Kind? Oder Karriere? Oder und?

Soll ich mich mal hochoffiziell zum Arsch machen? Ja? Wirklich? Na schön: Ich habe früher wahnsinnig ungern mit Müttern zusammengearbeitet. Sehr, sehr ungern. Ich fand das nämlich, sagen wir mal, kompliziert. Diese Teilzeitgeschichten. Der pünktliche Feierabend mitten am Tag. Das ebenso spontane wie unwiderrufliche Fehlen aufgrund von Kinderkrankheiten, von denen ich im Leben noch nie etwas gehört hatte. Hüftschnupfen, R U serious?! Maul-und Klauenseuche?! Geh mir fort.

Ich sag ja – Arsch. Und dumm. Und hochmütig. Was mir ja offenbar lange nicht in den Sinn kam, war der Zweifel am System. Da mussten erst eine Handvoll Freundinnen Mütter werden und vor meinen Augen vergeblich mit dem Vereinbarkeitsmythos ringen, bis bei mir der Groschen fiel: Oh, Kollege Supertexter ist vor einer Woche Vater geworden? Oh, der ist schon wieder im Büro? Oh, der nimmt gar keine Elternzeit? Oh, der macht ja Überstunden wie sonst auch? Oh, das findet ja gar niemand seltsam oder gar total ätzend? Ja nee, das findet keiner total ätzend, weil es nämlich gesellschaftlich total anerkannt ist, dass der Mann sich unterm Schreibtisch verkriecht, während die Kindesmutter zuhause Doppelschichten schiebt. Und dann noch gedankliche Arschtritte von Leuten wie mir kassiert, wenn sie sich erdreistet, in Teilzeit wieder in den Job zurückzukehren.

Und huch, Überraschung: Mehr als Teilzeit ist ja meist nicht drin! Weil der Mann doch SO einen wichtigen Job hat, da KANN er ja nicht kürzertreten. Wie sähe das denn aus. Muss ja auch eine das Kind von der Kita abholen. Sachzwänge, wa. Geht halt nicht anders. So oder ähnlich läuft das wohl bei ganz vielen Paaren.

Ganz schön kacke, das System von Lohn- und Sorgearbeit. Weil: Ganz schön ungerecht. Ist ja auch mitnichten so, dass da nur Mütter drunter litten. Die andere Seite der Medaille presst die Männer in ein ebenso bescheuertes Schema: Wer als Vater präsent sein möchte im Alltag seiner Kinder, der ist im Büro ziemlich oft nix mehr wert. Der darf dann die Jobs aus der Grabbelkiste übernehmen – da geht es ihm nicht besser als den Müttern. Wie fortschrittlich wir doch sind.

Schauplatz Bar, nach Feierabend, ich sitze mit Kollegen an der Theke und wir besprechen noch ein paar Kleinigkeiten. Ich frage: Wo ist denn eigentlich der Kollege Artdirektor hin? Es wird zunächst herzhaft gelacht, anscheinend habe ich einen sehr guten Witz gemacht. Dann die erklärende Antwort: Der hat jetzt den halben Tag Urlaub. Dem seine Frau hat geworfen (sic!). Deshalb macht der jetzt nur noch bis 15 Uhr. Anderer Kollege wirft ein: Vollidiot.

Tja. Was sollste da noch sagen. Konstruktiv diskutieren über Unternehmenskultur und Vereinbarkeit? Ja, das wird sicher was ändern in den anwesenden Mackerköpfen (nicht). Die gerade erzählte Szene spielte sich noch vor dem Kiddo ab, und spätestens da wurde auch mir klar: Verdammt. Das wird ganz schön hart mit Kind und Job. Für mich, aber auch für den Mann, der kein Problem damit hat, seine Arbeitszeiten zwecks Kinderbetreuung mit mir abzustimmen. Zum Glück ist er wenigstens einer, der auf fremde Meinungen gerne, nun ja….scheißt.

Und jetzt? Jetzt ist sie vorbei, die Elternzeit. Wir sind Freiberufler, also haben wir es in mancher Hinsicht leichter als Menschen in Festanstellung – wir können unseren Alltag oft ein bisschen flexibler gestalten. In anderer Hinsicht haben wir es schwerer: Schließlich bucht man uns, um Probleme zu lösen und Ideen zu haben. Dem Kunden ist es zurecht egal, ob ich nachts oft wach war, ob ich müde bin, ob ich während der Arbeit mein Kind vermisse, ob der Mann als Betreuer krank wird oder ich in der Mittagspause unerwartet einen Milchstau kriege. Keinesfalls darf ich mir irgendetwas anmerken lassen, sonst bin ich am Ende die unprofessionelle Mutti, die lieber kleinere Brötchen backen sollte. Da zumindest ist man bei Vätern oft toleranter. So heißt es auch mal: Oh, Du musst zum Kinderarzt? Wie toll, dass Du Dich so kümmerst!

Dauernd muss ich zwischen den Rollen switchen, sie kunstvoll jonglieren, die zerbrechlichen Dinger. Hoffentlich fällt mir keine runter.

Noch etwas überrascht mich dieser Tage: Wie viel Kraft ich noch habe. Wie viel Willen, unser Lebensmodell so durchzuziehen, wie wir es uns wünschen. Hoffentlich bleibt mir das noch ein bisschen erhalten.

Und, liebe Teilzeitkolleginnen, meine herablassende Haltung, von der ich am Anfang sprach – sie tut mir leid. Sie war unreflektiert, unsolidarisch und doof. Wenn ich könnte, würde ich jeder einzelnen von Euch als Entschuldigung meinen besten Kuchen backen. Ihr seid die heimlichen Topmanagerinnen der Bürolandschaften. Ihr seid knallhart, unerschrocken und schafft an einem halben Tag mehr weg als so mancher, der nachts unter dem Schreibtisch pennt. Sollte ich bei einem Auftrag zufällig mal auf dem Bürostuhl neben Euch landen: Gebt mir ein Zeichen. Ich bin die, die Euch nen Kaffee holt.

(Edit: Hier gibt’s die Karrierevaterperspektive)

Mein Weg zur Arbeit an Tag 1 von Auftrag 1 nach der Elternzeit. Es war toll. Und abends war ich platt.

Mein Weg zur Arbeit an Tag 1 von Auftrag 1 nach der Elternzeit. Es war toll. Und abends war ich platt.

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92 Gedanken zu “Kind? Oder Karriere? Oder und?

  1. Ach ja, dieses Thema. Zu dem es so viel zu sagen gibt und doch niemand eine Lösung parat hat. Ich hatte früher auch so doofe Kolleginnen wie dich und musste mir neulich eingestehen, dass ich denen, die inzwischen auch teilweise Mütter sind, genauso doofe Kolleginnen wünsche. Damit sie verstehen – so wie du – wie doof sie damals waren. Aber ja, natürlich isses ein riesen System-Problem. Heute sagte mir doch glatt eine Bekante, dass es in Holland selbst in Top Führungspositionen total normal ist, eine 4 Tage Woche zu haben. Auch für Männer (welch Wunder!). „Puppet Day“ heißt das wohl. Und warum klappt das bitte hier nicht?
    Und dieses ganze mega starke Aufopfern und Fitspielen, ich hasse es inzwischen so. Gerade in der achsotollenbuntenwirsindallesomegacoolen Werbe- und Medienwelt. Denn meistens bringt es ja doch nichts, denn die doofen Kollegen und das doofe System und die doofen sprüchekloppenden Männer, die bleiben egal wie doll man sich reinhängt.
    Den Megahammer brachte mal eine über 10 Ecken entfernte Bekannte, selbst Mutter einer Tochter und sehr sehr hohe Führungskraft, die meinte, sie stelle keine Frauen im gebärfähigen Alter oder gar Mütter ein. Denn dieses Teilzeitdingsbums, das ist nur teuer und anstrengend und total unproduktiv. Servus, ich geh dann mal kotzen.

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    • Ach Du Scheiße. Andererseits überrascht es mich nicht. Ich bin mir sicher, das passiert ganz vielen Müttern (auch mir bekannten), aber wenn es einen Mann trifft, bekommt es Nachrichtenwert. Was sagt das wiederum aus? Wobei ich natürlich dringend unterstreichen möchte, dass dies keinem Elternteil passieren darf, und dass Unternehmen, die eine solche Kultur pflegen, beim Nachwuchs unten durch sein dürften.

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  2. Ich muss mich jetzt auch mal total unbeliebt machen. Beide Vollzeit und die Kinder in der Kita, stresst bei uns überhaupt gar niemanden. Ok, dass abends immer die Spülmaschine noch nach Aufmerksamkeit lechzt, wenn man ins Bett will, ist blöd, aber eher untragisch. Auch Kinderkrankheiten sind extrem unproblematisch, wenn man zu zweit ist und nur ein Kind hat. Das wären ca. 2 Fehltage im Jahr bei uns pro Elternteil und 2 Kindern. Auch Kinderarzttermine sind easy, morgens ganz früh, oder abends nach der Kita.
    Man muss vielleicht unterscheiden: Helfen beide Eltern gleich gut und flexibel mit und ist man in der Lage, z.B. den Haushalt einfach nicht zu machen. Bei uns wird ca. alle 8 Tage gesaugt. Ist ja keiner zu Hause, der alles schmutzig macht. Wir saugen nur wegen der Wollmäuse. Der Trüffel geht 1x die Woche abends mit beiden Kindern den Wocheneinkauf machen, während ich in Sport gehe… Alles kein Problem, wenn beide Eltern an einem Strang in die gleiche Richtung ziehen.
    Klar, abends bin ich müde, aber das war ich auch vor den Kindern. Da hab ich 12 Stunden gearbeitet und bin seltsamerweise nicht besser gewesen, als in 8.
    Zu Beginn braucht man einige Zeit, bis sich alles eingespielt hat, aber nach vielleicht 3 Monaten ist der größte Stress vorbei. Und die Nächte? Bei 1 Kind und 2 Erwachsenen, hat jeder 50% der Nächte seine Ruhe. Man muss das nur auch so praktizieren.

    Wenn jemand sagt, er will das nicht, will lieber Teilzeit arbeiten, kein Thema. Wir überlegen auch, ob wir für ein drittes Kind nicht beide auf 80% gehen. Weniger würde ich persönlich nie machen, denn sonst lohnt es sich ja gar nicht am Arbeitsplatz die Jacke auszuziehen und den Compi hochzufahren. Jedenfalls bei meinem Job.
    Was mich aber ernsthaft stört, dass es so erscheint, als wäre Vollzeitarbeiten mit Kind automatisch total stressig und ginge gar nicht. Auch das stimmt nämlich einfach nicht. Ich kenne sehr viele Frauen, die das ganz wunderbar und entspannt hinbekommen.
    Wenn man also überlegt, ob man Vollzeit arbeitet mit Kind, dann muss man nicht zwangsläufig an die Sache von der negativen Seite her rangehen und sich fragen, ob man das schafft. Man kann sich auch denken: So viele Familien schaffen das, das können wir auch und vielleicht hat jemand sogar nen guten Tipp, wie man sich dabei das Leben so einfach wie möglich macht. Z.B. kann man Mütter kennen lernen, die überhaupt kein schlechtes Gewissen haben. Wie kommen die nur dazu?

    Ich meine ja nur. Es liegt durchaus an der Betrachtungsweise. Allerdings muss ich jetzt auch mal eine böse Beobachtung los werden. Mit Müttern, die ein hohes Pensum arbeiten, hab ich noch nie über Jammerthemen geredet. Diese Mütter scheinen echt mit der Situation zufrieden, vielleicht weil sie das dezidiert so geplant haben und dadurch akzeptieren, was sie tun. Evtl. ist das für Mütter, die von allem etwas, aber doch nicht ganz wollen, schwieriger, denn man kann in 20 Stunden eben nicht machen, was man in 40 Stunden macht. Für mich würde sich dabei alles nur halb erledigt anfühlen und ich wäre auch unzufriedener. Man erklärt sich damit in einigen Berufen ja fast dazu bereit nur Aushilfsarbeiten zu erledigen. Aber auch daran sind nicht nur die Kollegen und Chefs schuld.

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    • Nur ganz kurz von unterwegs: Da habt Ihr Glück mit Euren Arbeitszeiten. Wir können, auch wenn die Kita losgeht, nicht beide gleichzeitig voll arbeiten. Aufgrund später Feierabende. Das ist schon alles sehr berufsabhängig. Im Falle von Selbständigkeit noch: Krankentage = Verdienstausfall + verärgerter Kunde.

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      • Naja, 2 Tage pro Jahr krank, ich finde das geht noch. Oder warst du vor dem Kiddo nie krank?
        Ich muss zugeben, wir sind bewusst umgezogen und dorthin gezogen, wo es vernünftige Kitas gibt und gute Jobchancen. In Städten ist das immer häufiger möglich. Und man muss den Beruf durchaus auch den veränderten Umständen anpassen. Ich mache nun auch nicht mehr exakt das, was ich gelernt hab. Man muss schon vieles verändern – das stimmt. Aber wenn man das möchte ist das meist durchaus möglich.
        Viele Menschen stehen vor der Frage: Was bin ich bereits einzugehen für den Job. Man kann das aber auch umdrehen und sagen: Was bin ich einzugehen für meine Familie, meinen Job und meine Zufriedenheit. Ich würde immer lieber im Job neu anfangen in einer ganz anderen Stadt, wenn ich damit mein Leben so führen könnte, wie ich es möchte.

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      • Hmpf. Ich denke, da kommen wir nicht zusammen (müssen wir ja auch nicht). 2 Tage krank pro Jahr pro Kind? Meins war tatsächlich in 12 Monaten schon etwa 20 Tage krank und hätte so nicht zur Kita gekonnt. Und ich habe mich dann auch noch häufig angesteckt.

        Zum Thema „Neuanfang in einer anderen Stadt“: Wir sprechen hier von einer sehr privilegierten Warte aus. Unter der Voraussetzung, dass wir gut ausgebildet sind, einen hohen Wert auf dem Arbeitsmarkt haben und uns gewissermaßen das Schweinderl aussuchen können. Eltern, die prekär arbeiten, sind hier zum Beispiel gar nicht einbezogen. Und wir sprechen, auf meinen Fall gemünzt, von einem kompletten Branchenwechsel. Denn meine (unsere) Branche ist nicht familienfreundlich, egal in welcher Stadt.

        Man könnte jetzt natürlich sagen: selber schuld, was habt Ihr denn auch solche Berufe gewählt, die es Euch nicht erlauben, entspannt in Vollzeit mit Kindern zu arbeiten. Jedoch ist dieses „Selber schuld“ gepaart mit „Jeder kann alles schaffen, wenn er nur genug dafür tut“ ein neokapitalistischer Gedanke, der meiner Weltsicht komplett entgegenläuft. Dass ich für das bedingungslose Grundeinkommen bin, wird jetzt nicht mehr überraschen.

        Ich empfinde es auch nicht als Gejammer, wenn Frauen wütend sind, weil sie aufgrund ihres Geschlechts mieser bezahlt werden. Oder wenn sie im gebärfähigen Alter schlichtweg nicht befördert oder nicht mehr eingestellt werden. Das ist kein Gejammer, das ist Statistik.

        Wie man seine Situation subjektiv empfindet, hängt nun mal auch sehr von den Umständen ab. Wären wir Grundschullehrer in Hintertupfingen, sähe es vermutlich bei gleichen Rahmenbedingungen (Vollzeit, 1 Kind) wesentlich entspannter aus.

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      • Nun, das mit den Krankheiten ist eben meine eigene Erfahrung. Es zeigt dir aber, dass es nicht 20 Kranktage im Jahr sein müssen,worauf du dich einstellen musst. Sieh es doch mal so.

        Nein, meine Branche ist garantiert nirgendwo auf der Welt kinderfreundlich, nein meine Chefin hat keine Rücksicht darauf genommen, dass ich ein Kind bekam, nein meine Kollegen haben nicht mal was für mich übernommen, im Gegenteil, sie hatten wesentlich höhere Ausfallzeiten aufgrund von Liebeskummer etc. Nein, wir verdienen überhaupt nicht gut. Seit 4 Jahren leben wir nur von einem Gehalt, weil einer Vollzeit ohne Entlohnung arbeitet. Nein, wir können uns die Jobs nicht aussuchen, die Chefs nicht und die Projekte auch nicht. Im Schnitt ist man bei und 11 Monate arbeitslos, wenn man ein Projekt nicht mehr bewilligt bekommt. Nein, wir arbeiten nicht unter normalen gesetzlichen Bedingungen, momentan mit 2-monats Verträgen. Und Nein, das hat uns nicht gehindert, unsere Lebensgestaltung aktiv so oft und lange anzupassen, bis wir zufrieden sind. Und wir müssen dennoch laufend Veränderungen überdenken und vornehmen.

        Und nur so am Rande, dennoch sind wir privilegiert, weil wir unsere 50 Stunden die Woche relativ gut verteilen können. Zu normalen Bürozeiten im Labor und abends und am Wochenende halt wie es passt und erforderlich ist. Ich kenne Krankenschwestern mit Kind, die 12-Stunden Schichten haben, Ärzte mit Kind, die 36 Stunden Schichten haben, ja,auch Medienleute mit Kind, die Deadlines haben, Anwälte mit Kind, die sich bei ihren Chefs beweisen müssen, Einzelhandelskaufleute mit Kind, die Samstag Abends um 24 Uhr beim Rewe an der Kasse sitzen, damit ich dann noch einkaufen könnte, wenn ich denn wollte. All das heißt nicht, dass diese Menschen unglücklich sind damit. Jedes Leben muss ganz individuell organisiert werden, jeder kann unterschiedlich viel ab. Jeder hat mal Pech und das Kind hat statt Schnupfen nen Norovirus.

        Aber ich finde doch, es kommt darauf an, wie man es sieht. Nein, ich hätte kein Kind während der Doktorarbeit bekommen müssen. Nein, ich hätte nicht 2 Tage nach dem Krankenhaus direkt zur Fortbildung gehen müssen. Nein, ich hätte nicht Wissenschaftler werden müssen. Aber ich habe Familie, weil es mir Spaß macht und ich habe diesen Job, weil ich ihn wollte. Wenn ich ihn mal nicht mehr will, muss ich mir einen anderen suchen.

        Ich wollte dich auch im ersten Kommentar schon nicht angreifen. Ich wollte viel mehr fragen, warum so negativ? Kennst du irgendjemanden in deiner Branche mit Kind, der einen guten Job hat und zufrieden ist? Frag, wie er/sie das macht. Willst du beides haben, oder bist du eher noch auf der Suche und hättest vielleicht lieber einen Geldjob ohne große Anstrengungen? Wenn du beides willst, dann frag dich nicht, ob du es wegen struktureller Hindernisse nicht schaffen könntest. Geh davon aus, dass ihr das gemeinsam schafft und such einen Weg. Ist es dir grad zu chaotisch wie es läuft, dann denk nach, was dir gegen den Strich geht und wie man das lösen könnte. Kein Leben von niemandem läuft nach Schema F. Und es gibt nur für ganz wenige Menschen in diesem Land echt Grund an den Rahmenbedingungen zu verzweifeln. Wenn dir etwas nicht passt, dann sehe ich nicht, warum du es nicht schaffen solltest, es zu ändern. Du bist ja weder dumm noch ignorant.

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      • Mom schreibt:

        Es hängt wohl auch davon ab, wo Mensch lebt. Schulkinder im Münchner Speckgürtel haben heißt, das Hortbetreuung oft nicht angebote wird, und wenn sie angeboten wird, hat das das Prestige vom Arbeitshaus in Oliver Twist. Vielleicht ist es anderswo besser.

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    • Anne schreibt:

      Abgesehen von den Parametern, die Kiddothekid unten schon zu bedenken gegeben hat: spätestens wenn die Kinder in die Schule gehen, wird es definitiv mehr, als nur Haushalt, den man liegen lassen kann und eine nervige Spülmaschine. Wir haben bei zwei Schulkindern und einem Kigakind glaube ich locker mal das 150%ige Pensum von Kinderlosen oder Menschen mit erwachsenen Kindern und da hab ich die ganzen Nebenanwendungen, die man ständig im Hinterkopf laufen hat, noch nicht berücksichtigt. Und es sind auch in den meisten Jahren locker mehr kindkrank-Tage, die man dann bei anstehender Deadline übernächtigt im homeoffice gewährleistet, während man nebenbei Betten neu bezieht und dem kotzenden Kind die Stirn hält (gerade erlebt).Ich finde es wenig konstruktiv, von einem (eigenen) Modell und den dazugehörigen Empfindungen auf alle zu schließen und damit zu signalisieren, es gäbe kein Problem oder läge an jede/r selber (vielleicht habe ich das aber nur rausgelesen).
      Danke an KIddothekid für den treffenden Artikel.

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      • Vor der Schule hab ich auch echt Respekt.

        Und dann ist es ja auch so, dass nicht alle Kinder mit 12 Monaten bereit für die Kita sind. Zwei Kinder in meinem Freundeskreis sind so sensible, schüchterne Zeitgenossen, die würde ich auf keinen Fall in eine Ganztagsbetreuung geben mit einem Jahr. Das Kiddo ist eher eine robuste Natur, deshalb trau ich ihr das zu.

        Übernächtigte Deadlines im Home Office…kenn ich…supermistige Situationen sind das.

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      • Anne schreibt:

        Ich bin immer so froh, mal solche Artikel wie deinen zu lesen, denn ich finde, diese Rückführung auf individuelles Versagen steckt schon sehr tief in einem drin. Immer mal wieder zu erkennen, dass es strukturelle Zwänge sind, das entlastet auch. Man selbst traut sich ja schon kaum noch, sich krank schreiben zu lassen, weil wer weiß, wann man das nächste kranke Kind ankündigen muss. Und dabei ist mein Team schon sehr relaxed. Trotzdem fallen die Ausfälle am Ende auf die Kolleg_innen zurück, weil sie nicht vorgesehen sind und da ist es irgendwie sogar verständlich, dass keine/r mit Müttern oder Vätern im Team arbeiten möchte.

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      • Eben. Es GIBT strukturelle Zwänge. Und es ist eine perfide Gewohnheit des Lohnarbeitsystems, uns weiszumachen, dem wäre nicht so.

        Ich würde so gern mal von anderen Arbeitsmodellen hören. Wo Teams so geplant werden, dass Ausfälle abgefangen werden können. Das MUSS doch möglich sein. Ich muss mal nach Unternehmen suchen, die da innovativ sind. Habe schon einige Male interessante Beiträge gelesen…mal schauen ob ich die noch finde.

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      • Janine schreibt:

        Schule schmeißt einen oftmals auch gerne komplett zurück. Gibt es inzwischen schon wunderbare Ganztagseinrichtungen im Kindergartenbereich, ist der Notstand im Ganztagsbetreuungskonzept der Schule noch nicht verändert. Hier im Münchner Speckgürtel bekomme ich tatsächlich problemlos U6 Betreuung bis 17/18 Uhr. Ab Klasse 1 dann aber: Warteliste. Mit viel Bangen und Hoffen. Ein Hort, der max. 50% der Schulkinder annehmen kann, in den aber 80% wollen. Alternative: Ganztagsschule (endet um 15:30 und ist hier nur in Modellprojekten vorhanden) oder nur Mittagsbetreuung. Ab Klasse 6 keinerlei feste Ganztagabetreuung mehr, da heißt es meistens: „Tschüss“ um 13Uhr. Und egal, für wie selbstständig ich mein Kind halte, mit 11 Jahren eine Alleinversorgung zw 13 und 18 Uhr, das würd ich ihr nicht zumuten wollen. Bleibt also was? Aupair? Wer räumt dafür sein Zimmer? Oder priv. Betreuung? Dann muss ich aber wirklich gut verdienen.

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    • Ich muss mich da jetzt auch zu Wort melden, weil dein Kommentar den Eindruck vermittelt, als könnte man nur mit 40 Stunden seinen Job gut machen. Das finde ich nämlich nicht. Ich war vor meinem Kind 40 h an einer Universität im Marketing beschäftigt. Nach einem Jahr bin ich mit 16 Stunden zurückgekommen und mache jetzt nicht mehr die ganze PR, sondern nurmehr die Universitätszeitung. Das macht mir sehr viel Spaß und ich denke, dass ich meinen Job gut mache. Und es ist auch keine Aushilfsarbeit. So. Tut mir leid, aber das hat gesagt gehört. Und generell muss ich auch sagen, dass das System in der Tat ungerecht ist, das ist kein Gejammer. Meiner Ansicht nach greifst du mit deinem Artikel Mütter an, die Tag für Tag ihr bestes geben und ich finde es durchaus legitim auch einmal darauf hinzuweisen, dass nicht immer alles super einfach ist und nebenbei geht. Vielleicht ist das bei dir so. Aber jedes Kind ist anders, so wie generell jeder Mensch. Man darf sagen, wie man sich fühlt, ob gut oder schlecht. Das steht uns allen zu. Und ich finde, das muss keiner runterschlucken oder als Jammerer bezeichnet werden.

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      • Nein, ich habe genau das gleiche gesagt wie der obige Post: Es gibt Jobs, bei denen kann man einfacher Teilzeit arbeiten, und es gibt Jobs, die eigenen sich nicht dazu. Ich z.B. muss einfach eine gewisse Zeit im Labor sein, weil meine Versuche über mehrere Stunden und Tage laufen. Da kann man nix kürzen oder nach Hause nehmen, egal wie gut man den Job macht.
        Und mit genau deinem Argument kann eine Vollzeit arbeitende Mutter auch kommen: Jeder Mensch ist anders und jedes Kind ist anders, darum kann ich auch entspannt mit 2 Kindern arbeiten. Ich fühl mich gut damit, das gehört einfach mal gesagt und das ist eben gar kein Grund, mich anzugreifen. Denn meiner Ansicht nach greift ein Artikel, der Vollzeitarbeit mit Kind als total stressig oder Familie und Karriere als systematisch unvereinbar darstellt (explizit, oder wie oben implizit), Eltern an, die das täglich hinbekommen. Ich bin nicht der Feind und ich kann nichts dafür, wenn ich etwas mache, was ein anderer nicht macht/will. Wenn ich andere Arbeitsmodelle akzeptieren soll, möchte ich ebenso, dass man mein Modell mit der gleichen Selbstverständlichkeit akzeptiert. Niemand soll sich an mir messen, wer nicht mein direkter Konkurrent auf der Arbeit ist. Also gibt es keinen Grund mir angriffslustig zu begegnen.

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      • Stopp stopp, jetzt muss ich auch mal kurz wieder einklinken (von meiner, richtig, Arbeit aus 😉

        Ich glaube, wir verstehen uns in einer Sache, bezogen auf meinen Artikel, gründlich miss. Und zwar ist es gar nicht meine Absicht, Beruf und Kind als grundsätzlich unvereinbar hinzustellen. Ich hatte vielmehr das Bedürfnis, über meine Gefühle und Beobachtungen hinsichtlich Elternschaft zu sprechen. Und dazu gehört eben die Beobachtung, dass es Müttern häufig nicht leicht gemacht wird, ihren Beruf halbwegs glücklich auszuüben. Das meine ich mit „strukturelle Hindernisse“. Viele Branchen sind da überaus unflexibel, und ein kompletter Neustart ist halt nicht die Universallösung. Da MÜSSEN Unternehmer umdenken, wenn sie die Kompetenzen von Müttern in Anspruch nehmen wollen. Und wie in einem Kommentar bereits festgestellt wurde: Als Elternteil ist man fürs Team manchmal unbequem. Aber das heißt nicht, dass die gelieferte Arbeit schlechter ist, oder es am immer Elternteil liegt, wenn doch die Teamstruktur maximal unflexibel auf Zwischenfälle reagiert. Und dieser Gedanke ist in vielen Köpfen noch nicht angekommen. Das macht mich wütend. Wohlgemerkt, wütend, nicht deprimiert.

        Ich picke mal eine Kausalkette heraus, die da massiv mit reinspielt: Gender Pay Gap -> Frauen werden schlechter bezahlt -> Sie nehmen also aus finanziellen Gründen den Großteil der Elternzeit -> Und müssen im Anschluss ebenfalls aus finanziellen Gründen in Teilzeit gehen, wenn ihr Beruf keine andere Lösung bietet -> sind also in großem Umfang neben der Arbeit für Kind und Haushalt zuständig -> geringere Rente, schlimmstenfalls Alterarmut

        Vor diesem Hintergrund kann ich es sehr gut verstehen, dass viele Frauen in Teilzeit enorm angekotzt sind.

        Ich möchte anmerken: Auf mich selbst trifft das nicht zu. Das muss es aber auch nicht, damit ich es scheiße finden kann. Wie geschrieben, merke ich, dass ich durchaus Willen und Kraft habe, unseren Weg durchzuziehen, der so aussieht, dass wir Freiberufler sind und dauernd mit Terminen jonglieren, dafür aber auch viel Gestaltungsfreiraum haben. Ich bin nicht auf der Suche – ich mache meinen Beruf seit 10 Jahren und bin gut etabliert. Über eine Neuorientierung denke ich gelegentlich nach, aber das sind alles Bereiche, nicht mindestens ebenso arbeitsintensiv sind. Ich mache das aus freien Stücken so mit meinem Job und meiner Familie, aber es IST anstrengend.

        Vorhin zum Beispiel rief ein Kunde über Skype an, während mein Mann gerade kurz außer Haus war und das Kind brüllte. Ich musste rangehen. Tja. Nicht lustig. Wer wäre da NICHT gestresst, bitte? Ich gehe offensiv mit diesen Situationen um, aber mir bricht dennoch der Schweiß aus. Das nur am Rande.

        Also betrifft mich die beschriebene Ungerechtigkeit des Artikels nicht so sehr, aber sie geht mich trotzdem etwas an. Meine zwei Groschen zu dem Thema.

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    • Also wir hatten jetzt ein halbes Jahr mich Teilzeit (wenn man die Fahrtzeit vom Pendeln dazurechnet Vollzeit) und der Mann ins Ausbildung ebenfalls Vollzeit. Kind in der Krippe. Wir ziehen beide an einem Strang – auch im Haushalt. Momentan heißt das: niemand putzt 🙂 außer der Reinigungskraft. Wir sind alle zur selben Zeit aus dem Haus. In der früh schlafen wir noch halb, am Abend sind wir alle geschafft. Nach Familie fühlt sich das nicht für mich an. Krankentage fürs Kind sind bei uns beiden nicht wirklich drinnen – wenn nur bei mir, aber einarbeiten muss ich dann trotzdem alles. Selbiges mit Kinderarzt. Ich glaub es kommt schon wirklich sehr darauf an, ob sich die Verantwortung dann berufstechnisch wirklich aufteilen lässt (ständiges Schwänzen schlägt sich bei meinem Partner halt in den Schulnoten nieder), und was jemand als stressig empfindet.

      Mich hat dieser ständige Druck ja heil zur Arbeit zu kommen (seit Kita mit Auto statt mit Öffis) und wieder zurück und dann in 5,5 h das Maximum rausholen – wofür mein Kind dann 8 h in Betreuung ist – echt geschafft. Kein Abweichen von der geplanten Logistik war drinnen. Ich glaub so generell lässt sich das alles nicht sagen – die Teilzeit so, die anderen so.

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      • Wahre Worte – kein Abweichen von der gewohnten Logistik. Ist bei uns gerade auch so, und ich glaube, diesen Faktor finde ich am aller-nervigsten. Diese Durchtaktung. Fast keine Minute, um mal kurz innezuhalten. Ärks. Nun ja. Wir sind ja selber schuld, dass wir Kinder haben.

        *irre lachend ab*

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    • Klaus schreibt:

      „Es ist keiner zu Hause der was dreckig machen kann“ … So sieht also Familienleben im Jahre 2015 aus. Man ist froh das niemand zu Hause ist und was dreckig ist. Warum ihr Kinder bekommt, ist mir vollkommen schleierhaft. Und am Wochenende hat dann die Oma die Kinder gell? Weil auf Shopping und Mädelsabend will man wegen der Kinder ja auch nicht verzichten gell? Während euch kleinen Prinzessinen eure Eltern ein schönes Zu Hause geboten haben – ist euer einziges Problem „wo schiebe ich meine Kinder jetzt ab“. Glückwunsch. Und das alles für den nice Bürojob mit Excellisten.

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    • Muss mal gerad Rosalies Aussage aufgreifen, Zitat: „Ich muss zugeben, wir sind bewusst umgezogen und dorthin gezogen, wo es vernünftige Kitas gibt und gute Jobchancen. In Städten ist das immer häufiger möglich.“

      Ähhh, wo ist’n das so? In einer Kleinstadt >100.000 Einwohner? In allen Großstädten die ich kenne, herrscht totale Not an Kitas. Wir arbeiten auch beide Vollzeit und das ist mit der momentanen Betreuungslage echt eine Katastrophe. Kannst du hier nachlesen: http://kinderhaben.de/post/109795902011/eine-wacklige-angelegenheit

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      • Nun, wir haben z.B. Wien, München und leider auch Freiburg ausgeschlagen und sind nach Heidelberg gezogen. Die Kitasituation ist hier sehr gut. Für besonders tolle Kitas gibt es zwar Wartelisten, aber man findet auf jeden Fall einen guten Ganztagesplatz ab jedem Alter – hat dann vielleicht kein Montessori etc – aber nun ja. Die Förderung vom Jugendamt ist sehr komfortabel. Da wir beide Naturwissenschaftler sind, und ich nachgezogen bin, dachten wir uns schon, dass der Großraum HD auch für mich was zu bieten hätte. Mein Mann hat sich damals halt mit so viel Vorlaufzeit so oft beworben, bis er einen Job hatte und wir umziehen konnten. Ich muss leider wirklich sagen, für Familien ist die Situation in HD echt gut, keinerlei Grund zur Beschwerde. Wenn man gut und lang genug vorplant und auch offen ist, wohin man zieht, dann kann man auch in unserem Job Kind und Karriere vereinbaren. Es ist eh ein Beruf, bei dem man dem Geld und Projekten hinterherziehen muss. Das ist auch ohne Kinder nicht für jeden das Richtige. Aber das ist ja eine andere Diskussion.

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  3. Uli schreibt:

    Sehr guter Artikel! Ich bin jetzt nach der Elternzeit wieder arbeiten gegangen (30h) und bekomme eigentlich immer die gleichen Fragen (von Müttern wohlgemerkt): „Was? 30 Stunden? So viel?“, „Und, wo ist dein Kleiner?“ (Ähm, der chillt alleine zuhause – in der Kita natürlich), „Was, so klein und schon in der Kita?“ (er ist 1 Jahr alt) … naja, würde am liebsten immer sagen: das Kind hat auch einen Vater (der nicht Vollzeit arbeitet), ich muss mich jetzt nicht nur mit 20 Stunden in der Woche abspeisen lassen. Aber naja, ist halt ne andere Generation und Westdeutschland, da ist das immer noch was anderes. Die Frauen in meiner (Ost-)familie sind alle nach einem Jahr wieder Vollzeit arbeiten gegangen, ging auch (mit Unterstützung von Oma und Opa). Aber das mit dem „Papa arbeitet in seinem wichtigen Beruf 50h die Woche und Mama geht ab und zu mal ins Büro“ sollte dringend mal geändert werden. Habe dazu vor kurzem auch einen Blogpost geschrieben: http://oneyearofsunday.de/teilzeitmuttis/

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    • Ja – wann das Kind in die Kita darf/soll/muss, da gibt es ja auch erbitterte Diskussionen unter Müttern (selten unter Vätern, wie es scheint). Neulich las ich auf Facebook die Meinung, dass die Mutter (!) notfalls eben ALGII in Anspruch nehmen müsse, um die ersten drei Jahre daheim zu bleiben. Ja sicher. Total realistisch und sinnvoll, das.

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  4. Wenn ich den Beitrag lesen und auch die Kommentare, dann ich bin ein bisschen froh noch zu Hause bleiben zu können mit meinem Wirbelwind… Aber ich bin mir nicht sicher, ob der Wiedereinstieg für mich so drin sein wird, es wird wohl eher eine Veränderung :/

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  5. Manchmal kann auch das eine gute Sache sein. Eine Veränderung. Sofern sie aus Dir heraus kommt, steckt da auch viel drin. Ich denke auch immer mal wieder über berufliche Veränderung nach. Dummerweise wären die Alternativen genauso arbeitsintensiv wie mein jetziger Beruf 😀

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    • Hab da schon was im Auge, muss mich bloß trauen… Zur Not bewerbe ich mich in zwei Jahren in Teilzeit beim Finanzamt (Mega-spannend :P).

      Ach egal, dank meinen Kindern, denke ich – na nennen wir es mal – flexibel 😀

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  6. Mein Kopf liegt deprimiert neben der Tastatur und meine Augen kribbeln, weil es einfach niemals niemanden in unserer Gesellschaft interessieren wird. So wie die Hebammenversicherungen. Is halt so. Get used to it. Es ist zum hohen-Bogen-Dauerkotzen.

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  7. Man hat so viele Pläne und so viele Wünsche und so viel soll sich in der Gesellschaft verändern, der neue Mann und so. Und dann scheitert alles schon daran, dass man es sich in mancher deutschen Großstadt überhaupt nicht mehr leisten kann, wenn der Mann in Elternzeit geht, weil wenigstens einer ja die Miete zahlen muss.
    Scheiß System.

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    • Ja, es gibt echt fast ausweglose Konstellationen. Wir haben es so gelöst, dass ich trotz höherem Gehalt Elternzeit genommen habe und er (freiberuflich) weniger gearbeitet hat. Das hat finanziell gereicht, zum Glück. Allerdings haben wir unsere usselige alte Wohnung dafür behalten, weil sie halt günstig ist. Das hat uns ein Jahr mit viel Familienzeit beschert, dafür bin ich sehr dankbar.

      In dem Wissen, dass andere Paare überhaupt keine Verteilungswahl haben.

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  8. fujolan schreibt:

    Vereinbarkeits-Emigration.
    So heißt das hier gerne mal unter deutschen Eltern. Denn es gibt Länder, in denen zwei Vollzeit arbeitende Eltern die Norm sind. Die Kinder werden auch groß und sind nicht komischer als deutsche Kinder.
    Da gibts für Kindkrank-Tage, wenn du nicht zuhause bleiben kannst, die Möglichkeit, dass eine Betreuungsperson für faires Geld (bezuschusst) zu dir nach Hause kommt. Da ist Ganztagsschule und nix Halbgares.
    Sicher ist 2x Vollzeit nicht der Weg für alle. Aber machbar ist er in Ländern mit der passenden Infrastruktur.

    Und ich habe auch im Ohr, was meine Chefin, hochkarätige Führungsperson, mal unter Müttern sagte (sie hat in der Position ihr 2. Kind bekommen): „Machen wir uns nichts vor. Als Eltern sind wir manchmal eine Mehrbelastung fürs Team. Wir müssen häufiger mal alles stehen und liegen lassen. Wir können nicht jeden Abend noch zu 2 Empfängen oder mal eben bis 21h am Schreibtisch sitzen bleiben. Aber so what. Schlechter ist unsere Arbeit darum nicht“

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    • Ui – dahin möcht ich auch emigrieren, bitte. Wir kommen ganz gut klar bisher, aber die Einstellung gefällt mir. Und ja, es ist nun mal so, dass Leute Kinder bekommen. Komisch, dass in der Arbeitswelt häufig so getan wird, als wäre dem nicht so. Und dann überrascht tun: Ach, Du kannst nicht am Wochenende arbeiten? Ach, da habt Ihr keine Kinderbetreuung? Ja, sowas aber auch!

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      • fujolan schreibt:

        Interessanterweise sind viele deutsche Eltern von dem 2-Vollzeit-Eltern-Standard hier nicht angetan. Wer deutsch sozialisiert ist, dem fällt 2x40h/38h schwer, weil der Anspruch ist, mehr Zeit unter der Woche mit den Kindern zu haben. Den haben die hiesigen Einwohner nicht.
        Anders sozialisiert eben.

        Ansonsten möchte ich hier eine Politikerin zitieren, die für mich zusammengefasst hat, worum es bei Familienpolitik geht. „Die gewählten Lebensentwürfe möglich zu machen, ohne den einen oder anderen zu verdammen oder fördern“.
        Warum das in Deutschland so wahnsinnig mit Ideologien und Streitereien überzogen ist, weiss ich nicht.

        (bisher gabs bei dem „Kindkrank-Beispiel“ in deutschen Foren noch jedesmal einen entsetzen Aufschreib „Wie du lässt das kranke Kind fremdbetreuen?“ Nee, lass ich nicht, es sei denn auf der Arbeit brennt an de Tag die Hütte ab, wenn ich nicht komme…“)
        last not least: Unvergessen die befreundete deutsche Familie, sie zogen im Land hier um, es klingelte 1 Woche nach Umzug „Guten Tag wir sind vom Jugendamt“ (Gesichtseindruck der Eltern könnt ihr euch vorstellen) „Herzlich willkommen in unserer Gemeinde. Schön dass sie da sind. WIr wollten sie willkommen heißen und sie über unsere Familienangebote informieren. Gerade Familien wie sie haben ja häufig keine Verwandten, die mal einspringen können“ ….es hat Wochen gedauert, bis die Eltern den vor Staunen aufgerissenen Kiefer wieder eingerenkt hatten.

        (wo das ist kann kiddothekid sehen)

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      • This! Lebensentwürfe ermögliche, ohne die jeweils anderen zu verdammen. Sehr schön.

        Bei uns war das Jugendamt einige Wochen nach der Geburt auch. Aber eher weil sie im Bezirk so ein Programm laufen haben, um Schwierigkeiten früh zu erkennen. Da wirste vorsichtshalber mal „willkommen geheißen“, wie es beschönigend heißt 😀

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  9. Es ist eine große Baustelle. Und jede/r braucht anderes Werkzeug, um seinen Job zu machen. Zu den unterschiedlichsten Voraussetzungen kommt hinzu, dass KEIN Kind mit dem anderen vergleichbar ist. Mein Fall: ich, selbstständig, Kleingewerbe, Mann, angestellt, Miete-Zahler. Kind 1: anstrengend, aber gesund und munter, so dass ich mit 4 Monaten anfangen konnte, Stundenweise zu arbeiten, während Oma ihn betüddelt hat. Ab 1,5 Jahre kam dann für ca 3 Stunden täglich ein betreuter Spielplatz dazu, KITA erst mit 2,5j. Kind 2: tägliche Physiotherapie ab dem 10. Lebenstag, dazu ständig krank mit Mittelohrentzündung etc. Ein Jahr konnte ich NULL an Arbeit denken, dann kam Kind 2 mit 1 in die KITA und so laaangsam kam ich wieder ins Geschäft, aber nicht mal so, wie bei Nummer 1 im Krabbelalter und ohne Kita… Vollzeit wäre für mich momentan undenkbar, aber sie werden ja auch größer und damit auch die Selbstständigkeit auf beiden Seiten 😉

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    • Danke für Dein eigenes Beispiel hier. Also, bei meinem Kind war Arbeit im ersten Jahr auch nicht denkbar. Ich finde, das Kiddo hat einen tollen Charakter, aber arbeitstauglich ist es nicht. Und es hat sich lange auch von niemandem sonst mehr als 3 Stunden betreuen lassen, nicht mal vom Mann. Jetzt geht das, aber ich hätte es davor erzwingen müssen, und das wollten wir alle nicht. Geplant hatte ich das irgendwie anders, aber was soll’s.

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      • ‚erzwingen‘ ist ein gutes Stichwort… Man muss schon so sein eigenes Ding mit der Familie finden. Ich habe wirklich viel Respekt vor Müttern, die mit Babys/Kindern arbeiten. Ich hätte die Möglichkeit gehabt, mein Wirbelwind jetzt mit 13 Monaten in einer KiTa abzugeben und mein Sohn ist ja im Kindergarten. Aber mir persönlich war einfach nicht wohl dabei und die Möglichkeit zu Hause zu bleiben habe ich…

        Naja, manchmal muss man sich verändern und ich muss schon eingestehen, dass auch ich mich verändert habe – ja, meine beiden Kids haben mich einfach verändert…

        Ja, man muss sein Ding finden und machen, aber man darf auch einfach mal dampf ablassen dürfen – gerade als Mama. Und ich Frauen sollten etwas mehr zusammenhalten unabhängig davon, ob sie keine kinder haben, mit Kindern in Voll-/Teilzeit arbeiten oder mit kindern zu hause sind 😉

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      • Jaaa, das mit dem Planen ist auch sone Sache – da musste ich mich auch erstmal umstellen. Ich glaube auch jeder macht das für sich richtig. Aber etwas mehr Support und Anerkennung wäre schon sehr hilfreich, viele fühlen sich halt doch als Einzelkämpfer, was blöd und schade ist! Wünsche euch einen guten Work-Life-Balance-Flow! 😉

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  10. Anne schreibt:

    Ich frage mich gerade, wenn es mir mit meinem Modell gut geht, wie ich mich dann angegriffen fühlen kann, wenn jemand anders sein Modell als anstrengend und tendenziell strukturell benachteiligend empfindet. Dass es andersherum so ist (wenn jemand gut zurecht kommt und andern sagt: Siehs doch mal POSITIV, ist doch alles halb so schlimm), ist mir irgendwie nachvollziehbarer. Und genau diese Positionen verstärken den Effekt, das ganze weg von gesellschaftlichen Schieflagen hin zu persönlicher Unfähigkeit zu verschieben. Das ärgert mich einfach.

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  11. Ich unterschreibe mit vor Einscheiss-Angst zittrigen Fingern alles, was du sagst. Ich hab noch 3 Monate. Dann gehts zurück und ich weiß nicht, wie ich das hinkriegen werde. Ich liege nachts da und grüble, wie ich ein Kind, das gerade laufen kann dann vielleicht und sich alle paar Meter langmacht, und mein sensibles Ausdenk-Hirn, das Zeit und vor allem absolute Ruhe braucht, vereinbaren kann. Wie?? WIE??!!! Wenn ich das meinem Freund beichte, reagiert er gar nicht drauf. Höäh was hat die denn. Ist halt Arbeit! Jajaja schon, aber nimm DU doch mal das Kind mit ins Büro und sieh mal, wie dann die Meetings laufen!

    PS: das Kiddo war mit in der Bar? Hab ich das richtig gelesen? Das toppt meinen DSDS-Abend mit Tiefkühlpizza kauendem Baby vor der Glotze. Bitte sag, dass das stimmt! Dann sag ich auch, dass ich ihr die Fingernägel geschnitten habe, während sie Der Bachelor geguckt hat!

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  12. Ich war auch so. Und danach das Gegenteil. Leider bloggte ich noch nicht zu der Zeit, als ich als Freelance-Marketinglady den Kurzen im TT mitnach zu Businesslönsches. Die Blicke waren purer Zucker 😀

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  13. Mamama schreibt:

    Hach, jetzt muss ich doch auch mal was schreiben. Bei uns dauert es noch ein bisschen, aber ich will (so wir den gewünschten Krippenplatz bekommen und das Kind gut mitspielt) auch wieder Vollzeit arbeiten. Dafür ernte ich erstaunte bis entsetzte Kommentare (Waaas? Vollzeit? Boah. Das ist aber mutig/ungewöhnlich/unverantwortlich usw.). NIEMAND fragt, wie viel der Mann arbeiten wird. Wenn ich Vollzeit arbeiten will, ist das anscheinend allein meine Sache, wie wir das hinkriegen. Ich dachte echt, wir wären weiter.
    Und ich freu mich auch schon aufs fröhliche Organisieren…

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    • Ja, das find ich auch immer super. Wenn mich Leute fragen, wo denn das Kind sei, wenn ich tagsüber allein unterwegs bin (abends können sie es sich wohl denken). Äh, es ist beim Papa?! – Arbeitet der nicht?! – Nein, wir wechseln uns gerade ab. – Krass!

      Tja. Wat willste machen.

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      • Tina Keppel schreibt:

        Ich hab nur ganz kurz Zeit – die Taktung muss sitzen. Aber es ist doch faszinierend. Ich werde zu JEDER Tages- und Nachtzeit, die ich alleine auf der Straße – manchmal mit Bier/Wein/Schnaps verbringe gefragt, wo denn das Kind sei. Das Kind wird demnächst, wohlgemerkt, sein 6. Lebensjahr vollenden. Bei einem Neugeborenen ist die Frage ja vielleicht noch nachvollziehbar, oder als pures Interesse an dem süßen kleinen Frischling zu bewerten. Aber als Dauerzustand? Ernsthaft? Ich reagiere dann immer verständnislos und sage „Beim Vater/Oma/Freunden/Kita, wo sonst??“, oder „An der Bar und bestellt sich gerade ein kleines Bier“. Ich kann den Gedankengang hinter der Frage nicht nachvollziehen. Hat jemand eine Idee?

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  14. Evling schreibt:

    Kind UND Job? Äh… was denn sonst? KKK? Ich sage nur: einfach machen, der Rest findet sich. Mein Sohn ist jetzt 16, mein Mann und ich 49. Ich bin im Öffentlichen Dienst und habe eine Leitungsfunktion bekommen, als mein Sohn 2 war. Die Rahmenbedingungen sind o.k., aber meine kinderfeindlche Chefin musste ich trotzdem ertragen: Wenn eine Kollegin ein Kind bekam, hieß es: Die hat sich ins Kindbett gelegt! Nicht so viele Spätdienste? Urlaub nur während der Ferien… und über den Jahreswechsel? Wo kommen wir denn dahin, auch Kinderlose wollen in der Hauptsaison Urlaub machen. Zu Hause bleiben, weil Kind krank? ‚Ach, schoooon wieder‘ – schiefer Blick. | Na und, deswegen verzichte ich nicht auf mein Leben. – Mein Mann war lange freiberuflich und blieb nach meinem ersten Jahr noch ein paar Monate zu Hause. Aber mit 21 Monaten ist unser Sohn in die KITA gekommen. O.k., wir haben noch von den Resten des alten Ostberlins profitiert: Die KITA direkt hinterm Haus, mit großen Garten von 6 -18 Uhr geöffnet. Grundschule mit Hort (auch bis 18 Uhr) bis zur 4. Klasse. Aber schon in der 3. Klasse wollte unser Sohn das gar nicht mehr. Seine Alltagswege (Cello, Klavier, Sport) hat er, seit er 10 war, allein geschafft… Stück für Stück haben wir erlebt, wie er selbstständiger wurde… In einer Familie mit traditioneller Hausfrau und Mutter habe ich mal erlebt, wie die 25jährige Tochter die Mama fragte: Und, hast du mir den Arzttermin besorgt? – Grusel… Vor allem die lieben Verwandten aus dem Westteil Deutschlands staunten mich leicht schaudernd gern mal an: ‚Ach, du arbeitest 37 Stunden? Sooo viel? Na, wir haben ja die Krippenkinder immer die traurigen Kinder genannt…‘ – Mein Beruf ist kein Job sondern Teil meiner Lebensinhalte. Es war mir immer ein Rätsel, warum er nicht dazugehören sollte. Und umgekehrt… ich trage es nicht vor mir her… aber mit Kind fühle ich mich vollständig. Auf das eine oder andere verzichten? Why teh hell?

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  15. TwoKidsOnTheBlock schreibt:

    Der Schlüssel zu allem ist meiner Erfahrung nach, dass beide Elternteile das WIRKLICH wollen (und sich gut dabei fühlen): (kleine) Kinder haben und arbeiten gehen. Dann findet man für viele damit verbundene Probleme eine Lösung und verkraftet auch das Anstrengende daran. Wer allerdings erst mit Ü 40 mit dem Kinderkriegen anfängt, hat natürlich in der Regel ein generelles Fitness-Defizit. Helikoptern verträgt sich allerdings wirklich nicht mit diesem emanzipierten Familienmodell. Wer Angst vor der Zeit hat, in der das Kind zur Schule gehen wird, impliziert doch schon – ohne wirkliche Not! – Probleme, die es ohne diese Angst nie geben würde.

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  16. So, jetzt gebe ich auch noch meinen Senf dazu 😉 Das Phänomen, dass beim Job per se schon mal nicht viel geleistet werden kann, wenn Frau Mutter ist und Teilzeit arbeitet (oder der Papa auch, wenn er zu den wenigen gehört) ist nämlich nicht nur bei der Elternschaft gegeben, sondern wird bei etwaigen Behinderungen noch getoppt. Ja, ich mein körperliche Behinderungen. Da ist unsere auf Effizienz getrimmte Gesellschaft manchmal echt erbarmungslos. Und, bevor hier eine neue Diskussion ausbricht: Das ist natürlich meine ganz persönliche Meinung.
    Vielen lieben Dank für den Text- gerne geteilt und so :-*

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  17. …und jetzt benutze ich auch noch das Wort Effizienz, dabei sind Mütter, Väter oder Menschen mit Behinderungen gar nicht per se uneffizienter. Ts ts ts! Ich meine natürlich „vermeintliche Effizienz“…also diejenige, die nur gegeben sein kann, wenn man 24/7 im Dienste steht, erreichbar ist und im Hamsterrad läuft.

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    • Eben. Vermeintlich ist das Stichwort. In meinem Job gibt es so Spezialisten, die grundsätzlich bis spätabends am Schreibtisch sitzen. Komischerweise schaffen die nicht mehr weg als andere in 8 oder gar 6 Stunden. Aber es sieht halt so motiviert aus, gell?

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  18. lareine schreibt:

    Heftig, ich bin geschockt über die „Bar-Unterhaltung“ aus Deinem Artikel. Ich bin nun weniger angeregt, mich über die grundsätzlichen Schwierigkeiten aufzuregen, sondern verdaue immer noch an diesen Worten.
    Da wird echt „geworfen“ und „Vollidiot“ gesagt? Und ich dachte, man sei unter Erwachsenen. Mamma mia … Ich bin nahe an der Sprachlosigkeit und das bin ich selten. Könnte nun analysieren, warum man so über jemanden spricht, der Vater wird – aber das würde vielleicht zu weit führen. Erst einmal ist es erschreckend und traurig.

    Was ich aber wiederum mit Hochachtung betrachte, ist Deine Entschuldigung am Ende. Das ist ja absolut liebenswert und toll! Wer entschuldigt sich schon in Gedanken oder in der Realität, wenn er spürt, wie er falsche Urteile oder Sichtweise in der Retrospektive korrigieren will. Großartig von Dir!

    Wie sieht es denn bei mir aus?
    Ich arbeite freiberuflich in Teilzeit, mein Mann angestellt in Vollzeit.
    Wenn ein Kind krank ist, dann kümmere ich mich. Wenn ich krank bin, tja, dann wird es stressig. Mein Mann war meist der letzte im Büro, jahrelang. Niemand sollte ihm vorwerfen könnne, er nähme sie etwas heraus, weil er Kinder hat. Inzwischen nuzt er seine Vorbildfunktion und zeigt, dass man gehen sollte wenn man eh nicht mehr produktiv ist und eher da hockt, um zu zeigen, wie brav lange man arbeiten kann.

    Er macht alle Geschäftsreisen, die er als Kinderloser auch machen würde. Er geht zu jeder Veranstaltung und natürlich zu allem Weihnachtsfeiern und so weiter. Es gab sehr wenige Tage, an denen er sich aus familiären Gründen früher verabschiedet hat. Einmal, als ich letztes Jahr furchtbarste Rückenschmerzen hatte und mich nicht mehr bewegen konnte. Und davor auch mal irgendwann. Aber das war in den letzten zehn Jahren cielleicht fünf Mal.

    Das (fast vollständig kinderlose) Team freute sich mit ihm, als er wieder Vater wurde (ich glaub, niemand hält ihn deshalb für einen Vollidioten und es gibt sogar noch einen Kollegen im Büro, der Vater ist und gerade zum zweiten Mal wird).

    Mein Mann fährt morgens um Acht und kommt zwischen Sieben und halb Acht nach Hause. Ich empfinde mich manchmal fast als „alleinerziehend“. Er erlebt nur die Zu-Bett-geh-Zeit mit und eben die Wochenenden, aber leider sehr wenig Alltag.
    Er räumt Spülmaschinen aus und macht das Frühstück. So viel dazu. Gebügelt hat er vor zwei Jahren mal ein Hemd. Er staubsaugt am Wochenende, wenn es nötig ist. Also vielleicht ein Mal im Monat.

    Wir hatten auch schon das Modell „er Vollzeit angestellt und ich Teilzeit angestellt“ und das hat mich fertig gemacht. Es war, als würde ich nur noch rennen.
    Und im Sommer floss mein Gehalt immer nur noch in den Tank und die Kinderbetreuung. Frustrierend war das. Da wir keinerlei familiäre Unterstützung haben und auch nicht dieses manchmal erwähnte Netzwerk aus Müttern, wurde die Wäsche in der Zeit dann manchmal auch um halb Zehn abends gemacht und so weiter. Ich bin dann lieber wieder in die Freiberuflichkeit gegangen. Obwohl ich mir gerade meine Aufstiegstmöglichkeit erarbeitet hatte.
    In dieser Zeit war es, dass unsere einzige familiäre Notfall-Unterstützung wegfiel, weil unsere Oma nach monatelanger Krankheit verstarb. Ganz ohne Hilfe konnte ich mir das Modell mit dem Job und den drei Kindern (Kindergarten- und Grundschulalter) zu der Zeit nicht vorstellen.

    So sieht das bei uns aus. Bei mir gehen wirklich alle um mich herum erst mal davon aus, dass ich selbstverständlich nicht arbeite, weil ich vier Kinder habe. Dann äußern sie erstauntes Entsetzen und fragen mich, wie ich das hinbekomme. Ich frage mich, wie es überstehen würde, außer Kindern und Haushalt keine anderen Betätigungsfelder zu haben. Das wiederum würde ich persönlich nicht aushalten.

    Zusammengefasst meine Meinung:
    Mir persönlich fehlt es sehr, den Vater hier so wenig miteinzubeziehen. Ich finde es sehr anstrengend und traurig, so wie es ist. Ich möchte nicht Vollzeit arbeiten gehen, das möchte ich aus persönlichen Wünschen und Gründen nicht.

    Ich wüsste nicht, wie sich das Ganze ändern sollte. In der PR-Agentur wollten sie mir damals die erste Teilzeit-Stelle für Mütter anbieten. Hatten sie bisher noch nicht. Inzwischen ist es so, dass sie dort ein Alter erreicht haben, indem man Kinder bekommt- also irgendwas um Mitte 30. Dann gehen sie zwei Jahre aus dem Job und kehren in Teilzeit zurück. Die meisten (auch in den Postionen mit ca 4.000 Brutto) sagen dann:“ Schön, mit Steuerklasse 5 lohnt der Stress ja kaum“ und ärgern sich. Ist ihnen aber lieber, als zu Hause zu hocken, sagen sie.

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    • Vielen, vielen Dank für diesen ausführlichen Bericht, liebe lareine. 4 Kinder habt Ihr, und arbeitet beide, das ist eine irre Leistung. Ich glaube, wenn wir mehr Kinder hätten, wäre hier totale Zerstörung angesagt. Habe Bewunderung für Menschen, die das wuppen.

      Dass Dein Mann Vollzeit arbeitet mit vielen Terminen, stelle ich mir in der Tat wahnsinnig anstrengend für Dich vor. Wir sind ja beide Freiberufler, aber wenn der Mann mal ne Woche nicht verfügbar war hier, hat mich das schon knapp in den Wahnsinn getrieben. Ich muss wohl zugeben, dass ich kein so dickes Fell habe.

      Ich habe auch keine Lust auf Festanstellung – wegen dem Gerenne. Dann müsste sich schon der Mann bereiterklären, das Kiddo größtenteils von der Kita abzuholen. Weil er das einfach besser hinkriegt mit seinem Workflow. Wäre ich festangestellt, dann auch in einer Führungsposition. Auch auf die Grabenkämpfe, die das garantiert intern mit sich brächte, habe ich keine Lust. Lieber mache ich meine Arbeit gut, schicke eine Rechnung und lasse mir den Rest den Buckel runterrutschen.

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      • lareine schreibt:

        Es ist (phasenweise) total anstrengend, muss ich sagen. Ich hab früher immer gedacht, ich müsste (noch) viel leistungsfähiger werden und dürfte mich nicht abends wie ein Zombie fühlen.
        Nun bin ich älter, die Kinder (zum Teil ;-)) größer und ich erkenne meine Leistung vor mir selber besser an. Darin war ich früher mies – das hat dann dazu geführt, dass ich immer noch mehr getan und ausgehalten habe. Dazu hatte ich noch eine „Du-bist-nicht-gut-genug-Schwiegermuttetr, was das ganz zu einem verrückten Karussell für mich machte.
        Dies erklärt aber vielleicht , warum ich geradezu „gewohnt“ bin, so etwas zu wuppen.

        Letztes Jahr im Sommer hatten wir dann während des Urlaubs zu Hause einen riesigen Wasserschaden. Ich war da noch mitten im ersten Babyjahr mit anstrengender Nummer 4. Und da bekam ich dann einen viel zu schnellen Puls, ganz plötzlich und der blieb auch über Nacht. Bin zur Ärztin und hatte anscheinend eine fette Schilddrüsenüberfunktion. Ausgelöst vermutlich durch anhaltenden Stress oder plötzliche, heftige Stresssituation. Danach bekam ich irre Rückenschmerzen, weil die Muskeln durch diese Überfunktion geschwächt waren, ich aber dauernd (nörgelnde) Nummer 4 tragen musste.

        Das war das Ende vom Lied des Mama-Hamsterrads.

        Nun gehe ich anders mit mir um. Habe wegen der Entzündung der Schilddrüse (autoimmun-induziert) meine ganze Ernährung umgestellt und tue noch etwas für mich Neues und ganz Verrücktes: Ich nehme wahr, was ich brauche und was mich belastet. Das ist ein ganz neues Konzept 😉

        Also ja, ich habe eine Menge geschafft in den letzten 12 Jahren meines Mutterdaseins. Mit kaum Geld in der Studentenzeit, einer krassen Phase mit einer Eineinhalbjährigen plus Neugeborener, später dann drei Kindern und hard working Ehemann sowie klassisch anstrengender Schwiegerfamilie und ebenso anstrengenden eigenen Eltern. Bezahlt habe ich mit Panikattacken, somatischen Beschwerden in rauen Mengen und als Krönung dann dieser Schilddrüsensache. (Diese ist übrigens seit über zwei Monaten verschwunden- Ärztin ist ganz baff …)

        Mein Fazit wäre: Es ist besser, weniger zu leisten und mehr auf sich zu achten. Es ist gut, sich Zeit für das zu nehmen, das einem eben gut tut. Fußböden und Regale weisen Staub auf, das tun sie alle 12 Stunden – es sollte einem auch mal egal sein. Weil eine Tasse Tee und ein Buch oder von mir aus etwas ganz Anderes gerade einfach viel schöner sind als zu putzen. Es fällt mir bis heute schwer, aber ich arbeite genau daran. Ich will immer noch glückliche Kinder, Freizeit und ein aufgeräumtes, sauberes Haus, gebügelte Wäsche und feste Strukturen. Ich arbeite an einem Gleichgewicht zwischen meinen Ansprüchen und meinen aufzufüllenden Reserven. Hätte nie geglaubt, wie anstrengend das sein kann, derart neue Wege zu gehen 😉

        Nach über einem Jahrzehnt als Mama habe genau das vor Augen: Wenn ich mal sehr alt bin, falls ich das werde – das weiß man ja nie, dann will ich nicht zurückblicken und denken: Hätteste mal weniger Druck auf dich selbst gemacht und mehr gelebt.

        Rechnung schreiben und fertig ist ein großartiges Konzept, das finde ich ja auch. Wenn der Job inhaltlich Freude macht, um so besser! Ich strebe keinen Angestellten-Status an im Moment.
        Es ist immer ein enormer Druck für Mütter, für Eltern, Kinder zu haben – denen man natürlich gerecht werden will – und einen Job, den man selbstverständlich gut machen muss und möchte. Je mehr Kinder man nat, desto heftiger werden die Aufgaben, die ganzen Termine und vor allem die Aufmerksamkeit, die man allen und allem zu Teil werden lassen muss. Ich gehe so weit zu sagen, dass jede Familie ihren völlig eigenen Weg finden muss und finden darf, um das zu meistern. Es ist auch mit einem Kind bereits ein völlig anderes Leben als ohne und man möchte für alle Familienmitglieder das Beste erarbeiten. Das ist nicht (immer) einfach …

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  19. Sue schreibt:

    Oh, mein Lieblingsthema. Ich bekomme schon wieder Bluthochdruck, wenn ich hier mitlese. Ursprünglich wollte ich auch nach einem Jahr Elternzeit wieder anfangen zu arbeiten – mittlerweile bin ich seit über 3 1/2 Jahren zuhause mit zwei Kindern. Ich „darf“ nur in Vollzeit zurück kommen in meinen alten Job (der mittlerweile 170km von uns entfernt ist). Sagt meine Vorgesetzte, die selbst Mutter zweier Kinder ist. Seit einer gefühlten Ewigkeit versuche ich also in Teilzeit NEU anzufangen. [*Schallendes Gelächter*]

    Mittlerweile würde ich mich auch selbständig machen, nur fehlen mir leider die Ideen. Liz, ich denke es ist eine gute Idee selbständig wieder einzusteigen. Ich weiß nicht, aus welchem Material Rosalies Kinder sind – meine beiden (3 1/2 und fast 2) waren seit September nie länger als 2 Wochen am Stück gesund. 12 Infekte pro Jahr verteilt auf 6 Wintermonate = das ist völliger Durchschnitt.

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  20. Kinderloser Vater schreibt:

    Ihr erntet, was Ihr sät… für meinen Teil und viele meiner Geschlechtsgenossen. Weder Kinder, noch Heirat kommen in Frage. Warum? Hohes Risiko!

    Wir Männer sind nun auch emanzipiert und keineswegs „frsutriert“. Wir genießen dieses Schauspiel in vollen Zügen. Eine Ehe kommt nicht in Frage, warum auch? Scheidungskosten? Immer breiter werdende Ehefrau am Hals? Unzufriedene Mütter ertragen? 3/4 von meiner Kohle in ein „Familienunternehmen“? For what?

    Kinder? Die ich im ungünstigsten Fall nur alle zwei Wochen sehe, weil Mama den neuen Stecher geiler findet, auf einem Selbstfindungstrip ist, oder ganz einfach aus einer Laune heraus?

    Haha.

    Zieht Euch warm an Lady´s, weil ab 40 herrschen andere Marktgesetze. Da sabbern Euch die Männer nicht mehr hinterher… die kriegen locker auch die Jüngeren ab.

    Aber was soll der ganze Frust auf Beiden Seiten? Hört mit der Genderscheiße auf und lasst Euch nicht mehr von der Medienwelt verarschen. Dann mucken mehr Leute und mehr Paare haben wieder eine Familie, die auch unterstützt und nicht sabotiert wird.

    Bis dieser Zustand sich nicht geändert hat, sind viele Männer und auch meine Freunde und ich, im Zeugeungsstreik.

    Wir sind keine Allroundbimbos. Wir sind Männer.
    Und Frauen sind keine gebärfreudigen Sexmaschinen. Es sind Frauen.

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      • Marina Peters schreibt:

        Zu diesem Kommentar habe ich eine ähnliche Meinung, wie zu einem Häufchen Müll, den jemand nicht sachgerecht entsorgt hat…

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      • Tina Keppel schreibt:

        Achso. Ich fragte mich schon aus welchem Grund oder über welchen irrigen Abgründe dieser fiese Meinungsauswurf seinen Weg finden konnte.

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    • Sprechen mich im Schwimmbad zwei Typen Anfang 20 an, einer mit Freundin im Schlepptau: Boah, voll das süße Baby! Wie alt ist die denn? Wie heißt die denn? Kann die schon laufen? Und sprechen? Voll süß!

      Die Freundin im Hintergrund hätte mich ermordet, wenn sie einen Moment lang unbeobachtet gewesen wäre. Männer im Zeugungsstreik – soso. Nicht jeder muss sich fortpflanzen. Ist manchmal besser so.

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  21. Super finde ich übrigens auch, dass man es als Mutter von allen Seiten Dicke kriegt. Nicht nur von den Nicht-Eltern, die auf einem rumhacken, weil man mal früher nach Hause muss, um das Kind pünktlich abzuholen. Sondern ganz besonders auch von anderen Müttern, die nicht oder nur Teilzeit arbeiten, weil man, welch Rabenmutter!, es fertig bringt, das arme Kind bis 17 Uhr in der Betreuung zu lassen. So geht es zumindest mir als Vollzeit berufstätiger Mutter. Druck von allen Seiten, echt prima! Da hilft wirklich nur Ohren auf Durchzug und aufs eigene Wohlbefinden achten.

    Das Problem mit den Job-inkompatiblen Betreuungszeiten haben wir übrigens auch ganz stark. Hinzu kommt, dass wir auf Tagesmütter angewiesen sind, die mit uns machen, was sie wollen. Aber ein Kita-Platz ist hier wie ein 6er im Lotto: http://kinderhaben.de/post/109795902011/eine-wacklige-angelegenheit

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  22. Ich hatte einen sehr verantwortungsvollen Beruf, bevor ich meine Zwillinge bekam. Und den habe ich auch heute noch, in Teilzeit. Meine Kinder sind jeden Tag 6 Std in der Kita und das ist lang genug.
    Mütter, die behaupten, es gäbe keine Berufe, die unter 40Std Spaß machen, weil man in dieser Zeit seine Arbeit nicht schaffen könne, haben einfach nicht genug Ahnung.
    Mich würde interessieren, wann die Verfechterinnen des Vollzeitjobs (@Rosalie) nach Hause kommen und wie viel Zeit sie mit ihren Kindern verbringen.

    Dein Artikel ist wirklich toll geschrieben und du hast vollkommen Recht, als arbeitende Mutter in Teilzeit ist es unglaublich hart. Ich erledige meine Arbeit hochkonzentriert, mache keine Kaffeepause zum Ratschen und ich bin extrem organisiert, was Prioritäten betrifft. Ich denke, ich Arbeit in 22 std Arbeit für 30 std ab. Gehaltserhöhung? Da müssen die Mütter hinten anstehen. Obwohl wir mehr schaffen. Gerade weil wir KEINE Überstunden machen können, sind wir so effizient! Ich gehe selbst krank in die Arbeit, weil meine Fehlzeiten durch oft kranke Zwillinge schon zu weit in die Höhe geschossen sind. Ich weiß ja nicht, wie alt Rosalies Kinder sind, aber zu meinen Erfahrungen kann ich nur sagen, dass nicht jedes Jahr gleich ist. Das wird Rosalie evtl auch mal feststellen. 2013 fehlt ich nur 4 Tage wegen kranken Kindes. 2014 waren es 17 Tage.

    Ich möchte keine vollzeitarbeitende Mami verurteilen, jeder soll es so machen, wie er will. Aber wenn ich meine Mäuse um 15 Uhr abhole, habe ich oft schon ein schlechtes Gewissen. Früher hatte ich das nie. Aber jetzt sind sie bald aus dem Kleinkindalter raus (sie sind 4,5 Jahre), verlieren die letzten „baby-like“ Gesichtszüge und ich erkenne, dass ich viel verpasst habe. Von dem, was viele Eltern als „die süßeste Zeit“ bezeichnen. Ich musste arbeiten, da gab es keine Alternativen.
    Aber ja, ich gebe zu, ich bereue es ein wenig, nicht alles von meinen Kindern mitbekommen zu haben…

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    • Na, da ich schon persönlich gefragt werde: Ich verbringe genug Zeit mit meinen Kindern und habe kein schlechtes Gewissen. Oder möchte mir etwa jemand etwas anderes unterstellen?

      Meine Damen sind 3,5J. und 16 Monate. Ich habe über 4 Jahre Kitaerfahrung mit ihnen und sie haben zwar ständig Rotznasen, wir hatten auch schon Noro und öfter mal Magen-Darm und Conjunctivitis, mit Erkältungen auch ca 8 ‚Krankheiten‘ pro Saison, aber bis auf den Noro sind wir alles recht schnell wieder los geworden. Also nein, keine langen Krankheitsfehlzeiten. Ich kann ja auch nix dafür. Ich sag nur, dass man nicht automatisch ewige Fehlzeiten voraussetzen sollte.

      Und im Übrigen hat niemand behauptet es gäbe nur Jobs ab 40h, die Spaß machen. Es wurde nur erwähnt, dass es Jobs gibt, die mit 20h nicht gut funktionieren, oder als Selbstständiger nicht genug einbringen.

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    • Hallo Katrin! Das ist ja schön, dass es dir ermöglicht wird, deinen verantwortungsvollen Job in Teilzeit weiter zu machen. Da hast du aber verdammt viel Glück gehabt, weil das ist leider noch nicht die Regel. Zu oft muss man sich als Frau nämlich zwischen Kind und Karriere entscheiden, bzw. dann in den sauren Apfel beißen, trotz Kind viel zu arbeiten. Oder es ist wie bei mir: Ich habe mich dazu entscheiden verhältnismäßig früh (mit 26) ein Kind zu kriegen. Ich bin also gerade erst im Berufseinstieg, mache gerade ein Volontariat und da gibt es einfach keine Möglichkeit, das in Teilzeit zu machen. Daher: Man muss es sich auch leisten können bzw. viel Glück mit seinem Arbeitgeber haben und viel vorgearbeitet haben um dann mit Kindern nur Teilzeit zu arbeiten. Das erste Kind mit 35 wäre für mich aber z.B. einfach nicht infrage gekommen. Ich fände es auch schöner, wenn ich nur 30 anstatt 40 Stunden pro Woche arbeiten könnte. Geht aber einfach gerade nicht. Und ich habe mich dann trotzdem gegen die Vernunft für ein Kind entschieden, auch wenn ich mein Leben gerade nicht 100% meinem Kind widmen kann. Ich merke aber, dass es der Beziehung zu meinem Kind nicht schadet. Es hängt sicher sehr stark davon ab, wie man die verbleibende Zeit mit seinem Kind nutzt und wie viel Liebe man seinem Kind schenkt.

      Übrigens arbeite ich auch in Vollzeit höchst konzentriert und effizient. Und sicher schaffe ich mehr als die Teilzeit arbeitenden, ich habe schließlich doppelt so viel Zeit! Und ich gehe auch krank zur Arbeit, weil ich zuhause bleiben muss wenn mein Kind krank ist. Im Grunde leisten alle Mütter, die arbeiten, viel. Ganz egal ob Teil- oder Vollzeit. Was mir nur wichtig ist: Oft ist es eben keine Sache von Nicht-Wollen, wenn Mütter mehr arbeiten als ihre Kinder zu sehen, sondern eine Sache von Nicht-Können. Sei es finanziell oder berufsbedingt. Da müsste die Politik noch viel stärker dran und auch vonseiten der Männer müsste da viel mehr kommen. Sprich: Auch der Papa kann mal in Teilzeit gehen, damit die Kinder nicht 45 Stunden / Woche in der Kita sein müssen.

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  23. kindmitfahne schreibt:

    Apropos Kollegen: Meine bezeichnen mich gerne als Marktradikale. Dazu muss man wohl wissen, dass ich in Frankfurt am Main für eine Wirtschaftszeitung gearbeitet habe, ehe ich für Kind und Kegel nach Berlin ging und damit auch der Job hinfällig war. Wohlgemerkt ein Job, auf den ich lange hingearbeitet habe und von dem ich vor meinem Kind dachte, ich würde ihn mein Leben lang machen wollen. In den ersten Monaten der (unverhofften) Schwangerschaft nahm ich noch an, ich würde selbstredend und wie es von mir erwartet wurde, nach drei Monaten Geburtserholungs-Modus wieder zurück ins Büro – Vollzeit inklusive etwaiger Anwesenheit bis Redaktionsschluss, usw. Als ich 10 Tage nach der Geburt meinem Chefredakteur versuchte klarzumachen, dass ich etwas mehr Zeit bräuchte, hatte er meine Kündigung wohl im Geiste schon geschrieben. Beziehungsweise (und *haha*): mein Vertrag war ja ohnehin befristet und noch nicht verlängert worden. Was ein glücklicher Zufall. Ich bin dann letztlich ein Jahr mit dem Kind zuhause geblieben und arbeite seitdem im Journalisten-Auffangbecken: PR. Und könnte darüber kotzen. Regelmäßig. Teilzeit und Journalismus kenne ich aus meinem Bekanntenkreis nicht. Zumal nicht unter den Alleinerziehenden, derer ich eine bin. Klar, kann man versuchen, sein Leben so zu justieren, dass Kind und Karriere funktioniert. Ich will das inzwischen aber gar nicht mehr.

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  24. saskia schreibt:

    ich bin auf deinen schönen beitrag via wertvoll-blog gestoßen – und möchte dir zu deiner einsicht gratulieren 😉
    es ist für uns halbtags-mütter – gewollt oder nicht – manches mal auch nicht so einfach, vor den vollzeitlern zu bestehen – wir hören die unzufriedenheit ja doch irgendwie aus allem raus.
    kleine anekdote: kaum war ich nach der 2. elternzeit wieder im job, wurden nacheinander beide kinder krank – echt blöd krank. mein mann und ich haben uns die betreuungstage ganz gerecht untereinander aufgeteilt. reaktion vom chef: so könne er keine firma aufbauen, da müsse ich schon für sorgen, dass ich die kinder anders organisiere. ach ja, es war dezember, mein wichtigtes (wiedereinstiges-)to-do war das versenden der weihnachtskarten.
    ich glaube, ich brauche immer noch ’nen eimer.

    ich lese mich jetzt mal durch deinen blog, bin gespannt!
    saskia

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