Zitat

snapshots #4

Ich erwache, weil das Kiddo gestillt werden möchte. Also wird es gestillt. Irgendwas ist anders…es ist hell draußen! HELL! Das Kiddo hat durchgeschlafen! Wahnsinn. Das ich das noch erleben darf.

Ich schaue beduselt auf die Uhr. 2 Uhr 33. 2 Uhr 33??? Bevor ich das fassen kann, wird es plötzlich wieder dunkel. Und mir endlich klar: Das war kein Tageslicht. Da hat bloß im Hof einer das Licht angemacht.

 

Schläft es schon durch?

kiddo pennt

Meine Hassfrage. Obwohl. Nein, eigentlich habe ich mich an die Fragerei gewöhnt. Sie erwischt mich nur noch dann auf dem falschen Fuß, wenn ich eine miese Nacht UND einen miesen anschließenden Morgen mit dem Kiddo hinter mich gebracht habe. Dann kann die Schlaffrage sadistische und blutgetränkte Phantasien in mir auslösen. Denn: Das Kiddo schläft nicht durch. Tatsächlich ist es so weit vom Durchschlafen entfernt wie Berlusconi von natürlich wirkendem Haupthaar.

Anfangs, also in den ersten wenigen Monaten, lief es eigentlich gar nicht schlecht. 2-3 Mal gestillt in der Nacht, ansonsten Ruhe. Super eigentlich. Dann wurde es graduell mieser. Mittlerweile erwacht das Kiddo etwa alle 1,5-2 Stunden, und das schon seit irgendwann im Frühsommer. Neuerdings krabbelt es auch gern mal im Halbschlaf mit dem Kopf gegen die Wand und erschreckt sich (und mich) damit zu Tode.

Ja – das ist nicht schön. Überhaupt nicht schön. Und wie gesagt, an manchen Tagen bin ich echt kein Mensch. Selbstmitleid galore, sehr viel Kuchen, Shopping und all that jazz. Aber was mich so RICHTIG ankotzt, sind nicht die Schlafgewohnheiten vom Kiddo (naja, doch, ein bisschen), sondern das Problem, das einige Mitmenschen mir daraus generieren wollen:

„Also ICH würd das ja nicht mitmachen.“

„Wollt Ihr da nicht mal was ändern?“

„Du darfst sie nicht immer stillen, wenn sie das verlangt.“

„Quartiert sie mal aus, dann erledigt sich das.“

„Lass sie halt mal schreien, da muss sie durch.“

Ich bin ja nicht auf den Mund gefallen und bei Bedarf auch mal patzig, aber als mir diese Sätze gesagt wurden, wollte ich mich nur noch zusammenrollen und resigniert wimmern. Was ist denn los mit den Leuten, dass sie gerade zum sehr individuellen Thema Babyschlaf solche Standardmeinungen von sich geben? Ja, das Kiddo ist gemeinhin wohl das, was man einen „schlechten Schläfer“ nennt. Und ja, das nervt zuweilen total. Aber mittlerweile weiß ich auch: Das ist völlig normal. Mein Kind hat kein Problem. Es gehört eben zu denen, die häufig erwachen und nicht zu denen, die durchschlafen. So ist sie halt. Alles, was sich zu einem guten Schlafrhythmus beitragen lässt, tun wir bereits. Und schreien lassen werden wir sie mit Sicherheit nicht.

Auch, dass das Kiddo mehr oder weniger in unserem Bett schläft, stößt häufig auf Unverständnis. „Ihr kriegt die nie wieder da raus.“ Auf die Idee, dass wir das freiwillig so halten, weil es für alle Beteiligten am unstressigsten ist, kommt irgendwie keiner. Und wenn ich sage, dass ich das gemeinsame Schlafen sogar ganz schön finde, schauen mich manche Menschen an, als hätte ich ihnen gerade gestanden, dass ich in meiner Freizeit gern Leichen schminke.

Dieses Thema Babyschlaf, es scheint ja in den ersten Zeit unfassbar wichtig zu sein. In allen Unterhaltungen mit allen Mit-Eltern kommt es früher oder später auf den Tisch. Klar, Schlafmangel ist auch scheiße. Und ich gebe gern als Allererste zu, dass ich mich sehr auf den Moment freue, in dem das Kiddo mal 5-6 Stunden am Stück schlafen kann. Aber die ungebetenen Ratschläge, die dürfen doch einfach mal ungesagt bleiben. Die machen es doch nicht besser. Blödestenfalls bekommt man als Mutter das Gefühl, eine Totalversagerin zu sein. Und weil auf Müttern sowieso schon viel zu oft herumgehauen wird, ist das umso schlimmer.

Zwei Bücher, welche mir beim Akzeptieren und Umgehen geholfen haben, sind „Ich will bei Euch schlafen“ von Sibylle Lüpold sowie „Schlafen und Wachen“ von William Sears. Auch „Schlafen statt Schreien“ von Elizabeth Pantley hielt einige sinnvolle Tipps parat, die wir gut umsetzen konnten.

Eine Bitte hätte ich noch: Liebe Eltern, deren Kinder schon immer mehr oder weniger durchschlafen. Soll es ja auch geben. Seid so nett und erzählt mir das nicht ständig in aller Ausführlichkeit. Gerade dann nicht, wenn Ihr wisst, dass mein Kind nachts sehr oft aufwacht. Auch Sätze wie „OMG, ich bin SO fertig, Lillebrør wollte echt ZWEI Mal trinken heut Nacht!!111!!!“ erwecken in mir nicht so irre viel Verständnis. Danke. Ende der Durchsage.