Oberhalb der 97. Perzentile.

Neulich schrieb mir meine Freundin A, direktemang vom Kinderarzt kommend, eine etwas prahlerisch anmutende SMS. Die Tochter wöge nun 8,4 Kilo mit zarten 18 Wochen! Damit habe sie das Kiddo (das wir zärtlich schwäbelnd »Öchsle« nennen) knallhart vom Brockenthron gestoßen. Zugegeben. Aber es ist ein knapper, geradezu haarscharfer Etappensieg.

Wir haben quasi Monsterkinder. Godzilla und Gargantua. Höhnisch blicken sie aus der Vogelperspektive auf sämtliche Wachstumskurven hinab. Ameisen sind wir für die. Wenn das mal so weitergeht, malten Freundin A und ich uns aus. Das kann ja heiter werden! Die gründen demnächst eine Gang, spätestens mit Kita-Beginn. Erzieherinnen werden mit beiläufigem Zucken der kleinkindlichen Bizepse zur Räson gebracht. Wenn wir die Kolossinnen abholen, tragen sie neue schicke Markenjacken. Wo sie die her hätten, fragen wir – nicht. Lieber die Wahrheit gar nicht erst kennen.

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Beim Mittagessen:

»MAMA, SPAGHETTI!!!!!!«

Eilig schmeißt man ein paar Kilo Pasta in den Topf.

»Die sind AL DENTE!!!!!«

Der Schwung des Nudelteller hinterlässt Hämatome auf der mütterlichen Stirn.

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Freundin A stellt sich vor, wie sie bald ihr riesiges Baby im Ergo durch den Kiez schleppt. Oder doch eher: von ihm mitgeschleift wird. Als würde sie eine durchgeknallte Dogge Gassi führen.

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Abends muss der Papa dann Pony spielen:

„PAPAAA! HÜAAA!“

„Aber Schätzelein, der Papa hat schon vier Bier…“ –

„ROOOOAAAAARRRHHH!!!!!“ –

„….ist ja gut, steig auf.“

Papa galoppiert schwankend durch die Bude, in ängstlicher Erwartung des kindlichen Stiefeltrittes. Wie ein überzüchteter Vollblüter gurkt er mit seiner Last übers Fischgrätparkett. Die Sporen sind von Lillifee.

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Selbstredend schlafen Godzilla und Gargantua auch bei Schulbeginn noch im Familienbett. Wir Eltern müssen uns derweil zu zweit im Beistelldings arrangieren. Beim Mann haben sich die Abdrücke der Gittersprossen dauerhaft ins Hinterteil gegraben.

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In der Zwischenzeit wachsen die Kinder. Und wachsen. Und wachsen. Das Echo ihrer Hüpfspiele donnert von Neukölln bis in den Wedding. Die Sonne verdunkelt sich apokalyptisch. Ein heißer Wind bläst direkt aus dem Fegefeuer. Asche regnet vom Himmel. Betend sinken die Menschen zu Boden. Heulen und Zähneklappern.

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The End.