Körper. Bilder.

little kiddo-mom

Weil ich faul bin, meistens, und uninspiriert, manchmal, mache ich es mir leicht und beginne mit der Arbeit einer anderen. Auf Zehenspitzen schrieb kürzlich in „Medialer postpartum Fleischmarkt“ über die pseudojournalistische Verwurstung des königlichen Körpers von Herzogin Kate. Die hat bekanntermaßen erst vor wenigen Wochen entbunden.

Davon abgesehen, dass ich den Begriff „After-Baby-Body“ so sehr hasse wie kaum einen anderen, machten mich die verlinkten Artikel schon wieder so wütend. Schon wieder, weil ich es doch eigentlich besser wissen müsste: Frauenkörper sind mediales Freiwild. Und wütend, weil ich es einfach nicht mehr hören und lesen kann, obwohl ich es besser weiß: Frauen sind meistens zu fett oder befinden sich in der schlimmen Gefahr, demnächst fett zu werden. Und wenn sie nicht fett sind, haben sie asymmetrische Brüste oder schiefe Beine, sind zu groß oder zu klein oder weisen andere Makel auf, die sich im besten Fall mit ein paar modischen Kniffen „kaschieren“ lassen. Ach ja, „kaschieren“: Hasse ich fast ebenso dolle wie „After-Baby-Body“. Manchmal, und das meine ich ernst, habe ich große Lust, aus Protest fett zu werden. Fett und laut und leckt mich doch alle am Arsch.

Und heute Morgen dies: Ich wurschtele nackt im Bad herum und steige schließlich auf die Waage. Ich hatte eine Woche lang eine schmerzhafte Magengeschichte und will wissen, ob ich deshalb abgenommen habe. Die Waage zeigt ein Kilo weniger. Ich steige von der Waage herunter und ziehe mich an. Und sehe aus dem Augenwinkel, wie das Kiddo seinerseits auf die Waage steigt und mit einem kritischen Gesicht die Anzeige betrachtet – so wie ich es eine Minute zuvor getan habe. Kurz stehe ich ratlos herum. Dann wird mir klar: Nein. Moment. Nein. Ich will das nicht! Natürlich weiß sie nicht, was sie da tut. Noch weiß sie es nicht, noch ahmt sie mich einfach nach. Noch ist das ein Spiel für sie.

Und ich will nicht, dass Ernst draus wird. Meine eigene Körpergeschichte ist lang und traurig. Das übergewichtige Kleinkind, dessen Großmutter es ein bisschen zu gut mit der Folgemilch meinte. Das schüchterne Grundschulkind, das sich seines Restbäuchleins im Sportunterricht sehr bewusst war. Der schlanke Teenager auf der Suche nach Körpervorbildern. Der unglückliche Teenager, der nach einem heftigen Liebeskummer viele Kilos zunahm. Hallo Diätindustrie, hallo Kalorienzählen und Körperhass und noch mehr Körperhass. Als ich zuhause auszog, war ich grade in der Fettfrei-Phase. Ich aß Kartoffelpüree ohne alles, dünstete eine Packung Brokkoli zum Mittagessen, trank ausschließlich Magermilch, frühstückte chemisch schmeckenden Joghurt mit 0,1% Fett und experimentierte mit dem Braten von Spiegeleiern in Sprudelwasser. Das Hassen meines Körpers nahm eine Menge Ressourcen in Anspruch. War ich auswärts zum Essen eingeladen, verging ich vorher fast vor Kopfzerbrechen – schließlich konnte ich mir nie sicher sein, was denn genau drin war im servierten Mahl. Am Ende sogar Butter.

Wenige Jahre später zog ich in meine erste WG. Meine Mitbewohnerin aß gut und gern. Sie fühlte sich in ihrem Körper wohl und war sehr selbstbewusst. Niemals wäre ihr Magermilch in die Tasse gekommen. Sie überredete mich zu einem Brötchen zum Frühstück (ich bestrich es mit Lätta) und verriet mir nie, welche Zutaten genau in den leckeren Dingen waren, die sie für uns kochte. Statt dessen sagte sie: Du kannst das ruhig essen, davon wirst Du nicht dick, keine Sorge. Ich wollte ihr glauben. Irgendwann kaufte ich mir im Supermarkt einen Naturjoghurt mit naturbelassenem Fettgehalt. 3,8%, Wahnsinn. Einige Tage später traute ich mich, ihn zu öffnen. Vorsichtig probierte ich einen Löffel. Und musste weinen, weil der Joghurt so voll und gut und wunderbar schmeckte, und ich weil ich vergessen hatte, wie sich das anfühlt im Mund. Da wurde mir klar, dass ich ein Problem habe. Eines, dass sich nicht im Vorbeigehen beheben lässt.

Heute. Viele Jahre später. Es hat furchtbar lange gedauert, mich mit meinem Körper anzufreunden. Manchmal finde ich ihn immer noch blöd und weich und formlos, aber immerhin identifiziert mein innerer Patronus diese Gedanken sehr schnell. Dann verbiete ich ihnen den Mund und brülle in meinem Kopf „Lalalalalala“, bis ich an etwas anderes denke.

Hilfe von unerwarteter Seite kam in Form von Nadel und Tinte: Ich bin mittlerweile ziemlich tätowiert. Das habe ich so gar nicht geplant. Mit den Jahren wurde mir das Tätowieren eben zur Leidenschaft und zum Hobby, mein Körper zum Bilderbuch. Ich erinnere mich sehr gut an diesen Moment vor etwa einem Jahr, als ich aus der Dusche stieg, kein Handtuch fand, nackt in den Flur trat und plötzlich vor dem großen Spiegel stand. Da war eine Sekunde des völligen Unvoreingenommenseins, bis der Verstand wieder einsetzte, eine Sekunde, in der mich von außen sehen konnte – und dachte: So ein schöner Körper. Mir wurde klar, dass ich diesen Körper, der mir immer so fremd war, mit meinen Tätowierungen wieder in Besitz genommen hatte. Ich hatte den fremden Körper zu meinem Körper gemacht. Dafür liebe ich meine Tätowierungen noch mehr, als ich es sowieso schon tue.

Dennoch, die alten Gewohnheiten schleichen sich immer wieder ein, wie heute früh auf der Waage. Es liegt also noch einige Arbeit vor mir. Und jetzt ist diese Arbeit wichtiger als je zuvor, denn ich habe eine Tochter. Und ich wünsche mir von ganzem Herzen, dass es mir gelingt, ihr ein gutes und gesundes Körpergefühl zu vermitteln. Zumindest, bis Heidi Klum und Konsorten ihre Fänge in mein Kind schlagen. Aber bis dahin möchte ich alles tun, damit meine Tochter sich wohl und sicher in ihrer Haut fühlt. Freude am Essen hat. Freude an Bewegung, als Selbstzweck, nicht als Zwangsmaßnahme. Ich will ihr vorleben, wie es aussieht, wenn man sich selbst wertschätzt. Wie man sich mit liebevollem Blick betrachtet. Wie man gut zu sich ist. Und ich schwöre, ich werde mit allen Menschen, die den Körper und das Essverhalten meiner Tochter in destruktiver Weise kommentieren, einen sehr heftigen und eindrucksvollen Streit vom Zaun brechen. Das bin ich ihr schuldig. Das bin ich dem dicklichen, unglücklichen kleinen Kind schuldig, das ich selbst einmal war.

Darauf eine Tätowierung.

Die Waage kommt auf den Müll.

**********************************************

Zum Weiterlesen:

Kinder, Körper, Kommentare im Kaiserinnenreich

Frausein lernen heißt zu lernen, sich scheiße zu finden bei der Kaltmamsell

Klassiker: Der Mythos Schönheit von Naomi Wolf

Noch einer: Das Anti-Diätbuch von Susie Orbach

Advertisements

67 Gedanken zu “Körper. Bilder.

  1. CaPi schreibt:

    Wow, was für ein toller Artikel – danke! Letzte Woche habe ich festgestellt, dass ich mich nun ein Jahr nach der Geburt meines zweiten Kindes in meinem Körper ganz wohlfühle. Und das obwohl ich 10 kg mehr wiege als mit Anfang 20. Ich bin froh an diesem Punkt zu sein, dass ich mich rückblickend frage, wieso ich mich früher nicht schlank genug fand, die Arme und Schenkel zu dick – und jetzt mit einigen Kilos mehr bin ich ok damit. Und ich hoffe auch sehr, dass ich das an meine Jungs weitergeben kann: Toben im Freien, Bewegung, ausgewogenes Essen weil es Spaß macht und nicht unter irgendwelchen Körperidealisierungszwängen.

    Gefällt mir

  2. Wow, dieser Beitrag trieb mir gerade die Tränen in die Augen. Das kann es doch echt nicht sein, dass man sich sein Leben lang im eigenen Körper fremd fühlt, weil einem andere diktieren, wie Mann/Frau auszusehen hat. Beschämend, wie wir uns immer wieder einspinnen lassen, und auch erschreckend.

    Danke, dass du deine Erfahrungen und Gedanken hier geteilt hast.

    Gefällt 1 Person

    • Ich glaube, ganz vieles kann man seinen Kindern an Standfestigkeit und Eigenliebe mitgeben – oder eben gerade nicht.

      Ich hadere immer ein bisschen, ob ich wirklich so viel Persönliches hier schreiben will. Und dann folge ich meiner alten Überzeugung, dass das Private politisch sei, und drücke auf „Publizieren“.

      Gefällt 1 Person

  3. Heike schreibt:

    Oh je, ein schwieriges Thema. Obwohl ich meist eher zu dünn als zu dick war, hatte ich auch so eine Diät Phase als Teenie. Komischerweise gingen Po und Brüste mit 13 einfach nicht wieder weg, obwohl ich mich quasi von 0% Fett Salatdressing auf Eisbergsalat ernährte. Bis ich mir dachte, dass es das einfach nicht sein kann und zum Glück aufhörte mit dem Quatsch. So konnte ich in beiden Schwangerschaften entspannt je 20 Kilo zunehmen und zumindest den Großteil auch wieder abnehmen, Und die paar Kilos mehr sind mir jetzt so egal! Aber ich finde den Druck schon enorm. Meine Jungs lieben Pizza und Pommes und Süßigkeiten. Ich auch. Manchmal lasse ich sie, als arbeitende Mama hab ich einfach nicht den Kopf und die Muße, am Abend noch stundenlang in der Küche zu stehen und Grünkohl-Chips (arghhhh – die sollen die Kinder ja soo lieben, und sie sind sooo gesund!) oder getrocknete Bio-Apfelringe als Snack herzustellen, damit die Kleinen die Wartezeit bis zum Abendessen (Demeter-Rohkost und Vollkornbrot) überstehen und wenn ich ganz viel Glück habe hinterher frische Kirschen und Erdbeeren als Nachtisch wollen und nicht ein Eis, Maoam oder irgendwas anderes fieses…. Stress!! Vielleicht sollte ich doch meinen Job aufgeben, damit meine Kinder nicht eines Tages die sind, die mit leicht schwabbeligem Bäuchlein im Sportunterricht als letztes von der Bank ins Team gewählt werden…?!?

    Gefällt mir

    • Oh Gott, ja, der Sportunterricht. Diese unsägliche Praxis, die Sportlichsten das Team wählen zu lassen. Es sollte sich doch wirklich bis zum allerletzten Pädagogen herumgesprochen haben, wie demütigend das für ganz viele Kinder und Jugendliche ist, deren Talent eben nicht in der genormten schulsportlichen Betätigung liegt.

      Gefällt 1 Person

  4. Ich sitze hier auch gerade mit feuchten Augen. Ich habe mich in meinem Körper nie wohlgefühlt. Ich bin nicht übergewichtig, aber mein Kopf hat die Phase ‚du bist ein moppeliges Kind‘ nie hinter sich gelassen. Egal wieviel ich gewogen habe, ich habe mich dick gefühlt. Mittlerweile bin ich Mitte dreißig und fange langsam an mich mit meinem Körper anzufreunden. Ich hoffe sehr, dass ich es schaffe, meinem Sohn ein positives Selbst- und Körperbild zu vermitteln, durch den Umgang mit ihm habe ich erstmal gemerkt, was für ein verqueres Selbstbild ich da von mir ab und an habe, aber ich arbeite daran…
    Liebe Grüße und vielen vielen Dank für diesen großartigen Artikel

    Gefällt mir

  5. Gefällt mir, gefällt mir, gefällt mir! Gefällt mir sooo sehr!
    Danke für diesen tollen Artikel…
    Ich schliesse mich meinen Vorschreiberinnen an – auch ich habe feuchte Augen bim Lesen bekommen und habe mich leider wiedererkannt.
    Lange Zeit war Essen bei mir auch nur „der Feind“ und „Genuss“ kannte ich gar nicht.
    Damit avancierte auch mein Körper immer mehr und mehr zum Feind.
    Ich wünsche mir nichts sehnlicher, als dass meiner Tochter das erspart bleibt!

    Gefällt mir

    • Ich habe heute erst einen Burger und dann ein Stück Schokoladenfondant zu Mittag gegessen. Weil ich großen Hunger und Lust drauf hatte. Früher hätte ich mich dafür tagelang mit Magerjoghurt und Kartoffelpüree bestraft. Heute bin ich danach noch shoppen gegangen 😀

      Gefällt mir

  6. Renana schreibt:

    Ein toller Artikel (wie eigentlich immer)!
    Ich hatte nie groß das Gefühl, mein Körper sei irgendwie falsch, bis ich letztes und vorletztes Jahr wegen einer zunächst unentdeckten Stoffwechselstörung total abnahm. Und dabei fraß wie ein Scheunendrescher. Am Ende wog ich noch 53 Kilo (11 weniger als sonst). Und alles war nur Haut und Knochen und wenn ich in den Spiegel sah (hab keine Waage, wozu auch. Die 53 Kilo sind in der Sauna ermittelt 😉 ) kam ich mir vor wie eine ausgezehrte Heuschrecke. Nachdem dann endlich die Stoffwechselerkrankung festgestellt und behandelt wurde, nahm ich wieder zu und schoss ein bisschen übers Ziel hinaus, fand ich aber total gut so nach dieser dünnen Phase. Ich hatte sogar wieder Brüste, jucheh! Und weil mein Sohnemann bei der U-Untersuchung nicht auf die Waage wollte, musste halt ich einmal mit ihm, einmal ohne. Ohne Kind 73 kg, hab ich mir nicht viel bei gedacht. Im Winter, mit Klamotten (huch, Verteidigungsmodus. So schnell geht das…). Dann wurde ich schwanger mit Nr. 2 und musste mein „Pre-pregnancy“-Gewicht angeben. Aus Mangel an anderen Werten sagte ich also die 73. Der Arzt tippte an seinem Computer herum und knallte mir dann vor den Kopf: „Sie wissen, dass sie damit als übergewichtig gelten?“.
    Der Stachel sitzt auch im 9. Monat noch tief.
    Neuer Trend hier im hohen Norden Europas: möglichst kleine Babybäuche haben und möglichst kleine Babys darin machen. Geburtsgewicht unter 3000 g wird teilweise angestrebt von den hiesigen Sternchen! Das ist doch total krank! Nur, damit man nach vier Tagen wieder einen flachen Bauch präsentieren kann (wers nicht glauben mag: http://www.dailymail.co.uk/news/article-2515971/Footballers-wife-sparks-outrage-Norway-posting-picture-flat-stomach-days-giving-birth.html).
    Und da fragen sich manche, wieso man Feminismus noch braucht…

    Gefällt mir

    • Oaaarrrr, Ärzte. Immer wieder ein Spaß.

      Das Kiddo wog knapp über 3000 Gramm bei der Geburt. Einen superschnell superflachen Bauch hatte ich trotzdem nicht. Und das vielgerühmte Stillen als ultimative Diät brachte auch genau gar nichts (also in Sachen Gewichtsverlust).

      Gefällt mir

  7. Toller Text!
    Ist es nicht irre, wie verrückt man sich machen kann? Bei mir war es zwar nicht ganz so extrem, aber ich war doch weit entfernt von zufrieden. Wenn ich heute Fotos von damals ansehe denke ich: „Wow!“ Damals sah ich nur: „die Oberschenkel sind zu dick!“

    Gefällt 1 Person

    • Ja, es ist wirklich vollkommen bescheuert. Habe letztens ein Foto von mir gesehen, da war ich 17 und sehr hübsch. Musste glatt lachen, weil ich mich noch genau erinnern konnte, wie hässlich ich mich am Tag der Aufnahme fühlte. Wahnsinn.

      Gefällt mir

  8. ich glaube, das Problem dass du beschreibst, kennen fast alle Frauen… Und wenn man als Gr.42-Frau hört, wie andere 5kg abnehmen wollen weil sie sich mit BMI 20 „zu fett“ finden, versetzt es einem doch jedes Mal einen Stich. Ein wunderbar ehrlicher Artikel für mehr Mut zum Ich, vielen Dank!

    Gefällt 1 Person

  9. o0 Gerade heute hat mich das Thema auch wieder fest in den Fängen gehabt. Warst du in meinem Kopf? Begonnen hat es mit dem „after Baby-Body“ Kommentar gestern im TV (wenn ich das nur höre…) und einem Buch dass ich aus der Bücherei heim geschleppt habe. Und nun dein Text.
    In deiner Geschichte habe ich viel von mir gefunden. Deine Körpergeschichte klingt wie meine. Traurig macht mich vor allem, dass wir uns so fremdbestimmen lassen- und das von Menschen und Meinungen, die es offensichtlich nicht gut mit uns meinen.
    Wie verzerrt unser Selbstbild doch oft ist. Wenn ich heute alte Bilder sehe denke ich oft: da warst du viel schlanker und soooo unzufrieden. Fühlen tut ich mich heute viel schlanker, obwohl ich jetzt übergewichtig bin und mir das damals nur eingebildet habe.
    Machen wir es besser und seien wir gute Vorbilder für unsere Kinder…. Danke für deinen Text!

    Gefällt mir

    • Ich glaube, ich war versehentlich in den Köpfen von ganz vielen. Welche Energie man haben könnte, wenn man, also frau, sich nicht an ihrem Körperbild zerfleischen würde…hab ich mir schon oft gedacht.

      Gefällt mir

  10. Germanleg schreibt:

    Eine liebe Kollegin hat mir neulich gesagt: “ weißt Du, mit 40 entscheidet frau sich – Figur oder Gesicht.“ Seitdem lächle ich mir umso lieber zu im Spiegel. Tut gut.

    Gefällt mir

  11. Ach es ist traurig. Dass wir Frauen so mit uns hadern und uns so schwer tun damit, unsere Körper anzunehmen.
    Denn das Selbstbild ist doch eigentlich nie das Fremdbild. Wie hyperkritisch hässlich wir uns oft finden – so nehmen uns die anderen meist nicht wahr.

    Ich seh auf dem Foto auch kein übergewichtiges Kind, sondern einen wundersüßen Fratz mit toller Mireille-Mathieu-Frisur!

    Gefällt mir

  12. Tomi schreibt:

    Hach…Kiddo-Liz, ich hoffe der Mann herzt und knutscht dich oft genug, denn das sollte man mit Dir möglichst häufig machen!Danke für diesen tollen Text und diese bitter-süßen Wahrheiten über zerbrechliche und wackelige Selbstbilder, die ich fast verdrängt hatte. Aber so war’s tatsächlich: mit 17 war ich schlank, feinporig und mit glänzender Langhaar-Mähne definitiv sehr hübsch…aber selbstsicher, schlagfertig und vor allem halbwegs lässig war ich nicht. Das bin ich heute nach 2 Schwangerschaften und Entbindungen mit Schwangerschaftsstreifen und Augenringen. Die Leistung meines Körpers diese 2 kleinen Wesen zu erschaffen und ernähren hat mich tatsächlich versöhnt – wie könnte ich ihm danach immernoch ernsthaft böse sein?!

    Gefällt mir

  13. Ich finde das Vorleben bei den eigenen Kindern auch harte Arbeit und oft muss ich mir auf die Zunge beißen. Wenn wiegen, dann einfach wertfrei das Gewicht aussprechen (Kinder wollen eh immer mehr wiegen, weil das ja heißt, dass sie größer geworden sind!). Wenn man gefragt wird, was man wiegt, einfach ehrlich sagen. Wenn Kinder am Bauchspeck der Mutter rumgruscheln wollen – warum nicht, ist doch so schön weich. Und immer wieder betonen, dass Gewicht überhaupt nichts sinnvolles über einen Menschen aussagt („Mama, bin ich dick?“ – „Was soll das heißen, dick? Wenn Du dick wärst, wärst Du dadurch ein schlechterer Mensch“). Manchmal kommt man sich da ein bisschen albern und überkompensatorisch vor, aber was will man machen, es wissen ja schon die Vorpubertären bestens Bescheid, was angeblich schön ist und was nicht.

    Gefällt mir

  14. Ich habe herzhaft gelacht, geschmunzelt und teilweise ein „Oh ja, genau, das stimm!“ nicht unterdrücken können. Meine Waage wurde ebenso verbannt. Muskeln sind ja bekanntlich auch schwerer! ;-D
    LG aus Kreuzberg

    Gefällt mir

  15. Ich war letztens erstaunt, als du ein Foto von mir kommentiert hast und dein Alter mit erwähntest.
    Als ich meinen Mann fragte wie alt er dich an Hand deiner Fotos schätzen würde, sagte er: um die 25(!) 😉
    Ganz ehrlich, anders hätte ich auch nicht geschätzt.
    Ich finde es gut, dass dir die Tätowierungen geholfen haben und es ja immer noch tun.

    Wer brauch schon eine Waage. Man merkt auch so ob man in die Lieblingsjeans passt oder es langsam eng wird.

    Liebe Grüße,
    Bell

    Gefällt mir

  16. Sehr ehrlicher Text, super geschrieben. Ich denke, dass fast jede Frau genau solche Phasen durchmacht. Ich erinnere mich an Krautsuppen-Diäten, in denen ich wochenlang nur Krautsuppe gegessen habe, Phasen, in denen es nur einen Apfel am Tag gab und Weight-Watchers-Programme, an denen ich mit 16 teilgenommen habe. Und ich war nicht im geringsten übergewichtig. Geklappt hat es außerdem selten, was mich dazu gebracht hat, mir noch mehr meiner „Fettleibigkeit“ bewusst zu sein und unwohler in meinem Körper zu fühlen.
    Ironischerweise hatte ich den Punkt erreicht, an dem ich mich vor den Spiegel stellen konnte und sagen „Hey, gut siehst du aus, genau richtig“, als ich krank wurde und mal schön 7-8 kg abgenommen habe. Und siehe da, schon drehte sich das Karussel in die andere Richtung. Ich fühlte mich viel zu dünn und hatte Angst, mein Mann könnte mich aus diesem Grund weniger attraktiv finden…
    Heute bin ich zum Glück so weit, mich meistens genau richtig zu finden und mir darüber wenig Gedanken zu machen. Auch dass ich in der Schwangerschaft bisher 16kg zugenommen habe, macht mir keine Sorgen. Vielleicht bleiben ja zwei oder drei Kilos dran 🙂

    Ich verstehe gut, dass du deine Tochter vor diesem Irrsinn schützen möchtest. Wahrscheinlich, wie du schon richtig erkannt hast, werden ihr diverse Mager-Vorbilder aber nicht erspart bleiben. Meine Mama war immer ein gutes Vorbild und konnte mich trotzdem nicht davor bewahren. Aber ich denke, sie hat es mir einfacher gemacht, mich irgendwann doch gut zu fühlen in meiner Haut. Also zumindest das wird der Rauswurf der Waage bewirken!

    Gefällt mir

    • Das stimmt. Tut es echt. Mal mehr, mal weniger. Am angenehmsten find ich persönlich die Oberarme. Das lässt sich gut aushalten. Immer, wenn eins fertig ist, vergesse ich den Schmerz wieder. Also das, was sie angeblich über Geburten sagen – wobei ich den Wehenschmerz sehr genau erinnere. Der war schlimmer als ne Million Tattoos. Ahhhh.

      Gefällt mir

  17. BrilliVanilli schreibt:

    Du bist so toll und ehrlich und authentisch und ich möchte die kleine Kiddo-Mum, als sie selbst noch ein Kiddo war und die spätere Teeangerkiddo in den Arm nehmen. Und ich möchte mit ihnen ein Schokoeis ohne Reue essen und mit der erwachsenen Kiddo-Mum lass ich mir ein Stück Erdbeertorte tättowieren 😄👍🏻

    Gefällt 1 Person

  18. Toller Artikel, aber jetzt bin ich ja ein bisschen neugierig: Von wie vielen Tattoos sprechen wir denn jetzt so??? Ich bin ja immer noch am Überlegen, ob ich mir auch mal eins machen soll, hadere dann aber immer, weil ich großer Nachdenker mir nie sicher bin, was es denn sein soll…

    Gefällt mir

  19. Super Artikel und toll geschrieben. Danke – ich liebe deinen Stil! Hab dich schon auf Instagram ‚entdeckt‘ 😜 Du schreibst mir aus der Seele. Ich war immer schlank (1,60 und 53 kg) bis ich ein Kind bekommen habe. Meine Tochter ist jetzt 6 und die letzten 6-8 kg von den 18 zugenommenen hab ich nie runter bekommen. Ums Verrecken nicht! Und da ich mit einem Kampfgewicht von 58 kg in die Schwangerschaft gegangen bin, da ich, als ich meinen Mann kennengelernt habe, immer zwei Mal am Tag gegessen habe, einmal mittags und nochmal abends mit ihm 😉 war es, Zack, um mein Gewicht geschehen… Mir gefällt das gar nicht und das bekommt meine Tochter leider manchmal mit. Ich nehme mir auch jedes Mal vor, dass sich das ändern wird und erzähle ihr was von ‚ist nicht schlimm, ich find mich gut usw…‘ Aber als sie mal sagte ‚Mama, ich möchte nie dick sein‘, da war mir klar, das geht so nicht. Seit dem feiere ich, so schwer es manchmal fällt, mich selbst und meinen Körper (auch wenn sie neulich sagte, dass mein Popo aussehe wie der meiner Mutter! Obwohl meine Mama eigentlich echt für 65 einen ganz guten Hintern hat… Aber gut. Fakt ist, wir müssen unseren Kindern vorleben, dass unser Köper es wert ist geliebt zu werden, egal wie er aussieht und das wir gut sind wie wir sind. Denn das sind wir! Ich hoffe, die Botschaft kommt bei ihr an. Also, auf uns und unsere Mama-Körper 👍 Siina

    Gefällt mir

  20. Super Text!
    Ich finde es auch so wichtig, den Kindern nicht diese blöde Aufmerksamkeit auf die Körpermaße und die Einteilung in „dick“ und „dünn“ vorzuleben. Ich selber schaffe es gut und fahre allen anderen über den Mund – aber oft sind die blöden Sätze schon raus. Die Schwägerin lästert beim Frühstück munter über die „dicke Nachbarin“, das normalfigürliche unter meinen drei Mädels wird neben ihren Bohnenstangenschwestern als „proper“ bezeichnet und die Erzieherin auf Diät lehnt das Schokoladengeschenk einer Dreijährigen ab mit der Begründung, sie dürfe das nicht essen weil sie einen dünneren Bauch bekommen wolle!!! Ja hallo!?!?!? Manchmal hab ich das Gefühl ich bin die ganze Zeit nur am Richtigstellen!
    Dabei wäre es so einfach, wenn es nicht in den Köpfen so festsäße! Süßigkeiten kann man auch mit dem Verweis auf „ungesund“ rationieren und Päuschen in der Riesenschlemmmahlzeit begründet man gut mit der Chance für den Bauch, festzustellen ob er satt ist.
    Seufz….

    Gefällt mir

  21. Jetzt musste ich tausend Minuten scrollen, um ein verheultes Küsschen dazulassen… alle hast Du berührt, du Großartige Liz mit dem wunderschönen Bilderbuchkörper ❤ Ich bin völlig heulsusig von Deinen Worten. Und ich habe ein einziges Tattoo, nur Narben. Aber die haben bei mir eine ähnliche Wirkung. Liebste Grüße, Rike (die aus DD)

    Gefällt mir

  22. S schreibt:

    Der Text ist zwar schon etwas aelter, aber ich wollte trotzdem unbekannterweise danke dafuer sagen weil ich hier gerade mit verheulten Augen sitze. Ich bin keine Mutter, aber ich habe meinen Koerper seit fruehen Teenager Jahren gehasst (wenn man dauernd gemobbt wird und wildfremde Menschen einen auf der Strasse ansprechen und wortwoertlich sagen ‚haessliche dicke Leute wie du sollten einfach sterben, dann waere die Welt ein schoenerer Ort‘ ist das auch nicht schwer) und tue es auch jetzt noch, wenn auch etwas weniger. Bei mir aeussert es sich in selbst verletzenden Verhalten anstelle von Essstoerungen, auch wenn ich es langsam in den Griff bekomme. Meine eigenen Grosseltern haben mir als Kind/Teenager gesagt ich solle doch abnehmen und mir immer nur wenig zu essen gegeben wenn ich bei ihnen war. Das Gefuehl, dass mich niemals jemand attraktiv finden oder um meiner selbst lieben wird, ist auch jetzt noch da.

    Der Satz mit den Tattoos spricht mir aus der Seele – ich habe mir vor ein paar Jahren mit Anfang 20, als ich endlich aus Deutschland weggezogen bin, das erste machen lassen und seitdem sind zwei weiter hinzugekommen – haette ich das Geld waeren es schon sehr viel mehr. Mit diesen Tattoos (und der Tatsache dass ich mir inzwischen so manche Kleidung selber mache oder aendere) erobere ich mir langsam, aber sicher das Gefuehl ueber meinen Koerper zurueck und es ist unbeschreiblich. Vor einem Jahr habe ich zum ersten Mal seit ueber zehn Jahren ein schulterfreies Top angezogen und bin damit rausgegangen. Vielleicht schaffe ich naechsten Sommer sogar mal eine Dreiviertelhose.

    Von daher, danke! Dieser Text gibt mir die Hoffnungen dass ich eines fernen Tages vielleicht auch in den Spiegel sehen kann ohne schwarze Gedanken dahinter.

    Gefällt mir

Mitreden (seid nett)

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s