Die Prophezeiungen.

Klingt wie der Titel eines sehr langweiligen historischen Romans, oder? Irgendwas mit der katholischen Kirche und einem fiesen Geheimorden. Gemeint sind aber diese in unheilvollem Ton vorgebrachten Weissagungen, die Schwangere und Neu-Eltern quasi minütlich ereilen. Der/die Prophezeiende kann meist eine gewisse Genugtuung nicht verhehlen. So ein Lehrjahre-sind-keine-Herrenjahre-Gesichtsausdruck. Ich habe mir mal in Erinnerung gerufen, was man uns bisher so alles prophezeit hat – und ob es dann auch eingetroffen ist.

 

„Wenn Du stillst, nimmst Du automatisch ab!“

Lasst mich kurz … bahahahahahaaa! Oh Mann, was bin ich da reingefallen! Weil ausnahmslos jede Mutter in meinem weiteren Umfeld behauptet hat, ich könnte stillenderweise essen wie Rainer Calmund, flogen mir in der Schwangerschaft vielleicht ein oder zwei gebratene Täubchen zu viel in den gierigen Schlund. Nach der Entbindung harrte ich vertrauensvoll der zu erwartenden Gewichtsabnahme. Sie kam nicht. Obwohl ich wirklich (!) überschaubare Mengen verspeiste. Nach etwa drei Monaten war mir das dann zu blöd, und ich verspeiste lieber unüberschaubare Mengen. Und auch das blieb ohne Effekt, diesmal erfreulicherweise. Status quo: Ich verspeise beachtliche Mengen, der Zeiger auf der Waage klebt fest und ich übe mich in Zen. Eine von mir dazu interviewte Stillberaterin sagte folgendes: Nicht bei allem Frauen führt das Stillen bei normaler Nahrungsaufnahme zum Gewichtsverlust. Bei einigen bewirkt das Prolaktin auch, dass die Pölsterchen bleiben. Die nehmen dann nach dem Abstillen leichter wieder ab, falls sie das möchten. Gut. Ich bin wohl eine davon. War ja klar.

 

„Geh nicht immer hin, wenn das Baby schreit, es gewöhnt sich sonst daran.“

Guter Witz. Das ist ja auch mein Ziel – das Kiddo soll ja eben nicht denken, es befände sich mutterseelenallein in der sibirischen Tundra. Es soll ja wissen, dass einer kommt, wenn es was hat. Gibt natürlich Leute, die da anders rangehen. Meine Erfahrung bislang: Das Kiddo war und ist sehr dankbar, wenn jemand nach ihm schaut, sobald es weint, und beruhigt sich so viel schneller, als wenn niemand reagiert (einmal ausprobiert und nach 5 Minuten abgebrochen, weil für alle Beteiligten unerträglich). Dass ein Baby zum vielzitierten Tyrannen wird, da glaube ich nicht dran. Unberechenbare Diktatoren mit lachhaften Frisuren mögen Tyrannen sein – aber mein Kind? Not so much.

 

„Von Holzspielzeug hast Du länger was.“

Stimmt. Weil es nämlich nie benutzt wird vom Kiddo. Ich habe mittlerweile einen stattlichen dreistelligen Betrag in wundertolles, altersgerechtes Holzspielzeug investiert. Sieht schnieke aus, wie es so auf dem Dielenboden liegt. Ganz allein. Und unbeachtet. Chancenlos gegen die Stapelbecher von dm und Verpackungsmüll aller Couleur.

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Krokodil: 0. Weichkäse: 1.

 

„Wenn das Baby da ist, ist Dein Hund abgemeldet.“

Come on, Leute! Was ist das denn für ein Quatsch. Ist in meinem Herzen vielleicht ein Wohnraummangel ausgebrochen, ohne dass ich es gemerkt habe? Mir war so, als hätten da sehr viele Menschen und Tiere und Babys drin Platz. Einfach so. Als unsere Hündin vor vier Monaten starb, war da auf einmal eine große Lücke in unserer Familie. Und ich finde es so schade, dass das Kiddo sich nicht an sie erinnern wird.

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Ein Herz auf vier Pfoten.

 

„Am Ende machst Du doch alles.“

Hmpf. Nicht ganz, aber es kommt mir zuweilen so vor.

 

„Eure Wohnung wird mit lauter hässlichem Spielzeug vollgemüllt sein.“

Nein – unsere Wohnung ist, siehe oben, mit ästhetischem Holzspielzeug vollgemüllt. Ich bin mir sicher, da ist noch Luft nach oben, denn das Kiddo beginnt seine Spielzeugkarriere gerade erst. Bislang schmeiße ich all den Kram abends einfach in eine Kiste. Die ist allerdings ein total hässliches Plastikding, was meine Bemühungen um eine schöne Wohnumgebung selbstverständlich konterkariert.

 

„Man kann die Liebe zum Kind nicht beschreiben, wenn man sie nicht erlebt hat.“

Das stimmt. Zumindest für mich. Und es hat mich unverhofft und knallhart erwischt. Ist mir unendlich peinlich, das zu schreiben, aber…mein Herz. Es läuft manchmal tatsächlich über. Vor Liebe. (*würg* Das klingt voll verzuckert)

 

(Und noch eine Anmerkung in eigener Sache: Die fabelhafte Rike Drust hat heute ganz viele neue BesucherInnen hierher geschickt. Das hat mich sehr sehr sehr gefreut – und auch ein bisschen nervös gemacht. Wo ich doch meine Texte nie Korrektur lese. Herzlich Willkommen, neue Menschen!)