#meinenarbe: AnnasLiebe

Weiter geht’s mit den Kaiserschnitten! AnnasLiebe hat für uns ein Foto gemacht und ihren Geburtsbericht aufgeschrieben. Vielen Dank dafür!

Ich habe mein erstes Kind per geplantem Kaiserschnitt bekommen. Dieser war medizinisch notwendig und ich hatte während der Schwangerschaft genügend Zeit, mich mit dem Gedanken anzufreunden.

Dann kam DER Tag und mein Mann und ich gingen morgens ins Krankenhaus. Alles war OK- die Spinale saß und ich lag auf dem Tisch. Dann testen die Ärzte mittels piksen und etwas kaltem, ob ich noch etwas spürte. Ich bejahte und es wurde einen kurzen Moment gewartet. Wieder testeten sie und wieder sagte ich, dass ich links alles merke. Und wieder warteten sie (gefühlt 2 Sekunden) um mich dann aufzuschneiden. Ich spürte (links) den Schnitt,  aber es war nicht nur ein dumpfes Gefühl, es war purer Schmerz!

Ich spürte an meiner linken Seite, wie sie meine Haut hochzogen und sie fixiert wurde. Es fühlte sich an, als würde ich bei lebendigem Leib aufgerissen werden-und das wurde ich ja auch. Und ich schrie!

Links von mir saß mein Mann, der wie er später sagte, Todesangst um mich hatte und felsenfest davon überzeugt war, dass er den OP ohne mich verlassen würde.

Rechts von mir die Anästhesistin, die sagte, dass sie mir was spritzen könne, aber alles 1zu 1 auch mein Kind abbekommen würde. Ich verneinte. Sie sagte, die Ärzte wären gleich fertig und ich solle ihre Hand ganz fest drücken. Da lag ich nun, und quetschte die Hand der Anästhesistin und meines Mannes. Und dann war sie da: mein kleines Mädchen! Sie gaben sie mir kurz und nahmen sie dann für einen kleinen Augenblick mit. In Windeseile war sie wieder da und wurde mir auf die Brust gelegt und hat auch schon ein wenig getrunken.

Ich war mittlerweile so voller Medikamente, dass ich meine Tochter nicht alleine halten konnte-ich hatte keine Kontrolle mehr über meine Hände. Und wirklich sprechen konnte ich auch nicht mehr.  Aber ich war ganz klar im Kopf und kann mich an alles erinnern.

Und so schlimm die voran gegangene halbe Stunde auch für mich war, als meine Tochter bei mir lag, war irgendwie alles vergessen (die Schmerzmittel trugen sicher auch einen nicht ganz unwesentlichen Teil dazu bei…). Und ich bin trotz allem so froh, keine Vollnarkose bekommen zu haben. So konnte ich die ersten Minuten mit meiner Tochter erleben!

Natürlich hat mich mein Geburtserlebnis noch beschäftigt. Das Schlimmste waren nicht einmal die Schmerzen, sondern das sich den Ärzten ausgeliefert und nicht ernst genommen fühlen! Meine Hebamme war leider wenig empfänglich für das Thema und gerade in den ersten Wochen war ich so mit dem Mutter sein beschäftigt, dass dieses Erlebnis immer wieder in den Hintergrund gerückt ist.

Irgendwie habe ich meinen Frieden damit gefunden. Es ist nicht alles gut, aber OK. Und manchmal muss man sich vielleicht auch mit einem OK zufrieden geben?!?

#meinenarbe: Andrea Harmonika

Diese Lady hier muss ich vermutlich keinem vorstellen. Die hat nämlich geschätzte drölfzig Milliarden Leser und wird ge-shared, was das Zeug hält. Zu Recht übrigens! Believe the hype!

Umso mehr habe ich mich gefreut, als ich Andrea Harmonikas Beitrag zu #meinenarbe gelesen habe. Danke, liebste Andrea. Du bist wie immer voll auf die Zwölf und mitten ins Herzgeschehen. Den ganzen Artikel gibt es dort, hier ein paar Eindrücke:

Herrje Kaiserschnittmütter,

ihr konntet also eure Babys nicht mittels Regenbogenwehe im Lotussitz herauslächeln, sondern wurdet per chirurgischer Intervention entbunden?

Habt ihr wirklich keine anderen Sorgen, als hier mit euren lächelnden, gesunden Kindern im Arm auf hohem Niveau zu jammern?

Also seid endlich dankbar und hört auf zu jammern, ihr First-World-Problems-Wöchnerinnen!

Auch eine lebensrettende Intervention kann als Akt der Gewalt empfunden werden, ein Gefühl der Leere hinterlassen oder irrationale Schuld- und Versagensgefühle auslösen.

Für alle Frauen, die andere Mütter für einen Wunschkaiserschnitt verachten. Es geht euch einen feuchten Kehricht an, wieso und warum andere Frauen per Sectio entbunden haben.

#meinenarbe: Barfuss auf Lego.

Oh ja, was lange währt und so! Ewig und drei Millionen Tage habe ich überlegt, wie ich die Einsendungen zur Narbenparade vernünftig präsentieren könnte. Ergebnis: Ich mache das als Serie. Denn ich finde, dass jeder einzelne Beitrag ausreichend Raum verdient, um für sich zu stehen. Fertig aus. So machen wir das jetzt. Als äußerst überraschender Hashtag soll mir #meinenarbe dienen. Jede, die ein Foto oder eine Geschichte einsenden will, kann das übrigens auch jetzt noch gerne machen.

Beginnen möchte ich mit einem der beiden Blogbeiträge, die zu #meinenarbe geschrieben wurden. Er stammt von Barfuss auf Lego und handelt vom Frieden-machen, Dankbarkeit und besseren vs. schlechteren Geburten. Ein sehr schöner Text, vielen vielen Dank dafür!

barfuss auf lego

Hier einige Zitate als kleiner Vorgeschmack – den ganzen Text könnt ihr dort lesen: Kaiserschnitte und froh darum.

die sectio war zwar nicht geplant, hat aber dieser langen geburt ein ende gesetzt. ich hätte nicht dankbarer sein können.

ein paar wochen nach der geburt haben wir von einer verwandten familie eine geburtsanzeige erhalten. darauf stand “geboren zuhause im wasser bei kerzenschein und ruhiger musik”.

ich glaube übrigens nicht, dass es für das kind “der bessere start ins leben” ist, wenn es spontan geboren wird. ich glaube, dem kind ist es ziemlich egal, wo es rausgequetscht wird.

hier wurde mein kind geboren, mein kleines wunder. ich bin dankbar dafür.

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Und zum Nachlesen, die Beiträge zum Thema hier auf dem Blog:

Aus dem Bauch heraus.

Bauchgefühle. Retrospektive.