Lorbeeren für Papi.

Folgendes: Die Milch war alle. Weil ich über die Maßen faul bin, ging ich nicht in den Supermarkt, sondern zum Spätkauf nebenan, um dort eine Million Mark für einen Liter Bio-Milch zu berappen. Die nette Spätkaufdame so: „Wo ist denn Ihr süßes Baby?“ Ich so: „Das ist heut Nachmittag beim Papa.“ Spätkaufdame so: „Oh, das ist ja ganz toll von Ihrem Mann, dass er Ihnen das Kind auch mal abnimmt! Das würde nicht jeder machen! Da haben Sie aber Glück.“ Ich so: „Äh. Hier sind eine Million Mark.“

Beim Verlassen des Spätkaufs brannte mir ad hoc eine Sicherung durch und ich trat gegen die blöde Bierbank vor dem Laden (okay, ganz zaghaft). Weil das nämlich schon das drölfzigste Mal in dieser Woche war, dass mir irgendein Mensch versicherte, ich hätte es ja so unglaublich gut getroffen mit meinem aufopferungsvollen, selbstlosen Mann, dass ich mich quasi vor lauter Dankbarkeit sabbernd zu seinen Füßen winden müsste.

Ja sicher – der Mann ist ein guter Mann, ich hab den ja schließlich nicht nach dem Zufallsprinzip geheiratet (auch wenn es meinen Eltern anfangs so vorgekommen sein muss). Aber dass ihm ständig einer direkt oder indirekt einen Orden verleihen will, sobald er sich um sein Kind kümmert, das bringt mich glatt zum Überschnappen.

Überlegen wir mal – beglückwünscht mich vielleicht jemand dafür, dass ich ein Jahr lang Elternzeit genommen habe? Aus einer gut etablierten Freiberuflichkeit heraus? Mit dem Risiko im Nacken, dass mein Wiedereinstieg ein Fiasko wird? Na, niemand? Schade. Und beglückwünscht jemand den Mann, weil er die bescheuerten zwei „Vätermonate“ macht? Volltreffer. Man sorgte sich in der älteren weiblichen Verwandtschaft sogar um die möglichen „beruflichen Konsequenzen“, die das wohl habe. Hach. Dass ich die meiste Elternzeit nehme, war schlichtweg Ergebnis simpler Rechnerei: Ich bekomme mehr Elterngeld, also war die Zeit-Geld-Relation für uns so einfach am nettesten. Weil wir auf diese Weise viel Zeit zu dritt mit wenig Erwerbstätigkeit haben können. Interessiert aber keinen, der sich gerade daran erwärmt, dass der Mann das Kiddo abends auch mal allein zu Bett bringt (SO ein toller Vater! Schnell, Applaus!).

Und auch sonst: Ich beschwere mich, weil ich in der Nacht 9 Mal vom Kiddo geweckt wurde? Kein Mitleid für mich – ich hab es ja so gewollt. Ich schicke ihn mit dem Kiddo auf den Spielplatz und fahre selbst zum Friseur? Na das ist aber klasse von ihm, dass er Dir so viel ermöglicht. Er ist über Nacht weg, weil er in einer anderen Stadt zu einem Konzert möchte? Verständlich, er muss ja auch mal raus. Ich bin über Nacht weg, weil ich in einer anderen Stadt zu einem Konzert möchte? Wie, er macht das zuhause GANZ allein?! Ach, es gäbe eine Milliarde banaler Beispiele. Ihr habt’s ja kapiert, was ich damit ausdrücken will.

Ich finde es demotivierend, nervtötend und aggressionsfördernd, dass halbwegs engagierte Väter in der öffentlichen Wahrnehmung als Lichtgestalten über Wasser wandeln, während Mütter als Boxsäcke herhalten: Wie, Du stillst nicht? Wie, Du stillst noch? Gehst Du schon wieder arbeiten? Gehst Du immer noch nicht wieder arbeiten? Das Kind soll jetzt schon in die Kita? Das Kind ist immer noch nicht in der Kita? Bist Du verrückt, Dein Kind nicht impfen zu lassen? Bist Du verrückt, Dein Kind impfen zu lassen? – Wie Du es machst, machst Du es falsch. Wer ist schuld, wenn das Kind sich bei Edeka brüllend in die Konserven schmeißt? Na? Die Mama. Und was haben psychopathische Serienmörder meistens? Eine gestörte Mutterbeziehung. Und so weiter.

Schön und gut, höre ich meine innere Stimme sagen, aber dafür können die Väter ja nichts. Dass es ihnen als Heldentat ausgelegt wird, wenn sie sich einigermaßen gleichberechtigt um ihre Kinder kümmern möchten. Tja, nein. Dafür können sie wohl nichts (oder vielleicht doch, aber für solche Fragen bin ich eine zu schlechte Feministin). Ich fände es allerdings ganz wunderbar, wenn mal ein Vater den/die Lobhudler/in situativ darauf hinweisen würde, dass hier gerade mit zweierlei Maß gemessen wird. Wer sich das als Mutter traut, ist ja gleich zickig und wird somit nicht ernst genommen. Okay, so eine väterliche Maßnahme verändert bestimmt nicht die Welt. Für einen gesellschaftlichen Wandel müssen größere Brötchen von offizielleren Instanzen gebacken werden. Aber dieses konkrete Gegenüber denkt vielleicht kurz nach und lobt beim nächsten Mal entweder kein oder beide Elternteile. Wenigstens das. Man wird ja wohl noch träumen dürfen.

 

(Während ich das schreibe, trägt der Mann das brockenschwere Quengel-Kiddo in der Trage draußen herum. Seit einer Stunde. Bei Nieselregen und 8 Grad. Schleichende Schuldgefühle. Der arme Kerl. Ich glaube, mir ist nicht mehr zu helfen.)

 

 

 

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61 Gedanken zu “Lorbeeren für Papi.

    • Ganz schön im Griff. Soso. Ist quasi das gleiche wie „die hat ja die Pantoffeln an“ und so kack. Meine Güte, denken die Leute denn nie kurz nach, bevor sie sowas von sich geben. Man möchte so manchem einfach ins Gesicht brechen.

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      • Nö, ich glaub da denkt echt niemand vorher nach. Ich hab echt schon Perlen gesammelt. Eine weitere: ich auf einem Geburtstag ohne Freund und Kind. Auf die Frage nach dem Verbleib des Kindes folgte die Antwort dass das mit dem Papa wäre. Die einzige Möglichkeit die sich der Herr dazu erdenken konnte war, dass wir getrennt seien.
        Weil wie, ausser dass man sich mal abwechseln muss weil es zwei Haushalte gibt, sollte es sonst dazu kommen, dass der Vater allein Zeit mit seinem Kind verbringt.

        Bei mit kamen diese Aussagen durchweg von Männern.
        Ich feiere aber auch ganz besonders wenn mor Frauen erzählen dass ihnen ihr Partner „ganz toll hilft“.

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      • Mom schreibt:

        Also ehrlich. Ich bin seit 6 Wochen schwanger, und je mehr ich in diesem wunderbaren Blog lese (das „wunderbar“ ist ernst gemeint!), desto weniger hab ich Lust darauf, mir eine Elternschaft anzutun. Hab keine Lust auf verbissene Spaßbremsen mit mittelalterlichen Ansichten. W
        as ist mit den Leuten LOS, ich hab mein Leben lang keine Frau wegen der Stilllänge kritisiert oder wegen dme Einkaufswageninhalt oder weil sie Party macht, während der Mann das Baby betütert. Ich käme nicht auf die Idee!
        Haben die Leute denn nichts Besseres zu tun?
        *Panik

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  1. Hach. Ja. Schwierig.

    Wenn ich darüber nachdenke, werde ich schon manchmal gelobt, wie gut ich das alles mache. Vielleicht gehe ich da selbstverständlicher darüber hinweg. Die größeren Lorbeeren streicht aber wohl der Gatte ein. Ein Papa auf dem Spielplatz allein mit Zwillingen muss ja ein Held sein.

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  2. Katrin schreibt:

    Witzig, ausgerechnet heute habe ich mich gefragt wann und wer mich eigentlich für diesen Mutterjob lobt, für den ich keine Ausbildung genossen habe, ihn aber dennoch einfach ob meines Geschlechts 1A mit Fleisssternchen und völliger Selbstverständlichkeit zu erledigen habe. Und bitte ohne Beschwerde. Und ohne Erwartungen. Und ohne (jetzt schon wieder) ironisch zu werden – aber bitte geschminkt und mit einem zauberhaften Lächeln (wirds jetzt schon zynisch?) auf den Lippen, ein fröhliches Liedchen pfeifend und mit tänzelnden Pirouetten nach einer Nacht mit nur vier Stunden Schlaf. Der oder die erste, völlig,scheisswurscht welcher Generation, hau ich den aktuellen Windelschlauch aus meinem angelcare um die Ohren. Und jetzt esse ich ein (zweites), fettes Stück Kuchen! Einfach nur weil ich wieder ne schlaflose Nacht vor mir haben werde und die geheime Kraft des Zuckers brauche.

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    • Katrin schreibt:

      Und vor lauter Ärger würde es nur ein halber Satz: den Windelschlauch für ein besonderes Lob an meinen Mann natürlich, wenn er mal wieder was völlig selbstverständliches getan hat, worum ich ihn auch vielleicht noch bitten musste. So.

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  3. Katrin schreibt:

    Das ist auf jeden Fall eine Waffe. Eine sehr gute noch dazu. Kein Mensch wird dich ernsthaft verurteilen, weil du jemanden mit einem Windelschlauch windelweich geprügelt hast. „fratzengeballer mit Windelschlauch“ wäre die Schlagzeile und angelcare haut ne Anzeige drunter. Ich hatte Frühstücksreste heute zum Abendbrot – das würde Rainer Calmund nie passieren.

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      • Katrin schreibt:

        Cool, gründen wir eine Gang, ich mach uns Mitgliedsausweise. Und dann hängen wir gefährlich an U-Bahnaufgängen rum – man kann uns meilenweit schon riechen – und nehmen junge Väter ins Visier…

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      • Die kommen dann arglos aus dem Büro – und BÄÄÄMMM, volle Ladung! Aber eigentlich bin ich sauer auf die Väterhuldiger, nicht die Väter. Der Frau am Spätkauf sollte ich dann wohl lieber mal nen Windelschlauch überbraten.

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  4. Quietschi schreibt:

    Bin ebenfalls entzückt über den Windelschlauch! Der miffelnde Mama-Morgenstern. Ich esse jede Nacht erschöpft ein Nutellabrot, um die restlichen Stunden zu überstehen. Bin sehr dankbar, dass die Brotscheibe zwei Seiten hat, die man mit Nutella bestreichen kann.
    Worum ich meinen Mann beneide: Darum, wenn er einfach aufsteht und geht. In ein anderes Zimmer. Vor den Fernseher. Aufs Sofa. Und ich mit Kind zurückbleibe und He! rufe. Und er so, was? Ja, und was ist mitm Baby? Und er sich dann immer so geil doof stellen kann, dass ich ihn wieder sausen lasse. Weil klar, das Baby ist sein Hobby, aber mein Job.
    Und dann klage ich mein Elend bei einem Freund und er sagt, ja aber dafür bringt dein Mann das Geld nach Hause. Ja und jetzt? Ich zahle genauso Miete wie er. Von seinem Geld bekomm ich genausoviel wie vor der Geburt – nämlich nix. Welches Zahnrad ist da im kollektiven Brain verkantet?

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    • Katrin schreibt:

      Äh Moment mal Quietschi, wie kommt es, dass du 1:1 den Ablauf bei uns Zuhause beschreiben kannst? Nur das mit dem Nutellabrot war mir neu, ich werde die Umsetzung aber gleich heute Nacht testen. Ich notiere also auf der Fratzengeballer-Liste mit dem Windelschlauch-Morgenstern:

      – die Frau vom Spätkauf
      – meinen Mann
      – Quietschis Mann ?
      – …

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  5. Auch geil: „Wer passt denn auf die Kinder auf?“ „Na mein Mann“ – „aaaaah, ist er heut der Babysitter“ „Babysitter? Äh nee, eigentlich gehören die Kinder auch IHM“. Gott, wie oft ich das schon gehört hab…. Und mein Mann ist ja sowieso der Beste weil ich ein Mal im Jahr für ein paar Tage auf ein Festival darf (!). Gut, dafür bin ich ihm auch wirklich dankbar aber wenn einer das sagt höre ich nur „Pfui kuckuck, du lässt deine Kinder 4 Tage allein (hä?) und vergnügst dich. Tsssss“.
    Gerade gemerkt: Schade, dass ich keinen Windeleimer mit Schlauch hab. Aber so ne einzelne volle Windel mit schmackes den Dummschwätzern an den Hinterkopf geworfen hat mit Sicherheit auch einen netten Effekt 😉

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    • Claudia schreibt:

      Wieso Hinterkopf? Volle Kanne mitten inne… naja ihr wisst schon. Ich hätte da auch ganz tolle Stillschiss-Windeln zu bieten, schön feucht und glitschig.

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  6. karinrd schreibt:

    Auch geil: “Wer passt denn auf die Kinder auf?” “Na mein Mann” – “aaaaah, ist er heut der Babysitter” “Babysitter? Äh nee, eigentlich gehören die Kinder auch IHM”. Gott, wie oft ich das schon gehört hab…. Und mein Mann ist ja sowieso der Beste weil ich ein Mal im Jahr für ein paar Tage auf ein Festival darf (!). Gut, dafür bin ich ihm auch wirklich dankbar aber wenn einer das sagt höre ich nur “Pfui kuckuck, du lässt deine Kinder 4 Tage allein (hä?) und vergnügst dich. Tsssss”.
    Gerade gemerkt: Schade, dass ich keinen Windeleimer mit Schlauch hab. Aber so ne einzelne volle Windel mit schmackes den Dummschwätzern an den Hinterkopf geworfen hat mit Sicherheit auch einen netten Effekt 😉

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    • So eine einzelne volle Windel (die Nachtwindel eignet sich prima) kann ganz schön Wumms entfalten. Musste schon einige Male an mich halten, um nicht die lärmenden Hinterhof-Hipster in meinem Haus damit zu bombardieren (im Schutz der Dunkelheit aus dem Schlafzimmerfenster. Die Muddi mit irrem Blick und abstehendem Haupthaar)

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  7. Ich schau gerade mal wieder tief ins Nutella-Glas.

    Heute abend hab ich den Quietschi-Mann gefragt, wie es kommt, dass ich einfach 95% der Baby Quietsch-Betreuung habe. Er holt Luft und will loslegen. Ich so, wait, ich weiß. Du hast schon einen Job und der beansprucht dich echt sehr und du kannst nicht noch einen Job zuhause übernehmen. Er guckt erfreut. Ich so SEUFZ. Pass the Glas.

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    • Katrin schreibt:

      Der Mann hier nimmt öfter (das gerade aktuelle) Nutellaglas und bemerkt „auch schon wieder leichter geworden.“. Ich bin also bei dir, dass man vor lauter „wie hat das alles nur so kommen können“ öfter das Messer zu tief ins Glas schickt. Bei uns ist der Job auch Ausrede (?) für alles: war der Hund noch nicht draußen? Der Job hat es verhindert. Übersteigt die Höhe des Mülls die Küchenarbeitsplatte? Der Job ist schuld. Man kann das Baby nachts nicht übernehmen, klar, man muss ja am nächsten Tag aufstehen. Man muss durch den Monsun, ans Ende der Welt, wo kein Regen mehr fällt (oder so), äh nein, geht nicht, der Job. Man soll die vollen Windeln während der laufenden Halbzeit eines Bundesligaspiels wechseln? Geht auch nicht, weil Job Dings, äh, weißt schon. Die Fau schläft seit fünf Wochen nur vier Stunden nachts? Geht schon, hat ja keinen Job. Das Zittern fängt wieder an…wo ist das Nutella Glas?

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    • Darauf hatte ich gestern noch geantwortet, aber dann Absturz-Rechner-Wutanfall-etc. Also: Diese ganze Sache mit den männlichen Jobs. Auch so ein Ding. Außer mir selbst kenne ich noch eine andere Frau, die trotz deutlich höherem Gehalt in Elternzeit gegangen ist. Würde man das Totschlagargument vieler Männer (und auch Frauen) vorbringen, nämlich dass es wegen dem höheren Verdienst ja nicht anders geht, dass eben der Mann Elternzeit macht, hätten ich und die andere Frau ja auch zwangsläufig im Job bleiben müssen.

      Es ist aber ja wohl so: Wenn man gut verdient, kriegt man auch viel Elterngeld. Der Höchstsatz von 1800 Euro ist nicht unerreichbar. So. Und dieses Geld plus das volle Gehalt der Frau ist für die allermeisten Menschen doch ausreichend zum Leben. Davon landet man doch nicht in der Gosse. Man kann davon nicht drölfzig Karibikreisen machen und auch keine Eigentumswohnung kaufen, aber es reicht zum normalen Leben gut aus. Mich macht das so wütend, dass die Leute immer behaupten „Es ging ja nicht anders, wir brauchen das gute Gehalt vom Mann“, anstatt einfach zuzugeben: So passt es halt für uns, Rollenklischee hin oder her.

      Mit Sicherheit gibt es Konstellationen, wo das männliche Gehalt kein tolles Elterngeld generiert und wirklich in Gänze nötig ist für den Familienunterhalt. Ich rede hier vermutlich auch von einer privilegierten Warte aus. Aber diese ganze Abteilungsleiter-Geschäftsführer-Kreativdirektoren-Mischpoke bekommt den Höchstsatz. Bei denen ist es echt kein Argument, dass ihr Gehalt ja dringend zum Überleben „gebraucht“ wird.

      Das behaupte ich ganz frech, weil es bei uns eben andersrum verteilt ist und ich mit Leichtigkeit meinen Job hätte vorschieben können als Rechtfertigung für eigentliches Nicht-Wollen von Betreuungsarbeit.

      Versteht einer, was ich meine?

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      • Astrid von Bullerbü schreibt:

        Yay, ich bin Nummer 3 (obwohl Du mich ja strenggenommen nicht kennst….) und hab das Argument von wegen „höheres Gehalt verhindert Elterngeldbezug“ auch immer für etwas fadenscheinig gehalten. Allerdings wohn ich auch nur zur Miete und fahre Fahrrad…

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      • sb schreibt:

        Bei uns war mein höheres Einkommen (nicht Gehalt – ich bin selbstständig der Grund, warum ich als Mutter nur zwei Monate Elternzeit genommen habe und mein Mann 12 Monate. Er wurde übrigens oft gefragt, wo denn die Mutter ist, wenn er unterwegs mit der Kleinen war. Er hat immer geantwortet, dass er die Mutter ist.

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  8. Ja, genau. Und auch „von der anderen Seite“ darf ich sagen: Es nervt. Habe erst neulich Erstaunen dafür geerntet, dass ich mit den Kindern auch mal „allein“ wegfahre (sprich: ohne die Liebste). Sogar für mehrere Tage! (Die Kinder sind, kann man dazu sagen, eh wohlgeraten und schon aus den Windeln raus, aber, meine Güte, ich mache das auch schon seit 9+ Jahren mal „allein“.) Als wäre es wunder was, dass man(n) seine Kinder betreuen, bespaßen, bekochen, versorgen, trösten und knuddeln könne, auch wenn „die Mutter“ nicht dabei ist. Dieses „Lob“ kaschiert letztlich nur, dass ich im Grunde für ein wenig minderbemittelt gehalten wurde/werde. Na, danke auch.

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    • Ja, das kann ich mir lebhaft vorstellen, auch wenn ich es im Posting nicht angesprochen habe. Auch das ist Diskriminierung – quasi die Rückseite der Diskriminierung: Dass alle Welt sich zum eingreifen oder mindestens kommentieren bemüßigt sieht, sobald der Vater (situativ oder generell) die vermeintliche „Mutterrolle“ einnimmt. Du musst Dich bestimmt dauernd dafür rechtfertigen, ob Deine Kinder auch warm genug angezogen sind, Du ihnen das „Richtige“ zu essen gibst und so weiter. Todesnervig. Auch dafür ist eine Watsche mit dem Windelschlauch angebracht.

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      • Ganz so schlimm ist es glücklicherweise nicht, weil mein enger Freundes- und Bekanntenkreis das von mir nicht nur weiß, sondern viele selbst so verfahren, dass die Väter selbstverständlich auch all das machen, was die Mütter tun. Insofern gibt es da in unserem eng umrissenen Alltag üblicherweise wenig Kommentare. (Und es wird anscheinend auch weniger, je älter die Kinder sind.)

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      • Das ist gut. Mein Mann musste sich schon den einen oder anderen wohlmeinenden Kommentar auf der Straße anhören (meist von Rentnerinnen mit lila Haaren). Zum Glück hat er da ein total dickes Fell. Andererseits bekommt er aber auch das ganze Lob. Naja. Was willste machen.

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  9. Ok stimmt, es geht ja hier nicht um Väter-Hater, sondern um merkwürdiges Lobhudeln. Sorry, Dads! Muss dazu sagen, dass 90% meiner Wutbrodeleien auf den Mann daher resultieren – dass ich ihn einfach unfassbar vermisse. Und wenn ich ihn wirklich konkret um etwas bitte und sage, dass ich ihn brauche, ist er da. Ich bin da nur nicht gut drin.
    Also ich nominiere zu meiner persönlichen Lobgranate: meine Mutter. Die flippt schon aus vor Glück, wenn der Quietsch-Mann das Quietsch-Baby mal auf den Arm nimmt und versichert mir stundenlang, was für ein Glück ich habe. Das verstört Mann und mich gleichermaßen.
    Rho: Maxximum Respect und äh nimmst du dann meinen Mann und mein Kind mal mit auf so nen Urlaub? Just asking!
    Katrin: Herz Herz Herz!

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  10. Boaaaaa! Die lila Haare der Rentnerinnen. Ich muss hier jetzt querschlagen Themenmäßig weil ich mich genau das heute erst gefragt habe als ich eine Dame mit blauem Haar in der S-Bahn sah (um zum eigentlichen Thema eine Brücke zu schlagen- ich war allein auf dem Rückweg von der Osteopathie. Babykind beim Papa, großes Kind in der Kita. Vom Papa gebracht).
    Warum haben so viele Grauhaarige Menschen blaues oder lilafarbenes Haar? Die sind doch nicht alle total Punk, oder?

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    • Kann ich Dir sogar beantworten *klugscheiß* Graue Haare neigen zum Gelbstich, das sieht fies aus. Um dem entgegen zu wirken, gibt es blaues oder lila Shampoo. Und wenn man es damit übertreibt, lagert sich der Farbstoff allmählich an und färbt die Haare. Kann man wieder auswaschen. Wenn man will. Ich weiß das, weil ich mir mal die Haare platinblond gebleicht hab, will man auch keinen Gelbstich drin haben 🙂

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  11. Irgendwer: „Und er badet die Kinder GANZ ALLEINE?!“
    Ich: „Ja.“
    Irgendwer: „Schafft er das denn?“
    Ich: „Er ist ihr Vater und kein Au-pair Mädchen.“

    Ich: „Er ist mit den Kindern einkaufen gefahren.“
    Irgendwer: „Das ist ja toll dass er BEIDE mitgenommen hat, damit Du ein bisschen Ruhe hast.“
    Ich: „Ich kann mein Glück auch kaum fassen, dass ich jetzt alleine bügeln darf.“

    Danke für den Beitrag, obwohl ich jetzt schlechte Laune habe…

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    • Ja, man kriegt ein bisschen schlechte Laune davon, ne? Manchmal bin ich aufgrund all dieser Umstände auch einfach ein bisschen wütend auf den Mann, obwohl er nix konkretes gemacht hat. Und eigentlich wusste ich auch vorher von den Dingen, die mich jetzt aufregen, hab das ja oft genug bei Freundinnen und Kolleginnen gesehen. Verdrängung zugunsten von Fortpflanzung funktioniert eben sehr effektiv.

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  12. Sue schreibt:

    Ja bravo! Darüber ärgere ich mich auch schon, seit ich Kinder habe. Dieses ganze Emanzipationszeug ist völlig für die Katz, solange Männer keine Gebärmutter haben. Ich glaube mein Mann schämt sich sogar ein bisschen vor seinen Machofreunden (die ihr Kind nachts noch nie gesehen haben), dass ER das Nichtschläferbaby nachts betreut und ICH durchschlafe, weil ER arbeitet ja auch (während ICH mir den ganzen Tag auf der Couch den Hintern kratze)…

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  13. Claudia schreibt:

    Ich schmeiß dann mal einen meiner Lieblingssätze in die Runde:“Krieg du erstmal noch ein paar Kinder“ 😛 Nee im Ernst, mein Mann war ja schon der Held als er Kind 1 eigenständig betreuen konnte, aber wenn der jetzt mit DREI Kindern unter 5 alleine den Wocheneinkauf macht, habe ich das Gefühl die Verkäuferinnen da würden ihm am liebsten ne Woche lang den roten Teppich ausrollen und sich ihm huldigend im Spalier zu Füßen werfen.
    Den Mann irritiert und ärgert das übrigens auch sehr.

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  14. sab schreibt:

    Ich muss noch mal den Senf dazugeben: ich meine, das ändert sich. Aktuell fällt mir kaum ein Vater ein, der nicht so oft wie möglich auch wirklich die Vaterrolle übernimmt. So nervig es auch sein kann, so ganz allein mit dem Kind, erfährt der Vater natürlich auch mehr von seinem Kind, auch das Positive. Außerdem könnt ich mir bei einigen fast vorstellen, dass die böse gucken wenn ein Kumpel-Vater durchblicken lässt, dass er nächtens nicht aufsteht oder die Mama ausschlafen lässt.

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    • Echt? Dass die böse gucken? Könnte natürlich sein. Ich versuche gerade, mir die passenden Männer dazu vorzustellen…vielleicht sind Deine Bekannten feministischer als meine. Der Mann schafft es quasi nie, mich ausschlafen zu lassen, weil er so ein extrem schwer aufwachender Morgenmuffel ist. Eine schöne Vorstellung, dass ihm andere Väter deshalb grollen 🙂

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      • Claudia schreibt:

        Also mein Mann redet nicht gerade gut über Väter bei denen er weiß das sie sich nicht engagieren. Aber er redet dann auch nicht gut über die dazugehörigen Mütter, da er der Meinung ist es gibt einen der es macht un einen der es mit sich machen lässt.Sprich, wenn Papi sich nen Sch…kümmert, hat Mami sich den falschen ausgesucht oder lässt sich zuviel gefallen.
        Da wir solche Leute aber immer nur um 5 Ecken kennen, weiß ich nicht ob erauch was ZU den Leuten sagen würde, so wie ich ihn kenne aber schon.

        Meiner schafft es übrigens auch nie mich ausschlafen zu lassen, das liegt aber auch daran, das er schwer rauskommt und ich schon beim ersten Sonnenstrahl gutgelaunt (meistens) aus dem Bett hüpfe. Dafür springt er derzeit nachts in einem Affentempo auf, wenn einer der Jungs was will, denn ich hab ja das Baby an der Brust. So hat halt jeder seine Stärken und Zuständigkeiten. Auch im Haushalt. Mein Mann wischt deutlich besser als ich, ergo SEIN Aufgabenbereich. Ich bin dafür besser in anderen Bereichen, also fallen die dann mir zu. Ich finde im Großen und Ganzen passt das (für uns versteht sich).

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  15. lareine schreibt:

    Bei uns hat sich in der Tat das Elterngeld nur in der klassischen Verteilung gelohnt. Ich arbeite freiberuflich (zwischendurch war ich auch Angestellte, habe das aber wieder aufgeben müssen – war mit Familie nicht gut umsetzbar) und mein mann Vollzeit. Die 1.800 Euro Höchstsatz würden niemals reichen, um unser Haus abzubezahlen und sechs Personen zu versorgen, wenn ich nebenbei noch meine niedlichen Paarhundert Euro verdiene. Das geht nicht, wenn man so viele Kinder hat wie wir und ein Haus bezahlen muss und zwei Autos braucht und und und …
    Es gibt sie also wirklich, diese Fälle in denen es nicht reicht. Die Hälfte des normalen Familien-Einkommens zu haben reicht für uns nicht aus. Und mein Mann hätte das sehr gemocht, Elternzeit zu machen.

    Zum eigentlichen Thema: Großartiger Beitrag! Danke dafür!
    Ich kenne das alles (!) in jeder Variante – habe ja seit zwölf Jahren Kinder wachsender Anzahl und da sammeln sich einige dämliche Kommentare in meinem Gedächtnis. Mein Mann wurde immer gelobt. Meine Familie, seine Familie – alle fanden ihn toll. Ich war so mäßig gut oder nein, eigentlich lange nicht gut genug. Wenngleich ich unendlich viel mehr getan habe, was Kinder und Haushalt angeht. Und darum, die Kontakte zu seiner eigenen Familie zu pflegen. Er ist bis heute (von unseren Familien sind nicht mehr viele Mitglieder da) immer der Held, wenn er alleine mit unseren Kindern ist. Und wenn er dann gelobt wird, wie fein er das macht, dann regt ihn das auf. Er sei schließlich nicht unterbelichtet, sagt er dann. 😉

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    • Da hat er natürlich total recht – die Abwertung weiblicher Sorgearbeit diskriminiert ja die Männer gleich mit, weil sie sie zu Trotteln stilisiert.

      Und 1800 euro reichen klar nicht für so viele Personen, wenn der Verdienst des/der Partnerin ein kleiner ist. Ich bezog mich da in der Hauptsache auf die vielen mir bekannten 1-2-Kind-Familien, in denen der Manm nen sehr gut bezahlten Job hat und die Frau immerhin einen gut bezahlten 🙂

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  16. mareikeberlin schreibt:

    Soo witzig und wahr, hab den Text schon zehntausendmal weitergeleitet. Unter anderem meinem Papa, der meinen Freund immer zu Tode lobt und der nu prompt reagierte, dieser Blog hier sei ja wohl eiiindeutig von mir selbst verfasst, er erkenne meine Denke und meinen Stil in jeder einzelnen Formulierung… 🙂 Der Liebste wiederum macht bei uns tatsächlich mindestens die Hälfte, was seinem flexiblen Job und wunderbaren Wesen entspricht. Ich sag den Papa-Lobhudlern immer: ist ja nicht mein Kind. Sondern unseres.

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    • Haha, meine Mutter unterstellte mir auch einmal, dass ein Blog ja wohl eindeutig von mir wäre. Sie war ganz enttäuscht, dass dem nicht so ist. Es war der von Elisabeth Rank: mevme.com Klar, ich wünschte auch, der sei meiner, aber kann ja nicht jeder so wundervoll schreiben wie sie, ich schon gar nicht. Schmeichelhaft allerdings, dass meine Mutter das annahm.

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