Aus dem Bauch heraus.

Samstag Abend, beste Sendezeit.

„Zieh mal bitte Dein T-Shirt aus“ sagt die Hebamme. Sie steht neben mir und hält einen OP-Kittel in der Hand. Ich will mich nicht ausziehen, denke ich, und zerre mir mühsam mein Shirt über den Kopf. Ich fühle mich so dreckig wie noch nie in meinem Leben. „Darf ich mich noch kurz waschen“ frage ich die Hebamme. Nein, sagt sie, dafür wäre keine Zeit und nötig sei es auch nicht. Also sitze ich nackt auf dem Kreißsaalbett und warte auf das, was da kommen möge. Nachdem ich viele Stunden lang geschwitzt habe, friere ich plötzlich sehr.

Hinter mir liegen 16 Stunden Wehen, 12 davon waren richtig heftig. Einige davon habe ich auf dem Stationszimmer verbracht, auf der Klobrille sitzend, einige im Badezimmer des Kreißsaals, nachdem meine Hebamme mich in die Badewanne geschickt hat (in der es mitnichten entspannend, sondern apokalyptisch schmerzhaft war), und den Rest auf dem Kreißsaalbett, angebunden durch ein CTG und den Schlauch der PDA, die sie mir für die letzten Meter noch verpasst haben. Nur dass es eben nicht die letzten Meter waren. Seit drei Stunden tut sich nichts mehr. Ich darf von dem Bett nicht runter und fühle mich wie ein panisches Wildtier, dem in der Falle langsam die Kräfte schwinden. Auf Anweisung der Hebamme wechsele ich immer wieder meine Position. Linke Seite, rechte Seite, Vierfüßler, aufrichten, wieder von vorn. Zwischen den Wehen untersucht mich die Fachärztin. Das tut irre weh und bringt nichts. Ich befolge stoisch die Anweisungen. Man spricht über mich, aber nicht mit mir. Wie sich ein eigener Wille anfühlt, habe ich vergessen. Wie sich Würde anfühlt, auch.

„Sie müssen sich jetzt entscheiden“ sagt die Fachärztin plötzlich. Kaiserschnitt, das Wort steht auf einmal im Raum, überraschend wahrscheinlich nur für mich. Bis zuletzt habe ich geglaubt, wir schaffen das noch, das Baby und ich. Aber das Baby hat ein Problem: Es kann die entscheidenden paar Zentimeter nicht überwinden, keiner weiß warum. Später wird man mir sagen, dass es mit dem Kopf schief im Becken gelegen und außerdem die Nabelschnur straff um den Hals gehabt hätte. Die Ärztin drängt mich, dass wir da jetzt was unternehmen müssen. Ich soll mich also entscheiden – eine echte Entscheidung scheint es jedoch nicht zu geben, jedenfalls nennt mir keiner eine Alternative. Ich schaue die Hebamme fragend an. Sie glaubt auch nicht mehr, dass es noch von selbst kommt, das Baby. Also: Kaiserschnitt. Wenn es nicht anders geht, sage ich. Eine Sekunde lang bin ich erleichtert, dass die Quälerei jetzt ein Ende hat. Dann bekomme ich Angst.

Die Hebamme hilft mir in den Kittel. Ich habe ihn kaum an, da rollt schon ein Bett ins Zimmer. Es soll mich in den OP bringen. Ich schaue meinen Mann an, der seit vielen Stunden an meiner Seite sitzt. Kein einziges Mal ist er in den Hof gegangen, eine rauchen. Das finde ich beachtlich von ihm, denn der Mann muss unter Stress immer erstmal eine rauchen. Heute nicht. Heute sitzt er neben, hinter, vor mir und schweigt wohltuend. Wenigstens muss ich den ganzen Scheiß nicht allein aushalten.

Ich glaube, ich habe einen Schock, denn ich kann keinem der Anwesenden begreiflich machen, was da gerade in mir vorgeht. Meine Fassade nickt, gehorcht, redet ein bisschen Unsinn. Sie lächelt sogar. Mein Inneres schlägt derweil den Kopf gegen die Wände. Ich hab solche Angst, denke ich am laufenden Band, ich hab solche Angst, die schneiden mich auf, die schneiden meinen Bauch auf und zerren das Baby da raus, das arme Baby, mein armer Bauch, ich hab solche Angst, HILFE.

Ich werde mit dem Bett die Gänge entlang gefahren wie im Film, die Deckenlampen über mir, Leute in Kitteln neben mir. In einem Vorraum halten wir an. Plötzlich ist der Mann weg. Er muss sich umziehen, sagt die Hebamme, sie müsse sich auch kurz umziehen und sei gleich wieder da. In der Zwischenzeit stellt sich die Anästhesistin vor und fragt mich ein paar Dinge. Sie hat eine sanfte Stimme. Die große Tür vor uns geht auf, das Bett und ich fahren in einen Raum, der mich im ersten Moment an einen Kellerraum erinnert. Oder an eine Lagerhalle. Irgendwie ist alles aus Stahl und wirkt wahnsinnig chaotisch. Es dauert ein paar Sekunden, bis ich kapiere, dass das der OP ist. Komisch sieht er aus, der OP. Der Mann taucht wieder auf. Dann geht alles ineinander über, meine Erinnerung ist verhackstückt. Wie schlechter Empfang auf dem Handy.

Nächstes Bild: Ich werde festgebunden, meine Arme und meine Beine, in einem komischen Winkel. Bestimmt sehe ich von oben aus wie ein schwangeres Lebkuchenmännchen, haha. Oder wie Jesus. Ich zittere so sehr, dass sie Probleme haben, mich richtig festzugurten. Ich kann nicht stillhalten, obwohl ich es mit aller Kraft versuche. Mein Körper ist ein kleines Erdbeben. Leute tauchen hinter dem grünen Tuch auf, das vor mein Gesicht gespannt ist. Sie stellen sich nicht vor. Wer ist der Mann hinter dem Tuch, frage ich die Anästhesistin. Sie muss lachen, weil ich das so seltsam formuliere. Das ist Dr. Oberarzt, der holt jetzt Ihr Baby. Ach so. Sie nimmt meine Hand, spricht mit mir über meine Tätowierungen, um mich abzulenken. So schöne Tätowierungen. Wer hat die denn gemacht. Aha. Und das hat sicher wehgetan? Ja. Hat es. Na, dann sind Sie ja bestimmt sehr tapfer. Nein, ich glaube nicht. Und so weiter. Ich beantworte höflich alle Fragen, obwohl mir schrecklich übel ist und ich große Angst habe, dass ich mich im Liegen übergeben muss. Was hinter dem Tuch passiert, weiß ich nicht. Meiner Erinnerung fehlen hier wieder einige Minuten.

Plötzlich ruckelt es. So dolle, dass der Tisch wackelt und ich mit ihm. Mir wird klar, dass ich das bin, an dem da so geruckelt wird. Mein Bauch ist das. Ich gerate in Panik, denn es tut richtig weh. Hinter dem Tuch entsteht Unruhe. Ich verstehe nicht, was da geredet wird. Irgendjemand drückt auf meinen Bauch. Die Übelkeit wird unerträglich, die Schmerzen auch. Die Anästhesistin guckt beunruhigt. Es wird noch fester gedrückt. Ich winsele wie unser Hund, wenn er ganz aufgeregt ist – ach nein, ich weine. Die Leute hinter dem Tuch stemmen sich von oben gegen meinen Bauch, auf meinen Magen, auf meine Rippen. Alles verschwimmt, vor meinen Augen und in meinem Kopf. Ich bin nur noch Körper. Die brechen mich in der Mitte durch, denke ich, die brechen mich ja einfach durch. Ich schreie so laut, wie ich in den vielen Stunden davor nicht geschrien habe. Ich schreie in Todesangst. Wirklich. Jetzt sterbe ich also, denke ich auf einmal. Dann hört der Druck auf, die Übelkeit lässt nach. Der Mann verschwindet von meiner Seite, erleichterte Laute von hinter dem Tuch. Das Baby ist da.

„Wir nähen Sie jetzt noch zu“, sagt einer. „Dauert nicht lange.“ Näht Ihr mal, denke ich. Mir egal. Mir ist alles egal. Anscheinend geht es dem Baby gut, sonst hätte schon jemand Alarm geschlagen. Der Mann und die Hebamme sind mit ihm verschwunden. Ich kann also in Frieden verrecken. Mir ist immer noch sehr übel und jeder Körperteil, der nicht narkotisiert ist, schmerzt höllisch. Die Anästhesistin redet schon wieder, ich höre nichts.

Unruhe an der Tür. Die Hebamme ist wieder da. Und der Mann taucht neben mir auf. Er hat ein weißes Bündel im Arm. Alle sagen irgendwas. Er hält das Bündel neben meinen Kopf, den ich aber nur mit Mühe drehen kann, weil der Rest von mir immer noch fixiert ist. Sehr große kleine Augen schauen mir ins Gesicht. Na sowas, denke ich. Da war wirklich ein Baby drin. Der Mann guckt so, wie man es wahrscheinlich auch von mir erwartet: Er grinst ein bisschen debil, als hätte er gekifft.

Die Hebamme entführt uns schnellstmöglich aus dem OP und bringt uns in ein ruhiges Zimmer. Dort kann ich sie zum ersten Mal in den Arm nehmen. Meine Tochter. Sie liegt ganz ruhig da und schaut uns an. Endlich tut mir nichts mehr weh, das liegt natürlich an all den Mitteln in meinem Blut, aber es ist trotzdem schön. Meinetwegen muss ich diesen Körper nie wieder spüren.

Danach.

Die ersten Tage sind wahnsinnig schmerzhaft. Die ersten Wochen auch. Es tut mir so leid, dass ich das Kiddo nicht richtig selbst versorgen kann, weil ich bei jedem Scheiß Hilfe brauche. Dauernd sagt jemand zu mir, es sei die Hauptsache und ein großes Glück, dass das Kiddo gesund sei. Klar ist es das. Und ich bin sehr froh, dass dieser Kaiserschnitt das Kiddo nicht daran gehindert hat, sich auf der Stelle in mein Herz zu schleichen. Trotzdem war die Geburt ein höllisches Erlebnis. Ich habe Flashbacks. Die Therapeutin, mit der ich darüber spreche, sagt: „Natürlich, Sie sind traumatisiert.“ Traumatisiert? Aber ich bin doch dankbar. Muss es sein. Die Therapeutin behauptet, man könne (und dürfe) gleichzeitig dankbar UND traurig sein. Also bin ich dankbar und traurig, und immer wenn das Innenchaos überschwappt, atme ich mich hindurch. Das ist der Trick: Weiteratmen. Ein und aus. Ganz langsam werde ich wieder ich.

Nach dem Danach.

Die Schmerzen sind nach drei Monaten endlich weg. Fast. Vorsichtig beginne ich wieder mit meinen Yogaübungen. Aber irgendetwas stimmt da nicht: In meiner Körpermitte befindet sich ein Nichts. Meine Körperhälften sind zwei einzelne funktionierende Teile. Ich bin ein Regenwurm. Ich sage das meiner Hebamme, sie nickt. Die energetischen Bahnen seien durchtrennt, sagte sie, die müssten sich erst wieder finden, das dauere lange. Klingt voll esoterisch und alles, aber ganz genau so fühlt es sich an. Um die Narbe herum ist alles taub. Ich will sie weder sehen noch anfassen. Die Narbensalbe benutze ich deshalb nie.

Heute.

Ich bin immer noch ein Regenwurm, aber es wird besser. Die Narbe gehört nicht zu mir. Ich will sie nicht haben. Sie ist da, aber ich tue so, als wäre sie es nicht. Sie macht mich wütend und bockig. Wenn andere Frauen mir von ihrer tollen spontanen Geburt erzählen, werde ich ganz still. Da ist das Gefühl, irgendwo versagt zu haben. Mich grundsätzlich geirrt zu haben. Wenn ich mir überlege, dass ich gar keine Angst hatte vor der Geburt, dass ich ein großes Vertrauen in meinen Körper und meine Kraft hatte – dann muss ich ein bisschen lachen. Weil ja immer alles anders kommt am Ende. Da liegt offensichtlich noch ein Stückchen Weg vor mir. Na gut. Dann gehe ich ihn eben.

Diesen Text habe ich für alle Frauen geschrieben, denen es ähnlich geht und die dafür keine Worte finden. Wenn Ihr mögt, bedient Euch bei meinen.

Und diese Bücher haben mir geholfen:

Es ist vorbei, ich weiß es nur noch nicht von Tanja Sahib (über traumatische Geburten)

Kaiserschnitt und Kaiserschnittmütter von Brigitte Renate Meissner

Der Kaiserschnitt hat kein Gesicht von Carolin Blasser et al.

The Bodies of Mothers von Jade Beall

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Edit:

Ich möchte noch diese Links ergänzen, weil sie gut passen.

Nach dem Kaiserschnitt (danke, Frische Brise)

Über das Bad zum Nachholen des Bondings

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169 Gedanken zu “Aus dem Bauch heraus.

  1. Silke schreibt:

    Vielen Dank für diesen Artikel. Ich habe dreimal versucht, natürlich zu entbinden…und habe es kein einziges Mal geschafft. 😦 Du hast Recht…irgendwie fehlt etwas – und irgendwie hat man das Gefühl, versagt zu haben.

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  2. Annika Jan. schreibt:

    Danke liebe kiddo-mami.
    Ich arbeite noch dran dass es mir bald wieder gut geht und ich dann endlich wieder ich bin.
    Es ist schwer und es holt mich immer wieder ein.
    Als ich eben deinen threat gelesen habe, war es, als liefe die geburt unserer tochter wieder vor meinen augen ab. In allen einzelheiten, auch die, die ich schon verdrängt/vergessen hatte.

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  3. Claudi schreibt:

    Wie schön, dass du den Mut hattest, deine einzigartige (!) Geburt niederzuschreiben. Mir hat das Aufschreiben meiner Geburtsgeschichte mit meiner ersten Tochter sehr geholfen, um abzuschließen, ein Ende zu finden mit einem sehr intensiven Prozess der Beschäftigung mit meinem traumatischen Kaiserschnitt, bei dem ich alles gegeben habe, wie so viele andere Frauen eben auch. Ich habe ca. 4-5 Monate lang immer und immer wieder zum Thema und andere Geburtsgeschichten gelesen, darüber geredet, auch mit einer Therapeutin (jemand, der objektiv zuhört und dazu die Kraft hat (mein armer Mann!)). Ich habe gelernt, diesen Weg zu meinem Kind zu akzeptieren und ihn als GENAU DIESEN Weg zu meinem geliebten Kind zu sehen. Es gibt keine bessere oder schlechtere Geburt, es gibt nur inviduelle Wege und unser ist einzigartig, mit all seinen Höhen und Tiefen, mit all den Tränen, Hoffnungen, mit all dem seichten Gelaber der Anästhesistin, mit dem Todesangst durchsetzten Geruckel auf dem OP-Tisch, all das gehört zu unserem Weg dazu, so beschwerlich er war, waren wir zugleich auch dankbar über ein gesundes Kind.. und eben doch in Trauer. Verarbeitet sie! Meine Narbe ist nach 9 Monaten noch ein klein wenig taub und schon ziemlich verblasst, die Erinnerungen sind jedoch so präsent wie eh und je. Und das sieht man auch in deinem Text. Sprecht mit anderen über eure Geburten, schreibt eure Geschichte nieder, mit allen Details, versucht es! Ich möchte noch ein Kind, ich wünsche mir eine Spontangeburt, klar, aus reiner Neugierde. Aber weder ich noch meine Kinder sind schlechter oder weniger Wert, weil sie Kaiserschnittgeburten sind, das leuchtet doch jedem ein. Es kommt, wie es kommt, unser Bestes geben wir sowieso, und am Ende kommt ja doch alles anders, als man denkt, ne? 😉

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    • Da sagst Du eine ganz wichtige Sache: meine einzigartige Geburt. Ja, so nehme ich sie auch wahr, trotz allem, was blöd gelaufen ist. Es gab aber auch gute, intensive Momente, spezielle Momente, ganz einzigartig eben. Und jetzt, wo ich meine Tochter kenne, wundert es mich gar nicht so sehr, dass sie mit so viel Wucht auf die Welt wollte. Und noch was Wichtiges sagst Du: Wir haben alles gegeben. Das stimmt. Da lege ich für jede einzelne meine Hand ins Feuer. Mehr als alles kann kein Mensch geben.

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  4. Evilein schreibt:

    Vielen Dank für deinen Eintrag. Er hat mich wirklich berührt. Meine Geburt endete auch in einem Notkaiserschnitt (nach 3 Tagen Wehen) mit Vollnarkose. Es wird wirklich besser, aber das Gefühl des Versagens ist da…

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  5. Katrin schreibt:

    Danke für Deine ehrlichen Worte.Sie machen mich traurig.
    Als zweifache Mutter bin ich froh, dass ich das Glück hatte, dass alles ohne Komplikationen ablief. Als Hebamme bin ich einfach nur traurig, dass solche Geschichten existieren und leider nicht selten sind. Ich wünsche allen Frauen, dies nie erleben zu müssen. Und allen Frauen, die es erlebt haben wünsche ich viel Kraft und kann nur eins sagen: „Ihr habt das Beste getan! Ihr seid stark und müsst Euch keine Vorwürfe machen!“

    Alles Gute, Katrin

    PS: Das Buch von Frau Sahib ist super!

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    • Ja, das Buch ist wirklich ganz toll, man kann es Stück für Stück „durcharbeiten“, es bringt so vieles auf den Punkt. Hat bei mir wichtige Denkprozesse angestoßen. Vor einem halben Jahr hätte ich diesen Beitrag nie und nimmer schreiben können. Ich hätte gar keine Worte gefunden.

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  6. Kat schreibt:

    Danke für deinen Artikel. Auch wenn ich (glücklicherweise) auf natürliche Weise entbinden konnte, hat er mich sehr berührt und mir die Tränen in die Augen getrieben. Kaum vorstellbar, was du aushalten musstest.
    Ich finde es furchtbar, dass man so wenig selbst und aus dem Bauch heraus entscheiden kann…obwohl immer gesagt wird, dass genau das das BESTE für die Mutter und das Kind sei.
    Klar, manchmal MUSS die Hebamme oder der Arzt schnell entscheiden und kann nicht ewig mit einer in Trance befindlichen Mutter debattieren. Das verstehe ich. Aber solche schwerwiegenden Sachen, wie PDA oder KS, sollten nicht zwiscen Tür und Angel von einem Fremden für uns entschieden werden!

    Bei mir wurde die Geburt eingeleitet – 10 Tage vor Termin. Weil ich Gestationsdiabetes hatte EVENTUELL zu groß werden können. Das wurde aber schon vorher von 2 Ärzten ausgeschlossen. Trotzdem wurde an der Einleitung festgehalten! Gott sei Dank haben die Medikamente bei mir sofort angeschlagen…d.h. sofort heftige Wehen…30 Stunden lang. Das Kind hat ebenso heftig mit erschreckend niedriger Herzfrequenz reagiert und plötzlich kam sogar die Oberärztin an mein Bett und meinte, dass sie eventuell die Blase öffnen müssen. Und wenn es gar nicht anders ginge, das Baby holen müssten. Ich hatte wirklich Angst, denn ich hatte die romantische Vorstellung, mein Kind ohne PDA (haha…nach 14 Stunden – HER DAMIT!) und ohne Kaiserschnitt zu entbinden. Aber der Kleine hat das wohl geahnt und sich beruhigt und sich dann in aller Seelenruhe auf den Weg gemacht.
    UND, er war natürlich nicht zu groß…im Gegenteil, ein kleiner Hänftling: 49cm und 2900 g schwer.

    Man hätte auch einfach mal der Natur seinen Lauf lassen können…

    Liebe Grüße und alles Gute für dich!

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    • Diese Größenmessung liegt aber auch echt oft daneben, oder? Bei uns haben sie sich auch total verschätzt, Kiddo war auch nur 49 cm und recht leicht. Und bei einigen Freundinnen waren die Angaben auch völlig falsch. Die hat man im Vorfeld schon verrückt gemacht, wegen gar nichts.

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  7. Sophie schreibt:

    Hi,

    ich hatte auch einen Kaiserschnitt und er war auch wirklich dringend und nötig. Mein kleiner Mann war 2 Tage drüber, ich war schon im Krankenhaus und beim 2. CTG isses dann passiert…. peng!!! Blasensprung 😮 Ich drückte den Alarmknopf, die Schwester kam rein und dann hab ich schon den Blick gesehen… da stimmt doch was nicht… sie holt mal die Ärztin sagte sie. Ich hab mich nicht getraut an mir runter zu schauen. Da lag ich nun gefühlte Stunden in meinem Einzelzimmer, weil alle anderen belegt waren und wartete auf die Ärztin.

    Tja… nachdem sie mich untersucht hatte und ich dabei dachte ’scheiße, wie viel kommt da noch aus mir raus und autsch‘ da fielen schon die Worte. Auf in den Kreißsaal… ‚und mein Freund?‘

    Im Kreißsaal angekommen war sofort eine liebe Hebamme da die sich rührend um mich kümmerte. Dann kam der Oberarzt und wieder wurde ich untersucht. Alles war hektisch und unpersönlich. Ich war gar nicht da, nur mein Körper und mehr schien es die Ärzte auch nicht zu kümmern. Keine beruhigenden Worte nur… ‚bereiten Sie eine Sektio vor‘ 😨

    Ich rief während mir der Katheter geschoben wurde meinen Freund an, es muss so gegen 23 Uhr gewesen sein. Dann kam ich schon in den OP… ich musste noch von meinem Bett auf den OP-Tisch krabbeln. Ich habe gezittert am ganzen Körper, da ging es mir wie Dir. Es war nicht zu kontrollieren. Dann kam der Anästhesist und ab da ist alles nur schwarz…

    Als nächstes sehe ich meinen Freund mit meinem Sohn im Arm. Ab da war fast alles wieder gut…

    Ich hatte eine vorzeitige Plazentaablösung. Ich weiß bis heute noch nicht was mir mehr Angst gemacht hat. Zu wissen was und warum es passiert ist, ist verstöhrend und beruhigend zugleich. Unter anderen Umständen hätten mein Sohn und ich das nicht überlebt. Ich bin froh und dankbar das ich ihn habe.

    Meine Narbe ist nun mal da und sie wird mich immer daran erinnern. Mittlerweile kann ich darüber reden ohne das ich meine Tränen unterdrücken muss.

    Liebe Grüße und alles Gute.

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  8. Die Weihnachtstage geben mir mal Zeit, auch ältere Artikel in deinem Blog zu lesen und ich muss unbedingt sagen: Dies ist ein ganz, ganz toller, mutiger Text! Vor solch einer Geburt, wie du sie beschreibst, hatte ich immer große Angst und es tut mir ehrlich leid, dass du und auch viele andere Frauen so etwas durchmachen musstet. In meinem Blog habe ich auch schon ein bisschen einige Ängste und Sorgen beschrieben (z.B. hier http://kinderhaben.de/post/106051923956/es-hat-auch-gar-nicht-weh-getan), zum Glück nahm es bei mir aber einen sehr schönen Ausgang. Ich würde mich generell sehr freuen, wenn du mal bei mir rein liest! Ich lese deinen Blog so gern und ich glaube, dass wir einiges aus ähnlichem, manchmal etwas schwarzhumorigem Blickwinkel sehen! 😉 Viele Grüße! Sophie

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  9. Sabana schreibt:

    Danke für diesen Artikel. Das Trauma hat denke ich nichts mit einem Kaiserschnitt oder mit einer natürlichen Geburt zu tun. Der Artikel hätte auch von mir sein können, nur eben nach einer natürlichen Geburt. Besonders der letzte Absatz trifft es. Und dann sehe ich mein Kind und denke: Dafür, dass ich sie habe, würde ich das auch nochmal überstehen.

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      • Sabana schreibt:

        Dein Artikel bewegt mich schon den ganzen Tag. Narben habe ich einige, aber alle von irgendwelchen geplanten OP´s und zu denen habe ich ein ganz anderes Verhältnis wie zu der von der Geburt, auf die ich keinerlei Einfluss hatte. Aber sie ist eben da und zeugt vom Besten, was mir passieren konnte: mein Kind. Ignorieren ist da schon eine gute Sache, aber letztlich ist auch dieses Erlebnis ein Teil von mir.

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  10. Carola schreibt:

    Ich habe deinen Geburtsbericht in den letzten Wochen immer wieder gelesen … jedes Wort aufgesaugt … und geweint beim Lesen …
    Du hast Worte gefunden für mich und mein Geburtserlebnis …

    Danke!

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  11. Franziska schreibt:

    Oh mann, so eine Geburt ist echt ein krasses Erlebnis. Ich kann Dich gut nachvollziehen. Ich habe auch ein ähnliches Trauma, allerdings spontan entbunden und stelle mir immer vor, dass ich mir beim nächsten Kind einen Kaiserschnitt wünsche weil ich das nicht nochmal erleben möchte. Wenn ich hier die Geschichten lese, dann wird mir aber ganz anders. Wahrscheinlich gibt es bei beiden Entbindungsarten solche und solche Fälle und in dieser Ausnahmesituation kann man auch schlecht vorher sagen wie man (auch seelisch) damit klarkommt. Bei mir kam eins zum anderen, ich war krank als es losging mit den Wehen und dementsprechend kaputt, Freitag abend die ersten Wehen, ich fands von Anfang an ziemlich schmerzhaft, unser Sohn war dann Sonntag früh da, dazwischen habe ich natürlich nicht geschlafen und hatte einfach keine Kraft mehr. 3 mal wurde versucht mir eine PDA zu legen bis es endlich klappte, dann Geburtsstillstand, nochmal alle Kräfte angestrengt, das Baby mit der Saugglocke geholt und dann wurde ich genäht. Als man es mir auf den Bauch legte habe ich nichts gefühlt, ich war einfach nur froh, dass ich es überlebt hatte (Gottseidank kamen die Gefühle später). Kurze Zeit danach fragte ich die Hebamme ob ein so großer Blutverlust nach einer Geburt normal ist (das ganze Bett war voll). Sie verneinte erschrocken und ich wurde zum Ultraschall geschoben, ein Blutstau und weiterer innerer Riss festgestellt, der Blutstau mit der Hand gelöst (ich hätte an die Decke gehen können vor Schmerz), so dass weitere Unmengen von Blut aus mir herausschossen. Bevor ich dann unter Vollnarkose ein weiteres Mal genäht wurde (die Vollnarkose habe ich als Erlösung empfunden) wurde mir ein Mittel gegeben, dass die Gebärmutter zusammenzieht mit der Ansage, ich könnte leichten Schüttelfrost bekommen. Was ich dann hatte fühlte sich an wie ein halbstündiger epileptischer Anfall. Nach der OP habe ich dann 1 Liter Blutkonserven bekommen und hatte einen Blasenkatheder, der nicht funktionierte, so dass bei jedem Pipimachen wieder unten an mir rumgefummelt und einmal Blasenkatheder eingeschoben wurden, was jedes Mal höllisch wehtat. Nach der Geburt konnte ich auch 2 Wochen nicht sitzen, hinzu kamen auch noch übelste Hämorrhoiden vom Pressen und mir wurde jedes Mal schwarz vor Augen, da ich so viel Blut verloren hatte. Durch die Trennung vom Baby währen der OP und in der Nacht danach hat es danach mit dem Stillen nicht mehr geklappt, er hat einfach die Brust verweigert und mich nur angeschrien, so dass ich 3 Wochen lang abpumpen musste und jedes Mal fix und fertig mit den Nerven war. Richtig geschlafen habe ich erst nach 4 Wochen (in der 3. Woche waren wir nochmal im Krankenhaus wegen einer Nierenbeckenentzündung und Verdacht auf Hirnhautzentzündung beim Kleinen, wer weiß ob das auch alles eine Folge der Geburt war….). Ganz verarbeitet habe ich das auch noch nicht, aber Schreiben und Teilen mit Leidensgenossen hilft 🙂

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    • Oh je, das ist eine richtig schlimme Geschichte. Tut mir sehr leid dass Dir das passiert ist. Ich finde auch, aufschreiben und teilen hilft. Ich bin froh, dass ich diesen Text gepostet habe. Ich glaube, einige andere Frauen hat das Schreiben hier in den Kommentaren auch ein wenig erleichtert. Wie mich.

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  12. Jessica schreibt:

    Jetzt bin ich zufällig auf diesen Text gestoßen und die Tränen kullern beim lesen.
    Im Januar war es bei mir so weit. Ohne Angst, voller Vorfreude und mutig wie eine Löwin stiefelte ich in den Kreißsaal. 12 Tage über Termin. Letztendlich hatten sie mich so weit, Einleitung am morgen. Was dann kam, war genau das Gegenteil von allem, was ich wollte. Schmerzmittel, PDA, Wehentropf, fixiert ans Bett und auf dem Rücken liegend wie ein Käfer. Haarscharf noch eine Spontangeburt, der Kaiserschnitt aber wie ein Damoklesschwert über mir schwebend. Keinen Tropfen Wasser hab ich gesehen, dabei hab ich schon als ich ankam, die Badewanne bestellt, Kerzen und Duftöl dabei gehabt. Nach 30 Stunden Wehen war sie da. Und ich lag da und dachte nur: aha, das ist jetzt meins? Was soll ich damit?
    Am schlimmsten waren das Unverständnis, das nicht ernst nehmen, das allein gelassen werden. Auch wenn ein CTG keine Wehen anzeigt, ich spüre sie nunmal…
    Und so sitze ich nach 3,5 Monaten hier, schaue dieses Kind neben mir an, das mir manchmal so fremd ist und weiß nicht, wie ich das verarbeiten soll. Und die Frage, die mir bleibt: warum hast du nicht.

    Ja, ich habe mich beeinflussen lassen. Den Plan mit dem Geburtshaus verworfen. Zu teuer. Aber was ist eine missglückte Geburt in Geld aufgewogen? Vielleicht wäre es komplett anders geworden. Vielleicht auch viel schlimmer. Ich weiß es nicht, aber mit dieser Entscheidung muss ich nun leben…

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    • Dieses Hätte-Könnte-Sollte…ich kenn das gut und es ist leider genau dieses Grübeln, das einen vom Frieden-machen abhält. Ich umarm Dich aus der Ferne. Ich glaube, Du musst mit jemandem sprechen, der Erfahrung mit traumatischen Erlebnissen hat. Mir hat’s geholfen, mit einer Therapeutin zu sprechen, war im Nachhinein sehr wichtig.

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  13. Durch Zufall bin ich auf die Seite gestoßen. Herzlichen Dank für deine offenen Worte!! Ich denke sie helfen ganz vielen Frauen!! Ich selbst bin auch eine Kaiserschnitte (großartiges Wort übrigens) – eine geplante… Und im nachhinein bin ich froh darüber. Natürlich hätte ich gerne versucht meinen kleinen “normal” zu gebären. Doch der letzte Besuch beim Arzt zeigt, dass der Kleine mit dem Popo nach unten sitzt. Die Aussage meiner Arztes “auf einen Kaiserschnitt hätte er keine Lust” und keine weiteren Erklärungen des Arztes haben mich zugegeben erst einmal erschreckt und fertig gemacht. Zum Glück hatte ich am nächsten Tag das Vorgespräch mit meiner Hebamme. In einem einstündigen Gespräch eklärte sie mir die Möglichkeiten, den kleinen Mann zum drehen zu animieren (indische Brücke, moxen, Jin shin Jyutsu…) – sie erklärte mir aber auch, dass er vielleicht seine Gründe hätte, warum er anders rum liegt und dass es dann auch nicht schlimm wäre einen Kaiserschnitt durchzuführen. Ich hatte also noch ca. 4 Wochen Zeit, mich auf die Situation einzustellen und mich mit “dem Schicksal abzufinden”. Der Kaiserschnitt-Termin wurde gleich gemacht und in den folgenden Wochen versuchte ich sanft alle Methoden aus. Doch nichts tat sich. Mittwoch früh hatten wir Termin im Krankenhaus und meine Hebamme schlug uns vor, den letzten Abend noch zu genießen und schön Essen zu gehen.
    Mittwoch früh ging es also in ins Krankenhaus und wunderbar begleitet von meiner Hebamme und dem gesamten OP-Team (und meinem wunderbaren Mann an meiner Seite) wurde ich auf die OP vorbereitet und mein wunderbarer Sohn kam auf die Welt. Für meine beiden Männer finde ich es schön, dass sie die erste Stunde alleine für sich hatten. Ich hatte den kleinen Mann ja schon 9 Monate in mir – doch ich war froh, als ich aus dem Aufwachraum endlich zu ihnen gebrahct wurde.
    Die ersten Tage waren sehr schmerzhaft. Mein Kreislauf versagte kläglich und ich konnte erst am 3. Tag schmerzhaft aus dem Bett aufstehen. So lange war mein Mann tagsüber rund um die Uhr da und hat sich um uns gekümmert… Nach einer Woche haben wir das Krankenhaus verlassen. Ich habe noch einen Tag verlängert um sicher zu gehen, dass ich mich zu Hause dann alleine versorgen kann. Jetzt liegt die Geburt 8,5 Wochen hinter mir und ich muss sagen ich hatte schon vor der Geburt meinen Frieden mit dem kaiserschnitt geschlossen. Dafür bin ich dankbar, denn ich musste mir im nachhinein keine Gedanken und Sorgen machen, hatte keine Versager-Gefühle und keine Ängste. Es war einfach so – und wenn es für uns beide besser war, war es gut so. Ich habe heute nur noch wenige Schmerzen und fühle mich gut. Glücklicherweise habe ich auch das Regenwurm-Gefühl nicht und auch das Stillen klappte von Anfang an. Für mich gab es auch keine Diskussion und keine Gedanken, es “normal” zu versuchen. Hebamme und Chefarzt hatten den Kaiserschnitt empfohlen, warum sollte ich da meinen Willen durchsetzen?
    Und der geplante Kaiserschnitt war dadurch 1000x angenehmer wie ein eventueller Notkaiserschnitt. Jeder Frau hat ihr Päckchen zu tragen, jeder Geburt erzählt seine Geschichte. Ich bin froh, dass bei mir alles so gut verlief und bewundere alle Frauen, bei denen es nicht so war. Ich denke, dass die Tatsache, das ich meinen Frieden als Kaiserschnitte schon vor der Geburt schließen konnte, mir vieles erleichtert hat und ich vor, während und nach der Geburt zufrieden und entspannt bin…
    Herzlichst Juliane

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  14. Tina schreibt:

    Danke für diesen Text. Bei mir ist der Kaiserschnitt (wegen einer ziemlich heftigen Gestose) inzwischen 9 Jahre her, aber die Erinnerungen sind leider immer noch da. Die Narbe ist jetzt seit 2 Jahren schmerzfrei. Ich habe bestimmt ein halbes Jahr gebraucht um zu verstehen, was da überhaupt passiert ist und richtig verstanden hab ich’s erst als ich mit Kind 2 schwanger war und mir der Chefarzt nach Blick in meine Akte sagte:“ also, wenn sie wollen, machen wir den Termin für den Kaiserschnitt gleich aus.“ Es war wohl recht knapp gewesen beim ersten Mal…
    Ich hab dann dankend abgelehnt und es hat wirklich geklappt. Das 2. Kind kam ganz normal.
    Daher kann ich aus eigener Erfahrung sagen, dass weder die eine noch die andere Art ein Kind auf die Welt zu bringen richtig Spaß macht. Zumindest mir nicht. Beide Wege haben Vor- und Nachteile, ich hab beide erlebt.
    Aber ich möchte allen Mut machen, dass es beim 2. Kind ganz anders werden kann! Einmal Kaiserschnitt heißt nicht immer Kaiserschnitt! Mich hat die 2. Geburt wieder mit meinem Körper versöhnt.
    Ganz liebe Grüße an euch alle
    Tina

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    • Liebe Tina, danke für Deinen Kommentar. Ich finde es tatsächlich immer sehr tröstlich, dass auch nach einem Kaiserschnitt beim zweiten Mal alles „wie vorgesehen“ laufen kann. Wobei Du Recht hast – Spaß hat mir die Geburt sowieso nicht gemacht 😀

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  15. Fran schreibt:

    Ich sitze hier mit Traenen in den Augen und weine um deine Geburt.
    Es tut mir unfassbar leid, dass es so gekommen ist, wie es war.
    Ich selbst hatte das unfassbare Glueck meine beiden Toechter spontan, einmal im Krankenhaus und einmal zu Hause zur Welt zubringen. Es waren unvergessliche Erlebnisse, an denen ich als Mensch gewachsen bin. Der Gedanke daran, dass nicht jede Frau dieses Glueck erleben darf macht unfassbar traurig und betroffen.
    Ich wuensche dir (und allen Muetter, deren Entbindungen alles andere als schoen waren) alle Kraft der Welt.

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  16. Es ist so wichtig darüber zu reden. Auch ich als Nichtmama sag Danke für deinen Text. Fast alle meine Freundinnen die im Krankenhaus waren hatten einen Kaiserschnitt. Aber es war und scheint immer noch ein Tabuthema.

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      • Ja genau, vorallem weckt das drüber reden auch ein Bewußtsein für das Thema und auch eins für den eigenen Körper und die Bedürfnisse um langfristig auch einen anderen Umgang in Krankenhäuser zu fördern. Oder schöner Geburtshäuser für Alle 😉

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  17. Anika schreibt:

    Lieb KiddoMami,
    ich danke dir für diesen Bericht.

    Beim Lesen kamen alle Gefühle hoch, die ich bereits verdrängt hatte. Die davor, währenddessen und auch danach. Ich sitze hier nun völlig aufgelöst und weine.

    Aber ich bin froh darüber. Froh, dass mein Mann mir diesen Link geschickt hat und fragte ob es ungefähr die Worte seien die mir fehlen. Ja!

    Ich liebe unseren nun 5 Monate jungen Sohn, verstehe nun aber endlich warum ich so anders bin. So wütend auf mich und die Welt. Ich werde schauen wie es weitergeht und hoffe, dass ich das Alles bald akzeptieren kann.

    Eines fehlte mir leider, worum ich dich beneide. Eine gute Hebamme. Diese kann ich nur jeder Frau raten. Eine Frau an seiner Seite, die weiß was zu tun ist.

    Danke für meinen hoffentlich bald eintretenden Frieden.

    Liebe Grüße

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      • Anika schreibt:

        Eines der Bücher habe ich mir gestern direkt bestellt. Es tut gut darüber zu reden, obwohl es so ein tabuthema ist. Völlig unverständlich.

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  18. MamaNin schreibt:

    Dieser Blogeintrag ist ja schon ein wenig älter, trotzdem mag ich meinen Senf noch dazugeben. Bübchen und ich hatten einen Notkaiserschnitt, nach Blasensprung, Einleitung mit Tabletten und der plötzlichen Erkenntnis: Kind hat schlechte Herztöne. Also Wehenhemmer rein, schauen ob er sich erholt, dann wieder Wehentropf um zu schauen hats was gebracht, nein hat es nicht Kind hat immer noch zuviel Stress, also wieder Wehenhemmer und die Ansage der Hebamme: „Ziehen sie mal den OP-Kittel an, ich sag dem Arzt Bescheid.“. Das ganze hatte sich bis dahin über mehr als 48 Stunden hingezogen, in denen ich schon Wehen hatte, aber keine starken und erst recht keine die den MuMu irgendwie geöffnet hätten und um die 8 Stunden in denen ich am CTG hing. Woran es lag? Man weiß es nicht recht, wahrscheinlich ist wohl mein Becken zu klein und Bübchen hing irgendwie fest, saß aber von vorneherein nicht pickelfest im Becken.
    Ich habe mich in den Wochen danach lange geärgert und war traurig darum das mir die „echte“ „natürliche“ Geburt nicht vergönnt war.
    Warum ich das alles schreibe, ich habe hier von so vielen Frauen gelesen, die absolut unmöglich behandelt worden sind und habe dabei erkannt, wie einfühlsam man im KH mit mir umgegangen ist. Ich hatte ebenfalls große Angst, habe geweint als sie mich in den OP geschoben haben, aber das OP Team war so professionell und ruhig, fürsorglich, keine Hektik, keine blöden Gespräche die mit der OP nichts zu tun haben, sie haben uns den Kleinen sofort gezeigt und ich werde nie vergessen wie er still wurde, die Augen öffnete und von mir zu meinem Mann und wieder zurückschaute, als wir mit ihm sprachen.
    Ich hofffe das klingt jetzt nicht blöd wenn ich das schreibe aber ich will mich bedanken dafür das du deine Geschichte geteilt hast, denn sie hat mir geholfen mit meiner Geschichte abzuschließen und zu erkennen, das es viel schlimmer hätte sein können und das die Verarbeitung eines Kaiserschnitts viel damit zu tun hat, wie man umsorgt wird. Ich kann das ganze Geschehen jetzt anders betrachten und bin dankbar dafür, das ich in guten Händen war und ich würde mir wünschen wenn viel mehr Ärzte und auch Hebammen (da hatte ich auch eine spezielle, aber das ist ein anderes Thema), einfühlsamer mit den Frauen umgehen würden und auch erkennen würden, das das nicht einfach mal so eine Bauch OP und zack zack ist, sondern ein großer „Einschnitt“ auch in das Seelenleben einer Frau.
    Es tut gut zu hören das es in Ordnung ist, sich schlecht zu fühlen, sich auch traumatisiert zu fühlen und es tut gut, das man das überwinden kann.

    Vielen Dank!

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    • Danke Danke Danke für Deine Geschichte. Ich freue mich sehr, dass es so viele geworden sind, und so viele unterschiedliche. Das hat auch mich in der Verarbeitung sehr voran gebracht. Bin gerade ein wenig gerührt.

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  19. Heldin schreibt:

    Auch ich hadere noch immer mit meinem Kaiserschnitt, der mittlerweile 2 Jahre her ist. Das OP-Team war zugewandt, fürsorglich aber keiner sagte etwas als meine Tochter rausgeholt wurde. Ich sah nur Unmengen an Blut. Ich musste erst den OP Saal zusammenschreien, damit man mir meine Tochter zeigte (der es mit einem Apgar von 10 bombig ging). Lange habe ich mit der Todesangst in dem Moment gerungen, wie verletzlich ich war. Und konnte ich ganz sicher sein, dass es überhaupt mein Kind war, dass sie mir dann gezeigt haben? Die Hebamme, die mir beim Bonding ohne Vorwarnung mit beiden Händen fest auf den Unterbauch drückte mit dem Kommentar „dann bildet sich die Gebärmutter besser zurück“ könnte ich heute noch … Sie machte das Trauma echt perfekt. Kommentare aus dem Umfeld: „Wenn das Kind das erste Mal lächelt, hast du es vergessen.“ Nein, habe ich nicht, werde ich nicht, macht aber nix.

    Warum ich auf deinen großartigen Artikel antworte (vielen Dank dafür!): Die Narbe. Ich mochte sie auch erst nicht sehen, nicht anfassen, niemand durfte da ran. Sie ist heute noch dick und rot und tut weh und juckt (oh kinners, morgen gibt es einen Wetterumschwung, Muttis Narbe juckt).
    Aber: Ich trage sie mittlerweile mit Stolz. Das war der härteste Krieg, den ich je gefochten habe. Die schlimmste Schlacht. Und das ist mein Andenken. An meine Stärke, meinen Mut.

    Wie ein geheimes Zeichen, das mich mit den anderen Kämpferinnen verbindet. Weil niemand weiß, wie es sich anfühlt, der es nicht selbst erlebt hat.

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  20. Dein Text ist zwar schon etwas älter, aber ich hab grad geheult (und gemerkt, dass meine Fassade und mein Inneres noch nicht dasselbe erzählen in puncto Kaiserschnitt). Mich haben sie im Februar aufgeschnitten, nach 17h Wehen, Wehensturm, PDA, Sternengucker, versuchte vaginale manuelle Drehung unter der Geburt (ohne dass mich jemand gefragt hätte, ob ich das ok finde…). Als man mich weinend in den OP geschoben hat, fragte eine Schwester: „Was haben Sie denn?“ – „Ich hab da was im Auge. Langer Tag. Alles easy.“ Durch die ärtzliche Intervention unter der Geburt hat die Maus in meinem Becken festgesteckt. Nur mit Kraft konnten sie sie aus meinem Becken rausdrücken. Die haben so unglaublich an mir gerüttelt, ich dachte, ich sterbe jetzt und auf der Stelle. Diesen Körper will ich nicht mehr, die haben ihn kaputtgemacht. Nach der OP war ich unfähig, mein Kind zu nehmen. Ich war leer, im wahrsten Sinne des Wortes, die hatten mir mein Herz rausgeschnitten. Ich hatte unglaubliche Schmerzen nach dem Zusammennähen, das nahm aber erst keiner ernst – „Sie sind doch nur erschöpft, gute Frau, beruhigen Sie sich mal“. Ich schrie und bekam irgendwann Morphin. Folge: meine Kleine und ich sahen uns erst ca. 6-7h nach der Geburt zum ersten Mal. Ich hatte unglaublich lange, die Mauer zu meinem Herzen niederzureissen. Zum Glück haben wir uns dann doch drei oder vier Wochen nach der Geburt richtig gefunden und sind ein supergutes Team jetzt.

    Nach aussen bin ich ganz klar: es ist ok. Ohne Kaiserschnitt gäbs uns beide nicht mehr. Ich bin dankbar. Und das stimmt auch. Aber: Innendrin brodelts. In meinem Umfeld gabs vor Kurzem zwei Geburten. Beide spontan. (Dazu noch: ich HASSE das Wort „normal“. Die Physiotherapeutin im KK nach der Geburt in der Rückbildungsinfo: „So, wer hat normal geboren und wer hatte einen Kaiserschnitt?“ Ich wäre am liebsten heulend davongerannt.) Ich bin neidisch! Das passt so überhaupt nicht zu mir, aber ich bin scheissneidisch auf die. Und dann können die drei Wochen nach der Geburt schon Ausflüge machen und weiss der Geier was, da lag ich noch mit Schmerzen den Hauptteil des Tages auf dem Sofa. Und ich mags denen so nicht gönnen. Und mag mich so überhaupt nicht bei diesen Gedanken.

    Ich hatte – wohl wie du – keine Angst vor der Geburt. Null, nix. Und dann ging alles „schief“. Ich habe aber auch keine Angst vor einer zweiten Geburt. Jedenfalls jetzt noch nicht. Aber in mir drin muss ich noch einiges geradebiegen. Berichte wie deine helfen – danke! Ich meine, jaaaaa, es ist schön, dass viele Mütter schöne, tolle, entspannte Geburten hatten. Aber ich wills im Moment nicht wissen. Mir tuts gut, dass ich nicht alleine bin. Und ich bin froh, dass eine liebe Freundin zwei Monate vor mir zwar keinen Kaiserschnitt, aber auch keine Rosa-Einhorn-Geburt hatte. Manchmal braucht man Schwestern im Geiste, um sich von innen wieder aufzurichten.

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    • Ach scheiße, das tut mir sehr leid. Dieses Feststecken im Becken war bei mir auch der Fall, deshalb dieses krasse Rütteln und das Gefühl, die brechen mich in der Mitte durch.

      Und auch das nicht-gönnen-können kenn ich gut. Es kratzt manchmal immer noch an mir, wenn ich im Freundinnenkreis von unkomplizierten Traumgeburten höre.

      Was mir geholfen hat: Immer wieder Auseinandersetzung mit dem Thema, die oben verlinkten Bücher, Gespräche mit ganz vielen Frauen mit verschiedensten Geburtsverläufen. Ich wünsche mir immer noch, ich hätte das Kind „allein“ zur Welt bringen können, aber es schmerzt mich nicht mehr so.

      Hast Du den Geburtsbericht gelesen? Das kann auch bei der Verarbeitung helfen, wenn man alles nochmal schwarz auf weiß rekapitulieren kann. Andererseits kann es auch eine wiederholte Belastung sein, man muss da glaub ich sehr auf die innere Stimme hören.

      Ich finde es gleichzeitig traurig und schön, dass dieser Text so oft gelesen und kommentiert wurde. Ich bekomme immer noch Mails dazu. Das zeigt: Wir sind viele, und wir sind nicht allein.

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