau. Und überhaupt, wer guckt denn dabei freundlich? Das Ansprechen als solches finde ich okay, wenn es denn eine freundliche Ansprache ist. Wenn jemand in der Supermarktschlange zB mit dem Kind scherzt, um das Warten zu verkürzen. Ist ja alles fein, aber irgendeinen Scheiß hör ich mir echt nicht mehr an.

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  23. Auch geil isses, wenn willdfremde Menschen immer erwarten, dass ein Kind auf Fragen antwortet, wenn man es in Supermarkt und Co. anquatscht. Yo – da liest man also als Eltern vorbildlich „Geh nicht mit Fremden mit“ vor und erklärt Kind, dass man nicht gleich jedem Vertrauen schenken sollte – und dann ist das auch wieder falsch, wenn ein Kind eine gesunde Skepsis an den Tag legt?

    Ich find Team skeptisch super! Und ganz toll, dass du deine Tochter so verteidigst.

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  24. Och mensch, da hat mein Mama-Herz direkt Pipi in den Augen, wenn ich die Supermarkt-Situation so vor mir sehe. 😢

    Das ist dieser unglaubliche SCHEISS, dass jedes Kind, was nicht in Raster XYZ passt, erstmal analysiert, kommentiert, was-weiss-ich-noch-alles-iert wird.
    Anstatt die Kinder einfach das sein zu lassen, was sie sind: Kinder. Wunderbare Individuen.

    Ich wünsche mir sehr einen Blogbeitrag über das Zusammentreffen mit dem nächsten Schlauscheisser. – Ich glaube, da haben wir dann alle was zu lachen. 😁😁
    Liebe Grüße!

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  25. Kapitänin schreibt:

    Wie mein 1jähriger Sohn laut Aussagen fremder Menschen ist, WEIL ER SO GUCKT: skeptisch, arrogant, „too cool for school“. Mein (Klein)Kind wird gelabelt von irgendwelchen Honks, er sei wohl „zu cool“. Im Nachhinein möchte ich schreien: Ja, ist er auch! Zu cool für so blöde Kommentare. Was soll das? Warum drücken wir den kleinen Menschen überhaupt Stempel auf, wie sie angeblich sind. Wieso sind kleine Babies schon „Zicken“ oder „Divas“? Ich glaube das die großen Menschen einfach unsicher sind, wenn sie sowas sagen. Traurig eigentlich.

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  26. mom schreibt:

    Ich finde es KATASTROPHAL, wenn Leute sich anmaßen, Aussehen und Art anderer Menschen laut zu kommentieren – das ist einerseits einfach schlechte Kinderstube und kann andererseits so verheerend für’s Selbstbewußtsein sein. Ich verstehe überhaupt nicht, warum Leute das machen – denken die nicht? Sind die schlecht erzogen? Sind die dumm und unempathisch? Ich versteh’s nicht.

    Meine Tochter wird angestrahlt und begeistert kommeniert „Bist du eine Süße!“, „Hast du aber schöne blaue Augen!“ – die kriegt wahnsinnig viel positives Feedback, und nicht einmal dabei ist mir wohl. Einerseits bekommt sie immer so eine Welle von Wohlwollen und Freundlichkeit ab, aber dieses Hochjubeln von Äußerlichkeiten…ist es das, was sich ihr einprägen soll? Wer hübsch und freundlich ist, wird gut behandelt?
    Und ich merke, wie sehr sie das aufnimmt – sie sagt uns Eltern dann ein paar TAge später die gleichen oder ähnlichen Sätze.

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  27. Ko schreibt:

    Ärgerliche Geschichte, aber ich finde es gut, dass du als Mutter zu ihr hältst, denn das wird sie sich merken. Bei mir kam das leider sogar von meiner eigenen Mutter mit dem Argument, dass man mit sowas früher böse Falten bekäme.. arg und ich muss heute noch an meinem Selbstwertgefühl arbeiten.

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  28. mom schreibt:

    Vielleicht sollte man die Leute ganz freundlich (und ich meine tatsächlich ganz freundlich) fragen: „Wie würden Sie das eigentlich finden, wenn Ihnen jemand täglich mehrmals sagt, dass ihm Ihr Gesicht nicht gefällt?“
    Vielleicht fängt ja dann der eine oder andere zum Nachdenken an.
    Ich hab jetzt tagelang herumüberlegt, wie ich so eineSituation handeln würde, und das war das Beste, was mir eingefallen ist. Ich bin aber eher auch ein Feigling, sonst würde ich vielleich zurückpöbeln.

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