Denkfragment #3

stay weird

Mantra. Muss ja.

Einer dieser Morgen. Ein Teil meines Hirns quält sich durch einen total sinnlosen Resttraum, ein anderer Teil registriert Schläge von kleinen Fäusten und Tritte von kleinen Füßen und ein schleppendes „Mamiiiiiiii, MAMIIIIII“ in schlecht zu ignorierender Lautstärke. Das Kind ist ebenfalls mit der falschen Hirnhälfte aufgestanden und muss seine ziellose Frustration an jemandem auslassen. Immer an mir, nie am Mann. Ich bin alles, darf alles, muss alles, ich bin der Boxsack und das Federbett und die dunkle Höhle und der Kratzbaum und Die Deren Name Nicht Genannt Werden Darf, denn ich habe mich spurlos aufgelöst in der mütterlichen Ursuppe.

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Fegefeuer, Marshmellowland.

bubbles

Triggerwarnung: Es wird flauschig.

Jawohl, ich liebe mein Kind. Die ein oder andere mag das sicher gar nicht glauben, weil ich mich doch andauernd über Kind und Schlaf, Kind und Brüllen, Kind und Karriere beklage. Das liegt aber weniger am Kind, eher liegt es an meinem von Natur aus grumpy Charakter. Ich bin Grumpy Cat.

Aber. Jedoch. Las ich gerade drüben beim Runzelfüßchen einen Text, der wiederum eine Replik auf diesen Text beim Stern ist (Spoiler: Kinderhaben ist geil vs. Kinderhaben ist saumäßig anstrengend). Und ja, Kinderhaben ist saumäßig anstrengend. Die Menschen, die hier mitlesen, wissen das, denen geht es nämlich auch so, dass sie gelegentlich heulend mit einem Glas Nutella/Schnaps auf dem Klo sitzen, weil das der einzige Raum ist, der sich noch abschließen lässt.

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94.608.000 Sekunden

2015-05-17 09.51.35

Jetzt. Jetzt vor 3 Jahren bist Du in meiner Welt angekommen. Deiner, unserer. Jetzt vor 3 Jahren habe ich Dich zum ersten Mal berührt. Große Augen, still suchend, das weiche Licht in dem viel zu kleinen Zimmer. Alles ist Bett, und in dem Bett sind wir. Deine Hebamme hat uns aus dem OP gestohlen und versteckt. Damit wir uns in Ruhe kennenlernen können. Aber wir kannten uns ja schon.

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Seifenblasen.

 

stormiscoming

Ich möchte in einer unsichtbaren Blase wohnen. Oder in einer sichtbaren Blase, Hauptsache ist: es kommt niemand rein. Bitte alle raus aus meinem Tanzbereich, der sich im Radius eines halbgestreckten Arms um mich herum befindet; wir kennen das aus Dirty Dancing. Im Tanzbereich soll es bitte ganz still sein, oder wahlweise soll laute Musik darin spielen. Meine Musik, nur meine, und ich tanze allein.

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snapshots #11

blumenmitkaka

 

Das Kind riecht gut. Nach Erdbeeren. Ständig duftet es nach Erdbeeren. Ich kann mir das überhaupt nicht erklären. Ich drücke es noch fester an mich. Seine professorale Frisur kitzelt meine Nase.

„Kind, Du riechst sehr gut!“

Das Kind freut sich.

„Mama, Du auch gut riechst.“

(Es überlegt einen Moment)

„…nach Blumen! … mit Kacka!“

 

 

Geisterstunde.

2016-10-14-18-22-46

„Komm, wir machen eine Kerze an“, hätte sie gesagt und die Heizung noch ein bisschen weiter aufgedreht.

Heute ist der Geburtstag meiner Großmutter. Sie ist vor 6 Jahren gestorben, aber es ist (ist!) immer noch ihr Geburtstag. Überhaupt fällt es mir schwer zu sagen: Sie war. Weil sie für mich: ist. Sie ist der Fels für die Brandung in meinem Kopf. Sie ist das Adamantium, das mich inmitten nuklearer Explosionen zusammenhält, wie Wolverine; das ist übrigens sehr cool. Sie ist also da, aber dann auch wieder nicht, nicht genug, immer nur so um Haaresbreite an meinen Fingerspitzen vorbei, immer nur so ein Windstoß. Das reicht nicht, aber es muss ja.

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Kalbsschnitzel.

yap

„Nach dem zweiten gestillten Kind sehen die Brüste halt auch aus wie Kalbsschnitzel“, sagte die Spielplatzmutter und blickte bedauernd in ihren Ausschnitt. Die zweite Mutter nickte wissend. Und riet zu einem Unterwäschekauf bei Karstadt. Die älteren Damen dort in der Wäscheabteilung hätten eine geradezu unglaubliche Beratungskompetenz, was die Ent-schnitzelung des Mutterkörpers angehe. Bei diesen Worten zupfte sie leicht an einem ihrer BH-Träger: „Okee, bequem sind die Formungsdinger jetzt nicht. Aber was willste machen.“

Ja. Was will man machen. Wie wäre es mit: Gar nichts?

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Ohne Worte.

Die Bahn fährt gerade in den Tunnel, als ich die Treppen zum Gleis hinabsteige. In 7 Minuten kommt erst die nächste. Ferienfahrplan und alles. Ich schlendere die U-Bahnstation entlang, wenigstens ist es hier unten schön kühl.

Patsch, macht es plötzlich. Ich schaue mich um. Sehe eine Frau auf der Wartebank sitzen, ein Kleinkind im Buggy vor sich. Neben ihr ein Typ, ins Handy vertieft.

Patsch, macht es wieder, und diesmal sehe ich: Die Frau schlägt ihrem Kind auf sein nacktes Bein. Ich rücke unauffällig näher. So nah, dass ich in normaler Lautstärke zu der Frau sprechen könnte, sollte ich das denn wollen. Oder wagen.

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snapshots #10

2016-06-04 11.48.58

Auf dem Spielplatz. Auch so eine lustige Einrichtung.

Ein anderes Kind und seine Mutter sind sich nicht einig, ob meine Tochter wohl ein Junge sei. Oder ein Mädchen? Weil, Haare wie ein Junge. Aber die rosa Schuhe! Und was ist mit dem überdimsionierten Laster, den das Kiddo so eifersüchtig bewacht!

Es ist aber auch nicht einfach. Ich lausche dem Dialog und verkneife mir ein bisschen das Lachen.

Das andere Kind verliert die Geduld, es kommt zum Kiddo auf die Rutsche:

„Bist Du ein Mädchen?“

„Nein“, sagt das Kiddo.

„Bist Du ein Junge?“

„Nein“, sagt das Kiddo.

„Aber. Was bist Du denn?“

„Bin eine Kind!“, sagt das Kiddo.

Das andere Kind nickt versonnen. Dann stiefelt es durch den Sand zu seiner Mutter zurück. „Es ist ein Kind!“ berichtet es triumphierend. Die Mutter stutzt. „Ach so, na dann“, sagt sie. Und lacht.

Darf es etwas mehr sein?

(Diesen Text möchte ich meinem Bruder widmen. Es wäre so viel scheißer ohne Dich.)

2013-03-18 20.24.12

 

Ob wir schon Nummer 2 planen? „Nummer … ach so, ein zweites Kind. Ja. Nee. Eigentlich nicht.“

So oder ähnlich diffus fällt meine Antwort aus, wenn mich jemand fragt, wann bei uns denn Nummer 2 anstünde. Dass es um ein Wann geht, nicht um ein Ob, setzen die Fragenden selbstverständlich voraus (Nummer 2 … wie so ne Warencharge). Vielleicht sind zwei Kinder für die meisten Menschen das Normale.

Und ja, irgendwo in einer sehr geheimen, nur mir zugänglichen Gedankenkammer meines Enddreißigerhirns wohnen nicht nur zwei, sondern sogar drei Kinder. Tatsächlich, so ist es. Die drei Kinder in der Gedankenkammer haben mit meiner Lebensrealität rein gar nichts zu tun; sie existieren in einem Paralleluniversum, in dem ich vom Schreiben leben kann wie Gott in Frankreich, und das auf einem herrlichen alten Bauernhof im Voralpenland. Dort scheint immer die Sonne, niemand hat jemals Magen-Darm und die drei Kinder schlafen zwar nicht durch, wecken mich aber nachts maximal durch wohliges Kuscheln und Seufzen, bevor sie friedlich wieder einnicken. In der Gedankenkammer wohnt außerdem eine Version des Mannes, die allzeit heiter und außerdem wahnsinnig belastbar ist, große Lust auf Großfamilie verspürt und von einem unbekannten amerikanischen Onkel eine Million geerbt hat. Schön, gell? Und so realitätsfern.

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