Das Mädchen mit dem bösen Gesicht.

2017-06-02 12.43.06

„So klein und schon so ernst.“

„Guck doch nicht so böse!“

„Kann die auch lachen?“

„Die ist aber skeptisch!“

„Schon eher ein verschlossenes Kind, oder?“

„Lach doch mal!“

„Na Kleene, so wird dit später aba nüscht mit die Jungs.“

 

Ja, Menschen sagen diese Dinge zu meiner Tochter und über meine Tochter. Nein, das habe ich nicht erfunden. Tatsächlich war „skeptisch“ immer schon das, was Leuten als erstes einfällt, wenn sie mein Kind anschauen. Und dann klingt es ja auch gar nicht fies. Ist gar nicht böse gemeint, nee nee. Skeptisch guckte die Tochter anscheinend schon mit wenigen Wochen, glaubt man wildfremden Menschen an der Supermarktkasse. Und den Damen bei unserem Kinderarzt. Und irgendwelchen Spielplatzeltern. Und Verkäufer*innen und Passanten und Obdachlosen im Park. Skeptisch, böse, unlustig. Und wissta was: Ich kann’s nicht mehr hören. Ich kann es verdammt nochmal nicht mehr hören.  Weiterlesen

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snapshots #11

blumenmitkaka

 

Das Kind riecht gut. Nach Erdbeeren. Ständig duftet es nach Erdbeeren. Ich kann mir das überhaupt nicht erklären. Ich drücke es noch fester an mich. Seine professorale Frisur kitzelt meine Nase.

„Kind, Du riechst sehr gut!“

Das Kind freut sich.

„Mama, Du auch gut riechst.“

(Es überlegt einen Moment)

„…nach Blumen! … mit Kacka!“

 

 

Zitat

snapshots #4

Ich erwache, weil das Kiddo gestillt werden möchte. Also wird es gestillt. Irgendwas ist anders…es ist hell draußen! HELL! Das Kiddo hat durchgeschlafen! Wahnsinn. Das ich das noch erleben darf.

Ich schaue beduselt auf die Uhr. 2 Uhr 33. 2 Uhr 33??? Bevor ich das fassen kann, wird es plötzlich wieder dunkel. Und mir endlich klar: Das war kein Tageslicht. Da hat bloß im Hof einer das Licht angemacht.

 

Nach einer wahren Begebenheit.

              Foto 22.10.14 18 52 44

Gestern lagen zwei Mahnungen bei uns im Briefkasten. Nein, das ist gelogen, sie lagen natürlich schon seit zwei drei Wochen auf dem Schränkchen neben der Wohnungstür und blickten stumm auf unser Küchenchaos. Jedenfalls beschloss ich heute nach dem Frühstück in einem ungewohnten Anfall von Entschlossenheit, die Mahnungen jetzt sofort zu begleichen. Weil sonst zweite Mahnung und Mahngebüren und Schufa und Inkasso und Gosse und alles. Ist ja auch schnell erledigt.

Ich setze das Kiddo auf seinen Spielteppich und mich vor den Laptop. Öffne die erste Mahnung. Kacke, da hat sich schon wieder das Zeitschriftenabo verlängert, das ich vor zwei Jahren kündigen wollte. Na, jetzt isses zu spät. Unter dem Tisch knistert es. Das Kiddo hat sich irgendwie den Briefumschlag geschnappt und versucht, ihn samt Sichtfenster zu verspeisen. Ich krieche unter den Tisch und pule dem Kiddo das Papier-Plastik-Gemisch aus dem Schlund. Das Kiddo kreischt empört in einer menschenfeindlichen Tonlage. Ich stehe wieder auf, stoße mir den Kopf heftig an der Tischkante und greife erneut nach der Mahnung.

Zurück am Laptop. Fix beim Onlinebanking anmelden. Oh, wieso ist da so wenig auf dem Konto? Egal jetzt. IBAN abtippen. Das Kiddo kreischt immer noch. IBAN ungültig. Was, wieso denn das? Ah, Zahlendreher. Ich tippe nochmal. Das Kiddo kreischt. IBAN ungültig. Stelle fest: Es ist quasi unmöglich, eine sehr lange Zahlenfolge korrekt abzutippen, während man bekreischt wird. Ich nehme das Kiddo auf den Schoß und kitzele es ein bisschen. Es freut sich und erklärt sich bereit, auf dem Teppich weiterzuspielen.

Zurück am Laptop. Ich tippe die IBAN richtig ein, und ich schaffe die Zahlenkolonne im Verwendungszweck beim ersten Versuch, woah! Die TAN. Meehh, die TANs sind noch im Schrank. Ich gehe zum Schrank und trete dabei auf die megahäßliche Plastiksonnenrassel, die wir von irgendeinem, äh, Wohlmeinenden zur Geburt des Kiddos bekommen haben. Der eine Sonnenstachel bohrt sich stumpf in meine Fußsohle, das hämisch grinsende Sonnengesicht knackt und bricht entzwei. Plastiksplitter! Lebensgefährlich! Klemme das Kiddo unter dem Arm und hole den Staubsauger. Unter großem Hurra wird gesaugt. Was wollte ich…die TANs. Da im Schrank. Bei den Kontoauszügen. Müssten eigentlich schon längst beim Steuerberater liegen. Mach ich morgen.

Zurück am Laptop. TAN eintippen, Weiter klicken. „Aus Sicherheitsgründen wurden Sie nach 12 Minuten vom System abgemeldet. Bitte loggen Sie sich erneut ein.“ Ich habe 12 Minuten lang gestaubsaugt?! Und wieso melden die einen nach 12 Minuten vom System ab? Warum nicht nach 10 oder 5 oder meinetwegen 15? Muss ich nicht verstehen, das. Also erneut einloggen, alles wieder von vorn. Rumms, das Kiddo kracht zu Boden, es hat sich todesmutig am Sofa hochgezogen und ist abgestürzt. Infernalisches Kreischen. Ich stelle mir vor, dass Velociraptorbabys so geklungen haben müssen. Kein Wunder, dass die ausgestorben sind. Ich nehme das Kiddo auf den Arm, tröste es mit Gesumme und Gewippe.

Zurück am Laptop. Ich mache meinen Kopf möglichst leer und tippe wie ein Roboter die verdammte IBAN vom Überweisungsträger ab, und – sie stimmt tatsächlich. Schnell die TAN, so lange ich den Flow habe. Mittlerweile bin ich ganz schön verschwitzt und kann mir das nicht erklären. Muss dieser berüchtigte Stress-Schweiß sein, vom dem sie in der Werbung immer reden.

Jetzt die zweite Überweisung. Oh Gott, ist das ein langer Verwendungszweck. Bestimmt 30 Ziffern. Für den brauche ich sicher Stunden. Es klingelt, das muss der DHL-Mann sein, der hoffentlich endlich die Winterjacke vom Kiddo bringt. Es ist der DHL-Mann, aber er bringt nur eine Tonne Druckerpapier für meinen Nachbarn, die er gern in meinem Flur lagern möchte. Ich bin zu genervt und zu nett, um ihn abzuwehren. Gerade als ich die Tür schließe, höre ich ein seltsames Geräusch aus dem Wohnzimmer. Das Velociraptorbaby hat sich in meinen einen Hausschuh erbrochen und reibt die Pampe freudestrahlend in den Stoff. Egal, Hauptsache es beschäftigt sich noch einen Moment.

Zurück am Laptop. „Aus Sicherheitsgründen wurden Sie nach 12 Minuten…“

Ich gebe auf und rolle kraftlos zu Boden. Das Kiddo legt mir sanft meinen Hausschuh auf den Kopf. Alles ist erleuchtet.

Schläft es schon durch?

kiddo pennt

Meine Hassfrage. Obwohl. Nein, eigentlich habe ich mich an die Fragerei gewöhnt. Sie erwischt mich nur noch dann auf dem falschen Fuß, wenn ich eine miese Nacht UND einen miesen anschließenden Morgen mit dem Kiddo hinter mich gebracht habe. Dann kann die Schlaffrage sadistische und blutgetränkte Phantasien in mir auslösen. Denn: Das Kiddo schläft nicht durch. Tatsächlich ist es so weit vom Durchschlafen entfernt wie Berlusconi von natürlich wirkendem Haupthaar.

Anfangs, also in den ersten wenigen Monaten, lief es eigentlich gar nicht schlecht. 2-3 Mal gestillt in der Nacht, ansonsten Ruhe. Super eigentlich. Dann wurde es graduell mieser. Mittlerweile erwacht das Kiddo etwa alle 1,5-2 Stunden, und das schon seit irgendwann im Frühsommer. Neuerdings krabbelt es auch gern mal im Halbschlaf mit dem Kopf gegen die Wand und erschreckt sich (und mich) damit zu Tode.

Ja – das ist nicht schön. Überhaupt nicht schön. Und wie gesagt, an manchen Tagen bin ich echt kein Mensch. Selbstmitleid galore, sehr viel Kuchen, Shopping und all that jazz. Aber was mich so RICHTIG ankotzt, sind nicht die Schlafgewohnheiten vom Kiddo (naja, doch, ein bisschen), sondern das Problem, das einige Mitmenschen mir daraus generieren wollen:

„Also ICH würd das ja nicht mitmachen.“

„Wollt Ihr da nicht mal was ändern?“

„Du darfst sie nicht immer stillen, wenn sie das verlangt.“

„Quartiert sie mal aus, dann erledigt sich das.“

„Lass sie halt mal schreien, da muss sie durch.“

Ich bin ja nicht auf den Mund gefallen und bei Bedarf auch mal patzig, aber als mir diese Sätze gesagt wurden, wollte ich mich nur noch zusammenrollen und resigniert wimmern. Was ist denn los mit den Leuten, dass sie gerade zum sehr individuellen Thema Babyschlaf solche Standardmeinungen von sich geben? Ja, das Kiddo ist gemeinhin wohl das, was man einen „schlechten Schläfer“ nennt. Und ja, das nervt zuweilen total. Aber mittlerweile weiß ich auch: Das ist völlig normal. Mein Kind hat kein Problem. Es gehört eben zu denen, die häufig erwachen und nicht zu denen, die durchschlafen. So ist sie halt. Alles, was sich zu einem guten Schlafrhythmus beitragen lässt, tun wir bereits. Und schreien lassen werden wir sie mit Sicherheit nicht.

Auch, dass das Kiddo mehr oder weniger in unserem Bett schläft, stößt häufig auf Unverständnis. „Ihr kriegt die nie wieder da raus.“ Auf die Idee, dass wir das freiwillig so halten, weil es für alle Beteiligten am unstressigsten ist, kommt irgendwie keiner. Und wenn ich sage, dass ich das gemeinsame Schlafen sogar ganz schön finde, schauen mich manche Menschen an, als hätte ich ihnen gerade gestanden, dass ich in meiner Freizeit gern Leichen schminke.

Dieses Thema Babyschlaf, es scheint ja in den ersten Zeit unfassbar wichtig zu sein. In allen Unterhaltungen mit allen Mit-Eltern kommt es früher oder später auf den Tisch. Klar, Schlafmangel ist auch scheiße. Und ich gebe gern als Allererste zu, dass ich mich sehr auf den Moment freue, in dem das Kiddo mal 5-6 Stunden am Stück schlafen kann. Aber die ungebetenen Ratschläge, die dürfen doch einfach mal ungesagt bleiben. Die machen es doch nicht besser. Blödestenfalls bekommt man als Mutter das Gefühl, eine Totalversagerin zu sein. Und weil auf Müttern sowieso schon viel zu oft herumgehauen wird, ist das umso schlimmer.

Zwei Bücher, welche mir beim Akzeptieren und Umgehen geholfen haben, sind „Ich will bei Euch schlafen“ von Sibylle Lüpold sowie „Schlafen und Wachen“ von William Sears. Auch „Schlafen statt Schreien“ von Elizabeth Pantley hielt einige sinnvolle Tipps parat, die wir gut umsetzen konnten.

Eine Bitte hätte ich noch: Liebe Eltern, deren Kinder schon immer mehr oder weniger durchschlafen. Soll es ja auch geben. Seid so nett und erzählt mir das nicht ständig in aller Ausführlichkeit. Gerade dann nicht, wenn Ihr wisst, dass mein Kind nachts sehr oft aufwacht. Auch Sätze wie „OMG, ich bin SO fertig, Lillebrør wollte echt ZWEI Mal trinken heut Nacht!!111!!!“ erwecken in mir nicht so irre viel Verständnis. Danke. Ende der Durchsage.

 

Yay & Nay

Yay!

Guckt mal hier. Ich liebe ja ironischen Kitsch. Da bin ich ganz Hipster der Herzen. Irgendwie auch ein nettes Geschenk für Schwangere oder Neu-Eltern. Ich hätte so ein Stickdings (oder ist es ein Klöppeldings?) gern über dem Wickeltisch. Die zu beschenkenden Neu-Eltern haben ja sowieso schon Zilliarden niedliche Strampler daheim, die brauchen nicht noch mehr nützliches Geraffel. Sondern nutzloses Geraffel – und hiermit wissen sie gleich, was sie erwarten können.  Zu kaufen gibt’s das nette Dings über Etsy.

babies suck

Oh ja, das tun sie!

 

 

Nay!

Und damit wären wir dann auch bei…ich weiß nicht, wie ich das – Ding – beschreiben soll. Es erhob plötzlich sein hässliches Haupt, als das Kiddo und ich harmlos mit meiner Mutter skypten. Meine Mutter so: „Ach, ich hab da noch so schöne Fingerpuppen für das Kiddo, die hol ich jetzt mal raus, die hab ich aus so nem Laden für fairen Handel blablabla…“ – Und dann grinste diese Ausgeburt der Hölle in zehnfacher Vergrößerung aus dem Bildschirm. Ich habe sofort heimlich einen Screenshot gemacht, sonst glaubt mir das ja keiner (verzeiht die schlechte Bildqualität. Ist aber besser so, believe me).

Also, jetzt mal ohne Witz, Mama: Was ist das, um Gottes Willen? Und was war das für ein Laden? Voodoobedarf für jedermann? Und die verkaufen das als Fingerpuppen für KINDER? Welche Geschichten schweben Dir denn da so vor? Meine Güte. Kein Wunder, dass ich so ein Freak geworden bin.

 

Höllenpuppe

Muss noch jemand an Stephen King denken?