Die Brigitte schießt sich ins Bein.

Holy Shit! Da sind ja gar keine Glitzerponysticker auf meinem Rechner! Bin ich vielleicht gar nicht Mutter?

Holy Shit! Da sind ja gar keine Glitzerponysticker auf meinem Rechner! Bin ich vielleicht gar nicht Mutter?

Na sowas! Die Brigitte macht jetzt auch auf Clickbaiting*. Anders kann ich mir diesen Artikel nicht erklären**. In „Mütter als Kolleginnen? Mehr Fluch als Segen!“ lamentiert Marion Hackl auf maximal unreflektierte Weise über diese schrecklichen Frauen, die trotz Kind tatsächlich eine Erwerbstätigkeit auf professioneller Augenhöhe anstreben. Egoistinnen! Und dann nerven die Muttis ihre vielbeschäftigten KollegInnen mit diesen Kitazeiten und diesem Ponyreiten und diesen Kinderfotos. Urgh. Frau Hackl klingt im Angesicht dieser Zumutungen ausgesprochen nölig.

Hackls Lösung: Mütterarbeitsplätze! Das sind quasi Katzentische im Büro, wo Mütter (nicht Eltern! Mütter!) im Kreise ihrer Genossinnen solcherlei Arbeiten ausführen dürfen, die für die richtigen MitarbeiterInnen zu unwichtig sind. Ein Ghetto aus dm-Tüten und Dinkelstangen und Windelgeruch.

Blöd ist nur: Hackl hat anscheinend so gar nicht verstanden, wie strukturelle Diskriminierung funktioniert. Das ist natürlich ungünstig in dem Job (zur Strafe: ab auf den Mütterarbeitsplatz!). Da sollte man sich vielleicht mal mit einem Moment Recherche belasten.

Auch nicht verstanden hat sie folgenden fun fact: Mütter werden ja gar nicht von ganz allein zu Müttern***. Dafür braucht es ja auch noch einen Vater. Huch! Kriegt der dann einen Väterarbeitsplatz? Ach nein, der ist ja Geschäftsführer. Oder Abteilungsleiter. Oder was man in der Hackl’schen Welt als Mann eben zu sein hat. Der Vater existiert im Büro selbstverständlich nicht als Vater, sondern als Arbeitnehmer, liebe Freunde. Der kann das professionell trennen und muss nicht alle Welt mit seinem Brechdurchfall langweilen.

Überraschung, Frau Hackl: ArbeitnehmerInnen werden Eltern. Frauen und Männer werden zu Müttern und Vätern. Und wollen und müssen und sollen trotzdem arbeiten. Ja, obwohl sie Kinder großziehen. Ja, obwohl sie Verpflichtungen haben, die mit Ihrem persönlichen, unflexiblen, verknöcherten Arbeitsentwurf kollidieren. Damit müssen Sie leben. Damit müssen Arbeitgeber leben. Damit muss die Gesellschaft leben.

Kapiert das doch endlich, Ihr Dinosaurier.

(Ich habe zu dem Thema auch schon alles gesagt, eigentlich.)

*Wer Brigitte keine Clicks vom Kiddo schenken möchte, kann den Kram auch googeln

**Der Ursprungsartikel wurde von der Brigitte-Redaktion entfernt. Auf Facebook entschuldigt man sich für die Unannehmlichkeiten. Damit Ihr nachvollziehen könnt, was in dem Artikel stand, hier eine kurze Zusammenfassung in meinen Worten als Gedächtnisprotokoll: Die Autorin ist genervt von Müttern als Kolleginnen. Denn Mütter sind dauernd krank, oder ihre Kinder sind es, oder die Kita streikt. Wenn die Kita nicht streikt, müssen sie trotzdem pünktlich gehen. Oft sind sie müde und unkonzentriert, weil das Kind schlecht geschlafen oder Magen-Darm hat. Außerdem organisieren sie all den Kinderkram von der Arbeit aus: Ponyreiten und Kinderarzt und all that jazz. Und dann nerven Mütter auch alle anderen mit blöden Anekdoten und blöden Kinderfotos. Kurzum: Sie sind mit dem Hirn nicht hundertprozentig im Job und maximal unflexibel. Deshalb sollte es „Mütterarbeitsplätze“ geben. Dort trägt man dann dieser gesellschaftlichen Last Rechnung. Weil Mütter eben keine Leistungsbringer sind. All das entspringt den subjektiven beruflichen Beobachtungen der Autorin. Der Artikel ist nicht etwa Satire, sondern versteht sich als eine Art sarkastisch formulierter Standpunkt. Sprachlich ist er an mehr als einer Stelle deutlich abwertend gegenüber seinem Sujet. Die inhaltliche Seite habe ich bereits oben besprochen.

***Der Ursprungsartikel geht von der heterosexuellen Kleinfamilie aus

Advertisements

37 Gedanken zu “Die Brigitte schießt sich ins Bein.

  1. Claudia schreibt:

    OT: Wollte Dir nur sagen, wie wunderbar ich Deinen Blog finde! Ich habe ihn erst vor Kurzem über Andrea Harmonika entdeckt. (Mein Kleiner ist auch knapp 14 Monate. Auch wir wursteln uns durch Berlin.) Beruhigend zu sehen, dass es doch bei vielen Erstlingsmüttern ähnlich abläuft. Liebe Grüße, C.

    Gefällt mir

  2. Tomi schreibt:

    Ich habe den Text auch über „Mama arbeitet“ gelesen und verzweifelt nach einem Schlusssatz gesucht, der das Ganze als Ironie oder Satire outet. Leider vergeblich. Das kann eigentlich nur in die Rubrik „any publicity is…etc.!“ fallen, oder? Habe jedenfalls das dringende Bedürfnis die Brigitte sowie die Brigitte MOM !!!! (insert hysterisches Lachen hier) die nächsten 100 Jahre nicht mehr zu lesen. Nicht mal kostenlos beim Arzt. So!

    Gefällt mir

      • Ich glaub, sie meinte, dass sie den Originaltext über Deinen Blog fand. Und diesen erst als Satire vermutete. Oder? Ich dachte auch erst, die Hackl macht da voll auf ironisch, aber dann. Nix da.

        Gefällt mir

      • Tomi schreibt:

        Liebe Christine, ich meinte tatsächlich, dass ich das Original über deinen Blogpost gefunden habe und es schlicht nicht fassen konnte, dass das im
        Gegensatz zu deinem Text wohl keine Satire war!

        Gefällt mir

  3. Heike schreibt:

    Schade, der Link funktioniert nicht mehr und ist auch mit googeln nirgendwo mehr zu finden. Dabei hatte ich gerade mühsam (also so innerhalb von 30 Sekunden) alle Hasstiraden im Kopf parat gelegt, die ich der besagten Frau Hackl an den Kopf werfen wollte für so einen unfassbaren Artikel. Ja geht’s noch??? Und nun ist selbst die Brigitte zu feige, die Kritik für diesen Senf auszubaden. &#$?%$&§!!!!!!

    Gefällt mir

  4. Das hat Brigitte gerade bei FB gepostet:

    „Liebe Userinnen und User,

    wir haben eure Kritik gehört und die Leserstimme „Mütter als Kolleginnen“ offline genommen.

    Mit unseren BRIGITTE-„Stimmen“ möchten wir Leserinnen eine Plattform bieten. Hier geht es um individuelle Meinungen und Perspektiven, die nicht zwingend die Haltung der BRIGITTE spiegeln. Ziel ist die Diskussion.

    In Falle des o.g. Beitrags ist dieser Ansatz eindeutig überspannt worden. Wir bedauern dies sehr und bitten um Entschuldigung.

    Das BRIGITTE-Team“

    Gefällt mir

      • Hab ich mich auch gefragt, und ich glaube, es ist so, dass Leserinnen/Frauen Texte einreichen können, die Brigitte dann veröffentlicht. Ob es dafür ein Honorar gibt oder wie diese Texte ausgewählt werden, weiß ich nicht. Ich gehe aber davon aus, dass die Redaktion diese Texte freigeben muss und somit für den Inhalt verantwortlich zeichnet.

        Gefällt mir

      • mom schreibt:

        Naja, wenn die das vorher als kontroversen Leserartikel kennzeichnen und eine Diskussionsmöglichkeit einrichten, dann wäre das ja in Ordnung – solange die das nicht als sakrosankte Wahrheit ausgeben. Besser stupide Clickbait-Artikel als Selbstzensur, um nur ja niemandem auf die Zehen zu steigen.

        Gefällt mir

  5. So lahm, das Eltern-Bashing. Als ob Mutter sein so ein anstrengender Modetrend wäre, wie Hipster oder Emos. Und nicht das Normalste auf der Welt. Gähn. Ich unterschreibe alles, was Liz sagt, und mache noch einen herzhaften Kackhaufen als Punkt dahinter.

    Gefällt mir

  6. Tomi schreibt:

    Nachtrag: eine coole Variante des Nacherzähl-Artikels wie bei „Mama arbeitet“ gibt es auch aus Vätersicht bei ichbindeinvater.de !

    Gefällt mir

  7. Anne schreibt:

    Über dieses Thema hatte ich eine lange Unterhaltung mit meiner Nachbarin, als ich mich beklagte, wie schwer es ist, eine Teilzeitstelle zu finden. Meine Sieben Jahre Elternzeit sind ja nun mal da. D.h. das Unternehmen kann sich ausrechnen, das tendenziell zwei bis drei Kinder da sind, auch wenn ich das nicht explizit aufführe. Die Nachbarin – selbst Mutter! – plädierte für Verständnis, ihr armer Mann im Polizeidienst sei auch gebeutelt von den Stellen in Erziehungszeit die dann nicht wieder neu besetzt werden. „Daher befürwortet er Frauen im Polizeidienst auch nicht“ Ich bin dann mal gepflegt aus der Haut gefahren wie diskriminierend und familienfeindlich solche Aussagen sind und das ich meinen Mann spontan rauswerfen würde wenn er solche Aussagen machen würde und ich auch null Verständnis dafür habe, das sie als Frau und Mutter das noch fröhlich verbreitet. Aahhhrg. Und dann gibt’s Artikel die in die gleiche Kerbe hauen!!
    Frauen und Männer müssen die Wahl haben! Auch jene, die zuhause bei den Kindern bleiben wollen bis sie 18 sind. Ich könnte noch weitermotzen, aber das sprengt den Rahmen.

    Gefällt mir

  8. Claudia schreibt:

    Mein Mann und ich hatten heute Morgen erst wieder ein Gespräch über nervige KollegInnen und stimmten mal wieder überein das es wenig bis gar nichts damit zu tun hat ob und wenn ja wie viele Kinder jemand hat. Ob jemand in der Arbeitszeit mehr Privatkram als anderes macht ist eine Frage des Charakters und der generellen Arbeisteinstellung. Inkompetenz und Ignoranz sind ja nun keine grundlegenden Müttereigenschaften, wie man an der Autorin des besagten Artikels ja sieht.
    Ich habe übrigens auch erst gedacht das es sich um Satire handeln muss, denn die von Frau Hackl genannten Beispiele sind so dermaßen abgehoben….also mal ehrlich, Anwalt anrufen wegen der Kinder, Au Pair managen?! Das deckt sich vielleicht mit der gehobenen Society in der sich Frau Hackl gern wähnt aber doch nicht mit der Lebensrealität einer Durchschnittsmutter.

    Gefällt mir

  9. Obst schreibt:

    Danke Liz!
    Frag mich außerdem ob die werte Frau mutterlos auf die Welt gekommen ist (Nee bestimmt einfach Zack runtergebeamt, ohne vorher im inneren eines Körpers schmarotziert zu haben) oder ob sie sonst irgendwelche Menschen hatte, die sich um das Kind Hackl gekümmert haben. Sind diese Menschen in ihren Augen, dann auch nur für solche Mütterarbeitsplätze geeignet (gewesen)?

    Gefällt mir

    • Musst mal ihre Stellungnahme auf Facebook lesen. Sie beruft sich darauf, dass ihr Text als Polemik verstanden werden muss. Was ja auch rüberkam – nur frage ich mich, welche Form von Polemik in diese Richtung funktioniert: Von Machthabender zu Machtlosen. In meinem Verständnis funktioniert eine konservative Polemik per se nicht. Aber ich hatte wirklich keine Lust mehr, das jetzt auf Facebook auszudiskutieren.

      Gefällt mir

  10. Es ist einfach nur noch lächerlich, was Frau Hackl da macht: Sie nennt es nicht nur Polemik (wobei hier noch darüber zu diskutieren wäre, ob es nicht doch eher eine Schmähkritik ist; ich verstehe unter Polemik etwas absolut anderes), sondern verweist auf literarische Stilkunst u.ä. Hier ihre Antwort an mich im Blog von „mamaslifestyle“:

    @mrscgn
    Ich würde mir wünschen, dass die Brigitte den „Rückzieher“ zurückzieht. Falls dies nicht geschieht, stelle ich den Beitrag jedoch gerne selbst in vollem Umfang zur Verfügung, denn aus dem Gesamtkontext gerissen wäre der Hass, welcher mir für einzelne Passagen entgegen schlägt, mehr als gerechtfertigt.

    Kein Wort der Reflexion, schon gar keines der Entschuldigung. Ganz arm.

    Gefällt mir

    • mom schreibt:

      Ich finde, sich auf Druck zu entschuldigen, wenn man nicht hinter der Entschuldigung steht, ist arm.
      Ein bisschen Reflexion wäre allerdings nett.

      Gefällt mir

    • Hm, sie beschwert sich über mangelnde Reflexion bei uns? Und weigert sich gleichzeitig selbst strikt, ihren Text zu reflektieren?

      Die Sache mit der Polemik hat für mich ebenfalls ein ganz großes Hinkebein. Eine Polemik macht dann keinen Sinn, wenn sie sich gegen eine ohnehin schon sehr „schwache“ Gruppe richtet. So, wie es Mütter im Job eben in ganz vielen Fällen sind – unterschätzt, verhöhnt, unterrepräsentiert. Keine Lobby. Mich betrifft das ja im Grunde weniger, denn ich bin selbständig, aber die strukturelle Ungleichheit, die so oft übersehen und dadurch zemetiert wird, macht mich stellvertretend sehr wütend.

      Eine Polemik muss sich gegen die Starken richten, nicht gegen die Schwachen.

      Ich wünschte, Frau Hackl hätte ihre spitze Feder bei denen angesetzt, die von den Machtverhältnissen profitieren – nicht bei denen, die drunter leiden.

      Dieser Punkt ist es, der mich so aufregt.

      Neben dem Fakt, dass Väter in ihrem Text nicht vorkommen. Ein Elternsein gibt es da nicht, nur ein Muttersein.

      Vielleicht findet sie noch hierher und man kann sich sinnvoll auseinandersetzen.

      Gefällt mir

Mitreden (seid nett)

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s