Hormona non grata. Ein Gastbeitrag.

(Diesen schönen Beitrag hat uns eine Gästin spendiert, und zwar meine liebe Freundin Annalena, die nicht nur schlau ist und gut schreiben kann, sondern auch noch bombig aussieht. Have fun!)

mama

Mein Freund mag es nicht, wenn ich alles auf die Hormone schiebe. Es ist ihm zu passiv, zu opfer-ig, zu verantwortungsabwälzend. Was er nicht weiß: Er lebt mit einem Sack Hormone zusammen. Das bin ich. Ich könnte auf keiner Matratze schlafen, unter der eine Anti-Baby-Pille liegt, so hormonfühlig bin ich. Ich bin die Prinzessin auf der Pille. Ich merke meinen Eisprung, den von Freundinnen und bestimmt auch den der Kassierinnen im Supermarkt, denn ich nehme jedes Mal diese lästigen Herzen für das Pfannenset mit, anstatt Nein zu sagen.

Als ich schwanger war, war mir die ersten 14 Woche sackübel – Hormone. Als ich das Baby auf die Welt brachte, hab ich nur geheult und Angst gehabt, dass mein Freund mich verlässt – Hormone. Anschließend habe ich 3 Monate in einem rosa Nebel verbracht, der meinen zerfetzten Restkörper durch extremsten Schlafmangel plus abendlich weinendem Baby geleitet hat – diese verdammten Hormone.

Und als ich nach 6 Monaten Mama sein zwei Wochen lang so down war, dass ich schon eine postnatale Depression bei mir vermutete, rutschte bestimmt auch wieder eine Ladung dieser verflixten Kontrollstoffe aus meinem Körper wie aufgeregte Menschen auf einer aufblasbaren Gummimatte aus einem Flugzeug. Denn nach diesen zwei Wochen wachte ich auf und hatte sie tatsächlich vergessen: Übelkeit, Geburt und Schlafmangel. Dafür hatte ich ein neues Gefühl: Ich wollte plötzlich noch ein Kind. Zack! Ich Opfer! Ich schwöre, dass das nicht im Geringsten meine Entscheidung war. Aber mein Freund zuckt zusammen und sagt, bitte nicht wieder diese Hormone.

Naja. Nun gut. Ich wäre ja auch lieber unabhängig in meinem Leib und würde nicht von geheimnisvollen Botenstoffen robotermäßig durch die Pampa gesteuert werden. Aber es ist nun mal so, wie Alissa Milano so schön gesagt hat: „A female body is not made to look good in a bikini. It’s made to give birth and have a baby and be a cozy companion for it afterward.“ Ich bin nun mal nicht der unabhängige Mensch, den die Medien sich ausgedacht haben. Ich bin letzen Endes nur ein Stück Natur. Und diese Natur zieht einfach eiskalt ihr Ding mit mir durch, egal, was für teure Klamotten ich anziehen würde oder was für feine Dinge ich esse. Manchmal macht mich das wütend. Manchmal macht mir das Angst. Aber jedes Jahr im Herbst lege ich den Kopf in den Nacken und habe Tränen in den Augen, wenn ich die Zugvögel beim Sammeln beobachte. Unten die schmutzige Stadt mit ihren Pappbechern und Straßenbahnen. Oben die mächtige Natur, die an uns zieht und uns mit Sehnsüchten füllt und dem Mut, das Wahnsinnige zu wagen, um etwas Wildes und Schönes zu erreichen. Afrika, oder eben ein Kind.

Es ist in uns, es fließt in uns, und es macht uns nicht zu Opfern, sondern bindet uns an diese Erde, in den Strom des Lebens meinetwegen, und zeigt uns, dieser Planet ist dein Zuhause und du bist ein Teil davon, bums aus Nikolaus. Dass ich davon Pickel bekomme oder schlechte Laune, gehört dann wohl dazu. Mein Baby liebt meine Hormone. Und mein Freund will es nicht wahr haben, aber ich bin mir ganz sicher, dass wir nur deshalb zusammen sind, weil sich unsere Hormone so gut verstehen. Und jetzt entschuldigt mich, ich muss ein minimal vergünstigtes Pfannenset kaufen. Es ist hormonell.

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