Kalbsschnitzel.

yap

„Nach dem zweiten gestillten Kind sehen die Brüste halt auch aus wie Kalbsschnitzel“, sagte die Spielplatzmutter und blickte bedauernd in ihren Ausschnitt. Die zweite Mutter nickte wissend. Und riet zu einem Unterwäschekauf bei Karstadt. Die älteren Damen dort in der Wäscheabteilung hätten eine geradezu unglaubliche Beratungskompetenz, was die Ent-schnitzelung des Mutterkörpers angehe. Bei diesen Worten zupfte sie leicht an einem ihrer BH-Träger: „Okee, bequem sind die Formungsdinger jetzt nicht. Aber was willste machen.“

Ja. Was will man machen. Wie wäre es mit: Gar nichts?

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Ohne Worte.

Die Bahn fährt gerade in den Tunnel, als ich die Treppen zum Gleis hinabsteige. In 7 Minuten kommt erst die nächste. Ferienfahrplan und alles. Ich schlendere die U-Bahnstation entlang, wenigstens ist es hier unten schön kühl.

Patsch, macht es plötzlich. Ich schaue mich um. Sehe eine Frau auf der Wartebank sitzen, ein Kleinkind im Buggy vor sich. Neben ihr ein Typ, ins Handy vertieft.

Patsch, macht es wieder, und diesmal sehe ich: Die Frau schlägt ihrem Kind auf sein nacktes Bein. Ich rücke unauffällig näher. So nah, dass ich in normaler Lautstärke zu der Frau sprechen könnte, sollte ich das denn wollen. Oder wagen.

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snapshots #10

2016-06-04 11.48.58

Auf dem Spielplatz. Auch so eine lustige Einrichtung.

Ein anderes Kind und seine Mutter sind sich nicht einig, ob meine Tochter wohl ein Junge sei. Oder ein Mädchen? Weil, Haare wie ein Junge. Aber die rosa Schuhe! Und was ist mit dem überdimsionierten Laster, den das Kiddo so eifersüchtig bewacht!

Es ist aber auch nicht einfach. Ich lausche dem Dialog und verkneife mir ein bisschen das Lachen.

Das andere Kind verliert die Geduld, es kommt zum Kiddo auf die Rutsche:

„Bist Du ein Mädchen?“

„Nein“, sagt das Kiddo.

„Bist Du ein Junge?“

„Nein“, sagt das Kiddo.

„Aber. Was bist Du denn?“

„Bin eine Kind!“, sagt das Kiddo.

Das andere Kind nickt versonnen. Dann stiefelt es durch den Sand zu seiner Mutter zurück. „Es ist ein Kind!“ berichtet es triumphierend. Die Mutter stutzt. „Ach so, na dann“, sagt sie. Und lacht.

Darf es etwas mehr sein?

(Diesen Text möchte ich meinem Bruder widmen. Es wäre so viel scheißer ohne Dich.)

2013-03-18 20.24.12

 

Ob wir schon Nummer 2 planen? „Nummer … ach so, ein zweites Kind. Ja. Nee. Eigentlich nicht.“

So oder ähnlich diffus fällt meine Antwort aus, wenn mich jemand fragt, wann bei uns denn Nummer 2 anstünde. Dass es um ein Wann geht, nicht um ein Ob, setzen die Fragenden selbstverständlich voraus (Nummer 2 … wie so ne Warencharge). Vielleicht sind zwei Kinder für die meisten Menschen das Normale.

Und ja, irgendwo in einer sehr geheimen, nur mir zugänglichen Gedankenkammer meines Enddreißigerhirns wohnen nicht nur zwei, sondern sogar drei Kinder. Tatsächlich, so ist es. Die drei Kinder in der Gedankenkammer haben mit meiner Lebensrealität rein gar nichts zu tun; sie existieren in einem Paralleluniversum, in dem ich vom Schreiben leben kann wie Gott in Frankreich, und das auf einem herrlichen alten Bauernhof im Voralpenland. Dort scheint immer die Sonne, niemand hat jemals Magen-Darm und die drei Kinder schlafen zwar nicht durch, wecken mich aber nachts maximal durch wohliges Kuscheln und Seufzen, bevor sie friedlich wieder einnicken. In der Gedankenkammer wohnt außerdem eine Version des Mannes, die allzeit heiter und außerdem wahnsinnig belastbar ist, große Lust auf Großfamilie verspürt und von einem unbekannten amerikanischen Onkel eine Million geerbt hat. Schön, gell? Und so realitätsfern.

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Zieh Dich schon mal aus…

2015-09-11 10.46.40

 

Wie ich einmal versuchte, romantisch zu sein.

Es ist noch nicht sehr lange her, da torkelte ich aus dem Büro nach Hause, halb wahnsinnig vor Müdigkeit und dem Verlangen nach Weizentoast mit Erdnusscreme und Nutella. Mein Heimweg führt an einem Pornokino-Sexshop-Laden vorbei, dessen verblichene Sarah Young-Poster im Schaufenster mich rühren. Als ich mich gerade fragte, wie der Laden in dieser hippen Nachbarschaft überhaupt bestehen kann, weil da nie einer reingeht, ging direkt vor meiner Nase einer rein. Oder besser gesagt, zwei. Ein Paar. Und ich erlitt prompt einen Schock, als ich feststellte: Ich kenne dieses Paar! Aus dem Erste-Hilfe-Kurs für Babys. Die haben ein Kind in unserem Alter. Und jetzt gehen die ins Pornokino!? Abends und allein?! Okay, das Kind hätten sie wohl so oder so nicht mitgenommen. Aber: Die gehen ins Pornokino, ey! Die haben Sex! Oder zumindest die Absicht!

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Die Hölle, das sind die anderen.

2015-05-17 09.51.35

Angeblich ist Karstadt insolvent. Oder fast. Kann ich gar nicht glauben, wo doch gerade so viele Leute durch die Schwingtüren des Warenhauses ein und aus gehen, an einem ganz normalen Dienstagnachmittag. Seit bestimmt 15 Minuten stehen die Türen nicht still. Ich weiß das so genau, weil ich vom Mittelstreifen der vierspurigen Straße aus einen herrlichen Blick auf den Haupteingang habe. Leider hat der Haupteingang auch einen herrlichen Blick auf mich, was vor allem die Menschen zu schätzen wissen, die dort an der Haltstelle stehen und auf ihren Bus warten. Es ist nämlich so: Ich bin hier gerade die Hauptattraktion. Nicht, weil ich weltberühmt bin, oder wunderschön, oder ein Einhorn. Nein. Das Aufsehenerregende an mir befindet sich zu meinen Füßen, ist keinen Meter lang und brüllt seit einer Viertelstunde, als gäbe es kein Morgen. Es handelt sich nicht um einen pubertierenden Orang-Utan.

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Kreuzberger Nächte.

2016-01-31 11.07.13

Geständnis Nummer 1: Vor der Schwangerschaft, also damals, in diesen jugendlich-unbeschwerten Zeiten, die niemals so jugendlich-unbeschwert waren wie in meiner Erinnerung, habe ich wirklich gern getrunken, ab und an. Wenn ich jetzt behaupte, das läge bei uns in der Familie, ist das zwar faktisch richtig, bringt aber meine Eltern in Verlegenheit.

Geständnis Nummer 2: Geraucht habe ich auch gern. Nicht sehr oft, aber mit Hingabe.

Geständnis Nummer 3: Bei passender Gelegenheit habe ich außerdem gekifft. Verklagen Sie mich doch.

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Kinder machen glücklich? Nope.

2016-01-06 18.22.29

Back in the days of 1992 hat mein 14-jähriges Ich einmal eine zweifelhafte Entscheidung getroffen: Dauerwelle. Noch am selben Tag habe ich das bitter bereut. Eine Zeitmaschine wünschte ich mir, mit jeder Faser meines pubertierenden Herzens.

Bereut habe ich auch, dass ich, ebenfalls im schicksalhaften Jahr 1992, mit meinem gleichaltrigen Freund geschlafen habe, weil ich ihn „halten wollte“. Es war richtig, richtig scheiße und tat sehr, sehr weh. Einige Monate später teilte er mir telefonisch mit, er müsse sich entscheiden: Freundin oder Tennisclub. Für beides reiche die Zeit nicht. Es war das Jahr von Agassis furioser Beinkleidung. Als ich den Telefonhörer auflegte, war ich wieder Single.

Seitdem gab es vieles zu bereuen. Liebschaften, Wohnorte, Berufe, Outfits, Autokäufe, Grausamkeit. Einige Entscheidungen konnte ich rückgängig machen (auch wenn der Dauerwelle eine auberginefarbene Intensivtönung folgen sollte), andere nicht. Ich bedaure oft und lange. Fruchtloses Grübeln über Dinge, die ich möglicherweise in einer anderen Realität hätte besser machen können, ist eine Anti-Superkraft von mir. Ich kann wahnsinnig gut und mit großer Geste unglücklich sein.

Was ich nicht bereut habe, ist meine Tochter. Weiterlesen

snapshots #9

sarah young

Bild via

Spazieren mit dem Kiddo. Eher ein Analysieren. Forschen. Neu bewerten. Auf jeden Fall irre langsam. Das Ende des Blocks so weit entfernt wie das Ende der Welt.

Plötzlich kommt Bewegung in die kurzen Beinchen. Das Kiddo will dringend die Straße überqueren. Kein Aufschub möglich. Und ich habe ja sonst nichts zu tun (haha), deshalb begleite ich das aufgeregte Kind ans andere Ufer. Es steuert zielstrebig auf einen alten Sexshop zu.

Vor dem verblichenen Plakat von Sarah Young im Schaufenster bleibt das Kiddo stehen, schaut voller Zuneigung zu der Brünetten hoch und legt die Handflächen fest gegen das Glas.

„Mama!“ sagt es zärtlich.

 

Unterwegs: Bei Mama On The Rocks und Nieselpriem.

Ich versprach Beiträge, hier kommen Beiträge. Geil, was? Sollte eventuell in die Politik gehen. Oder ein queerer Weihnachtsmann werden. Mein Ansatz zu Damenbart und Wampe spielt mir da wundervoll in die Karten.

Bei Rike von Nieselpriem erzähle ich von meinem schweren Weihnachtslos als Mutter eines Grinchs. Wer Nieselpriem nicht kennt, was ich mir jedoch gar nicht vorstellen kann und will, sollte sich in Grund und Boden schämen.

Außerdem verspreche ich bei Mama On The Rocks, dass ich 2016 eine noch schlechtere Mutter werde. Doch, das geht. Und bei Séverine, die eine echte Wucht ist, ein bisschen rumzupöbeln, hat mir große Freude bereitet.

Stay tuned und esst Baumkuchen, solange Ihr noch könnt.