Circus Maximama oder Wenn alle Wege nach Rom führen, suche ich das gallische Dorf.

Die fabelhafte Annalena beehrt uns wieder mit einem Gastbeitrag. Danke, Du arschcooles Weib.

Ahhh! Endlich mal ein richtig schöner langer Titel. Ich finde ja, ein Titel, der nicht über drei Zeilen geht, ist es nicht wert, überhaupt das Licht der Welt zu erblicken. Wenn der Titel kurz ist, kann der Rest ja nur amputiert hinterherhinken. Man kauft ja auch kein Pixi-Buch für den Urlaub, sondern einen verheißungsvollen Schinken. Wie es dieses Bahnhofsliteratur-Pamphlet mit dem erbärmlich-lahmen Titel „Die Bibel“ in die Bestsellerliste geschafft hat, ist mir immer noch ein Rätsel. Viel schöner wäre doch, wenn auf dem Einband „Alte Männer und ihre schier nicht endend wollende Zeugungsfähigkeit, die einem weiteren alten Mann auf einer Wolke gute Laune macht, und dann noch ein Mann, der erst stark unnachhaltige Party-Wunder vollbringt und dann aber über eine Handwasch-Affäre stolpert und beleidigt in den Orkus steigt“ stünde. Aber mich fragt ja keiner. Äh, wo waren wir? Ach ja. Wir hatten noch gar nicht angefangen. Hust. Ich hab auch ein Jahr nach Geburt noch eine brutal verbimmelte Stilldemenz. Und Bücher lese ich auch nicht mehr, überfliege nur noch Ratgeber zu BLW und Co-Sleeping. Ob ich jemals wieder eine Urlaubslektüre von innen sehen werde, steht in den Sternen.

Denn das Kind ist ein Jahr alt. Und ich bin im Arsch.

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Elternprekariat.

Es soll Eltern geben, deren Familienleben ist eine einzige Zauberwolke aus Vintagemöbeln, Wolle-Seide und Superfoods. Da gibt es auf Instagram und den Blogs allerlei schöne Dinge zu bewundern. Lustig geformte Glühbirnen an bunten Textilkabeln über sorgsam verwetzten Eichentischen. Eine Küche voller Jacobsen-Stühle; auf mindestens zweien sitzen stilsicher gekleidete Kinder, die mit trendigem Kupferbesteck säuberlich ihre Edamame picken. Strahlende, locker bleibende Mütter in authentisch zerrissenen Jeans, die das Elternleben so sehr lieben, jeden Tag. Und der Urlaub war so wunder-wunder-wunderschön.

Dieses Glück, überall und ständig. Da zählen die kleinen Unannehmlichkeiten des Kinderhabens doch gar nicht.

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Bauchgefühle. Retrospektive.

Ich habe mir, endlich, den Film angeschaut. Den Kaiserschnitt-Film von Judith Raunig. Die Dokumentation wurde vor einer ganzen Weile schon einmal ausgestrahlt – und ich habe es nicht über mich gebracht, sie anzusehen. Warum, hätte ich nicht sagen können. Irgendein Widerstand war da.

Aber ein zweites Mal wollte ich ihn nicht verpassen, also: Augen auf und durch. Ich wünschte, noch viel mehr Menschen würden sich diesen Film anschauen. Menschen, die in beruflicher oder privater Hinsicht auf Kaiserschnittmütter treffen. Selbstverständlich sind nicht alle davon traumatisiert – ich kenne viele Frauen, die sogar ziemlich happy mit ihrem Kaiserschnitt sind. Klar, gibts. Es gibt aber auch die, die in dem Film zu Wort kommen. Die gar nicht happy sind. Denen unter der Geburt die Selbstbestimmung und ein gerüttelt Maß Würde genommen wurden. Ob man zu denen gehören wird, weiß man vorher nicht. Selbst mit Wunschkaiserschnitt weiß man es vorher nicht. Ich hätte von mir nie gedacht, dass ich so lange an der OP knabbern würde. War immer eine von der Fraktion „Hauptsache, dem Kind geht’s gut“ und „Man muss ja auch dankbar sein“. Wie es sich mit der Dankbarkeit verhält, habe ich in meinem Geburtsbericht aufgeschrieben.

Und heute? Wie geht es mir heute damit?

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Vom Blues.

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Monate vergingen, es waren 14. Es sind 14, genau heute. Das Kind wurde unter Heulen und Zähneklappern zur Welt gebracht und durch dieselbe getragen, stundenlang. Es wurde und wird gestillt, geliebt und familiengebettet. Soweit, so normal. 14 Monate neues Leben im alten Leben – oder nein, es fing ja schon früher an. Diese Schwangerschaft, die schon so weit weg scheint.

Nächste Woche wird, so Gott denn endlich will, für das Kiddo die Kita beginnen (mal wieder). Und ich arme Törin sitze hier und bin so schlau als wie zuvor. Weil ich nämlich dieser großen Veränderung, von der immer alle reden und von der immer alle behaupten, dass sie mit dem Kind passiere – ja, weil ich der nämlich nicht auf die Spur komme. Hat sich mein Leben verändert? Ja. Ich schlafe weniger, also quasi nie, bin so unspontan wie selten, mache mir dauernd Kindersorgen und Müßiggang ist nicht. Die offensichtlichen Dinge, sie machen auch vor mir nicht halt. Aber hat sich mein Leben verändert? Nein. Ich bin der Mensch, der ich bin, der ich war. Der hat jetzt halt ein Kind.

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Kleine Scharade zur Mittagszeit.

Oder: Wie ich einmal versuchte, cool zu wirken.

Weil ich an diesem regnerischen Montag das dringende Bedürfnis habe, mich jung und unabhängig zu fühlen, treffe ich meinen Freund M zum Lunch in einem schicken japanischen Restaurant. M hat keine Kinder, dafür aber Wein, Weib und Gesang. Das Kiddo bleibt beim Papa, der sich dafür bestimmt bei der Spätkaufdame ein paar Lorbeeren abholen geht.

Jetzt folgt ein Cliffhanger. So, hier ist er. Genau da. Wer diesen Beitrag nämlich weiterlesen möchte, muss das heute hier bei Mamizeug tun.

Kommt schon, das war ein toller Cliffhanger. Oder? Kommt schon.

Das Kiddo isst übrigens schon seit Beikoststart mit Stäbchen. Kleckerfrei. Und rezitiert dabei Haikus. Bin ich jetzt ne geile Mutter oder was.

Das Kiddo isst übrigens schon seit Beikoststart mit Stäbchen. Kleckerfrei. Und rezitiert dabei Haikus. Bin ich jetzt ne geile Mutter oder was.

Hormona non grata. Ein Gastbeitrag.

(Diesen schönen Beitrag hat uns eine Gästin spendiert, und zwar meine liebe Freundin Annalena, die nicht nur schlau ist und gut schreiben kann, sondern auch noch bombig aussieht. Have fun!)

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Mein Freund mag es nicht, wenn ich alles auf die Hormone schiebe. Es ist ihm zu passiv, zu opfer-ig, zu verantwortungsabwälzend. Was er nicht weiß: Er lebt mit einem Sack Hormone zusammen. Das bin ich. Ich könnte auf keiner Matratze schlafen, unter der eine Anti-Baby-Pille liegt, so hormonfühlig bin ich. Ich bin die Prinzessin auf der Pille. Ich merke meinen Eisprung, den von Freundinnen und bestimmt auch den der Kassierinnen im Supermarkt, denn ich nehme jedes Mal diese lästigen Herzen für das Pfannenset mit, anstatt Nein zu sagen.

Als ich schwanger war, war mir die ersten 14 Woche sackübel – Hormone. Als ich das Baby auf die Welt brachte, hab ich nur geheult und Angst gehabt, dass mein Freund mich verlässt – Hormone. Anschließend habe ich 3 Monate in einem rosa Nebel verbracht, der meinen zerfetzten Restkörper durch extremsten Schlafmangel plus abendlich weinendem Baby geleitet hat – diese verdammten Hormone.

Und als ich nach 6 Monaten Mama sein zwei Wochen lang so down war, dass ich schon eine postnatale Depression bei mir vermutete, rutschte bestimmt auch wieder eine Ladung dieser verflixten Kontrollstoffe aus meinem Körper wie aufgeregte Menschen auf einer aufblasbaren Gummimatte aus einem Flugzeug. Denn nach diesen zwei Wochen wachte ich auf und hatte sie tatsächlich vergessen: Übelkeit, Geburt und Schlafmangel. Dafür hatte ich ein neues Gefühl: Ich wollte plötzlich noch ein Kind. Zack! Ich Opfer! Ich schwöre, dass das nicht im Geringsten meine Entscheidung war. Aber mein Freund zuckt zusammen und sagt, bitte nicht wieder diese Hormone.

Naja. Nun gut. Ich wäre ja auch lieber unabhängig in meinem Leib und würde nicht von geheimnisvollen Botenstoffen robotermäßig durch die Pampa gesteuert werden. Aber es ist nun mal so, wie Alissa Milano so schön gesagt hat: „A female body is not made to look good in a bikini. It’s made to give birth and have a baby and be a cozy companion for it afterward.“ Ich bin nun mal nicht der unabhängige Mensch, den die Medien sich ausgedacht haben. Ich bin letzen Endes nur ein Stück Natur. Und diese Natur zieht einfach eiskalt ihr Ding mit mir durch, egal, was für teure Klamotten ich anziehen würde oder was für feine Dinge ich esse. Manchmal macht mich das wütend. Manchmal macht mir das Angst. Aber jedes Jahr im Herbst lege ich den Kopf in den Nacken und habe Tränen in den Augen, wenn ich die Zugvögel beim Sammeln beobachte. Unten die schmutzige Stadt mit ihren Pappbechern und Straßenbahnen. Oben die mächtige Natur, die an uns zieht und uns mit Sehnsüchten füllt und dem Mut, das Wahnsinnige zu wagen, um etwas Wildes und Schönes zu erreichen. Afrika, oder eben ein Kind.

Es ist in uns, es fließt in uns, und es macht uns nicht zu Opfern, sondern bindet uns an diese Erde, in den Strom des Lebens meinetwegen, und zeigt uns, dieser Planet ist dein Zuhause und du bist ein Teil davon, bums aus Nikolaus. Dass ich davon Pickel bekomme oder schlechte Laune, gehört dann wohl dazu. Mein Baby liebt meine Hormone. Und mein Freund will es nicht wahr haben, aber ich bin mir ganz sicher, dass wir nur deshalb zusammen sind, weil sich unsere Hormone so gut verstehen. Und jetzt entschuldigt mich, ich muss ein minimal vergünstigtes Pfannenset kaufen. Es ist hormonell.

Hyde-Mom.

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Der Tag fängt schon gut an. Und wenn ich sage: gut, dann meine ich eigentlich: schlecht. Der Tag fängt also schlecht an. Im Grunde fängt er auch gar nicht an, sondern geht einfach weiter, nahtlos aus dem letzten Abend heraus. Die Nacht dazwischen zählt nicht, denn die bestand nur aus Bruchstücken. Weil: Das Kiddo ist krank und kann nicht richtig atmen und zahnt und wasweißich. Es quengelt, rotzt, weint und schnaubt unaufhörlich vor sich hin, will stillen, doch nicht stillen, auf dem Arm, ach lieber doch nicht, aufstehen, aber aufstehen ist dann doch blöd. Gehen wir halt ins Bad, da ist es wenigstens warm. Beim Wickeln kackt mir das Kiddo auf die Hand. Der Mann taucht auf, guckt kurz, legt sich wieder hin. Ich gehe ihm nach und keife ein bisschen. Wir streiten auf der Stelle. Dies wird ein Tag für Hyde-Mom.

Hyde-Mom ist die, die schnell die Geduld verliert. Die das weinende Baby anraunzt, weil sie die Geräuschkulisse nicht mehr erträgt. Hyde-Mom ist weder einfühlsam noch langmütig, mag keine Menschen und würde am liebsten immerzu jemanden ohrfeigen. Hyde-Mom denkt Dinge wie: „Die XY hat ja auch ganz schön zugenommen in der Schwangerschaft, aber ich gönn’s ihr“ oder „Jetzt halt doch mal die Klappe, Du blödes Kind, wegen Dir kann ich nie denken!“ Ich kann sie nicht leiden, sie kann sich also selbst nicht leiden, aber da ist sie trotzdem. Auch wenn ich mich für sie schäme.

Jekyll-Mom kann da nicht viel machen. Die ist zu menschenfreundlich. Die trägt das Kiddo stundenlang umher, singt ihm erfundenen Nonsens beim Wickeln vor, lässt sich Haare ausreißen und in die Nase beißen, wischt Essensreste von allen Oberflächen, bis zur Unendlichkeit und weiter. Jekyll-Mom ist die Chefin von dem Laden hier, was besser für alle ist, sie aber nicht vor Meuterei bewahrt. Es reichen ein paar beschissene Tage und Nächte hintereinander, zu wenig Sozialkontakt, eine schrecklich hohe Steuernachzahlung, eheliches Angenervtsein – und zack, schleicht Hyde-Mom durch die Hintertür und hasst alles und ist eine schlechte Mutter. So wie heute.

Ich schleiche also wie der Grinch höchstselbst um 6.30 zum Spätkauf, der in diesem Fall eher ein Frühkauf ist, und kaufe die taz und einen Liter Milch. Ob denn das süße Baby noch schlafe, will die nette Spätkaufdame wissen. Ich muss hysterisch lachen. Ohne zu antworten, lege ich das Geld hin und verlasse kopfschüttelnd den Laden. Hyde-Mom ist erfreut. Auf dem Rückweg stolpert eins dieser skandinavischen Touri-Pärchen aus der Bar nebenan. Das Mädchen mustert meine ungewaschene, übermüdete, schlafanzügige Erscheinung, kichert ein bisschen und fragt mich dann nach Feuer. Ich sage: „Ach, halt die Fresse.“ Sie sagt: „Sorry?“ Ich sage: „Shut the fuck up.“ Das Pärchen schweigt irritiert und geht wieder in die Bar. Ja. Nicht dass ich darauf stolz wäre. Aber Hyde-Mom ist es und richtet sich erstmal gemütlich ein.

Zuhause quengelt das Kiddo immer noch und lässt sich nicht beruhigen. Hyde-Mom denkt, dass es ohne Kind auch ganz schön war. Vielleicht sogar schöner. Stimmt ja gar nicht, denke ich dagegen an. Guck Dich doch mal um hier, erwidert Hyde-Mom. Ich gucke mich um. Die Küche ist voller Geschirr, das meiste davon dreckig, der Frühstückstisch sieht richtig uneinladend aus, mein Kaffee ist fast kalt und die taz liegt unaufgeschlagen in einer zermatschten Banane, während des Kiddos Quengeln und des Mannes genervtes Stöhnen den Backgroundgesang bilden. Hyde-Mom feixt.

Irgendwann erlöse ich mich selbst, indem ich das Kiddo und Jekyll-Mom ins Tragetuch packe und draußen im eisigen Wind herumstapfe. Macht überhaupt keinen Spaß, aber daheim halte ich es mit meinem bösen Zwilling nicht mehr aus. Es gibt solche Tage. Manchmal sind es auch mehrere am Stück. Tage, an denen ich mich als Mutter inkompetent und lieblos fühle. An denen ich mir die Schuldgefühle den Kopf unter Wasser drücken, weil ich so genervt und gleichzeitig hilflos bin, an denen ich einfach nur weg will – und dann doch wieder zurück, sobald ich die Tür hinter mir zuschlage. Das Kiddo erwacht im Tragetuch und legt den Kopf in den Nacken, damit es mir ins Gesicht gucken kann. Sein Blick ist ernst und lässt mein Herz erst schmerzen und dann schmelzen.

Als wir nach Hause kommen, ist Hyde-Mom weg. Wir bestellen Burger und Pommes und es gelingt mir, meine eigene Entspannung auf das Kiddo zu übertragen, irgendwie. Warum war ich heut vormittag eigentlich so am Limit? Für den Moment habe ich es vergessen. Ist ja auch alles nicht so schlimm, sage ich mir. Kinder sind halt mal quengelig und Ehemänner genervt, Kaffee wird halt mal kalt und so ein Handy fliegt halt mal vom Wickeltisch. Alles nicht so wichtig.

Sicher, Schätzchen, sagt Hyde-Mom aus dem Off. Und grinst.

Aus dem Bauch heraus.

Samstag Abend, beste Sendezeit.

„Zieh mal bitte Dein T-Shirt aus“ sagt die Hebamme. Sie steht neben mir und hält einen OP-Kittel in der Hand. Ich will mich nicht ausziehen, denke ich, und zerre mir mühsam mein Shirt über den Kopf. Ich fühle mich so dreckig wie noch nie in meinem Leben. „Darf ich mich noch kurz waschen“ frage ich die Hebamme. Nein, sagt sie, dafür wäre keine Zeit und nötig sei es auch nicht. Also sitze ich nackt auf dem Kreißsaalbett und warte auf das, was da kommen möge. Nachdem ich viele Stunden lang geschwitzt habe, friere ich plötzlich sehr.

Hinter mir liegen 16 Stunden Wehen, 12 davon waren richtig heftig. Einige davon habe ich auf dem Stationszimmer verbracht, auf der Klobrille sitzend, einige im Badezimmer des Kreißsaals, nachdem meine Hebamme mich in die Badewanne geschickt hat (in der es mitnichten entspannend, sondern apokalyptisch schmerzhaft war), und den Rest auf dem Kreißsaalbett, angebunden durch ein CTG und den Schlauch der PDA, die sie mir für die letzten Meter noch verpasst haben. Nur dass es eben nicht die letzten Meter waren. Seit drei Stunden tut sich nichts mehr. Ich darf von dem Bett nicht runter und fühle mich wie ein panisches Wildtier, dem in der Falle langsam die Kräfte schwinden. Auf Anweisung der Hebamme wechsele ich immer wieder meine Position. Linke Seite, rechte Seite, Vierfüßler, aufrichten, wieder von vorn. Zwischen den Wehen untersucht mich die Fachärztin. Das tut irre weh und bringt nichts. Ich befolge stoisch die Anweisungen. Man spricht über mich, aber nicht mit mir. Wie sich ein eigener Wille anfühlt, habe ich vergessen. Wie sich Würde anfühlt, auch.

„Sie müssen sich jetzt entscheiden“ sagt die Fachärztin plötzlich. Kaiserschnitt, das Wort steht auf einmal im Raum, überraschend wahrscheinlich nur für mich. Bis zuletzt habe ich geglaubt, wir schaffen das noch, das Baby und ich. Aber das Baby hat ein Problem: Es kann die entscheidenden paar Zentimeter nicht überwinden, keiner weiß warum. Später wird man mir sagen, dass es mit dem Kopf schief im Becken gelegen und außerdem die Nabelschnur straff um den Hals gehabt hätte. Die Ärztin drängt mich, dass wir da jetzt was unternehmen müssen. Ich soll mich also entscheiden – eine echte Entscheidung scheint es jedoch nicht zu geben, jedenfalls nennt mir keiner eine Alternative. Ich schaue die Hebamme fragend an. Sie glaubt auch nicht mehr, dass es noch von selbst kommt, das Baby. Also: Kaiserschnitt. Wenn es nicht anders geht, sage ich. Eine Sekunde lang bin ich erleichtert, dass die Quälerei jetzt ein Ende hat. Dann bekomme ich Angst.

Die Hebamme hilft mir in den Kittel. Ich habe ihn kaum an, da rollt schon ein Bett ins Zimmer. Es soll mich in den OP bringen. Ich schaue meinen Mann an, der seit vielen Stunden an meiner Seite sitzt. Kein einziges Mal ist er in den Hof gegangen, eine rauchen. Das finde ich beachtlich von ihm, denn der Mann muss unter Stress immer erstmal eine rauchen. Heute nicht. Heute sitzt er neben, hinter, vor mir und schweigt wohltuend. Wenigstens muss ich den ganzen Scheiß nicht allein aushalten.

Ich glaube, ich habe einen Schock, denn ich kann keinem der Anwesenden begreiflich machen, was da gerade in mir vorgeht. Meine Fassade nickt, gehorcht, redet ein bisschen Unsinn. Sie lächelt sogar. Mein Inneres schlägt derweil den Kopf gegen die Wände. Ich hab solche Angst, denke ich am laufenden Band, ich hab solche Angst, die schneiden mich auf, die schneiden meinen Bauch auf und zerren das Baby da raus, das arme Baby, mein armer Bauch, ich hab solche Angst, HILFE.

Ich werde mit dem Bett die Gänge entlang gefahren wie im Film, die Deckenlampen über mir, Leute in Kitteln neben mir. In einem Vorraum halten wir an. Plötzlich ist der Mann weg. Er muss sich umziehen, sagt die Hebamme, sie müsse sich auch kurz umziehen und sei gleich wieder da. In der Zwischenzeit stellt sich die Anästhesistin vor und fragt mich ein paar Dinge. Sie hat eine sanfte Stimme. Die große Tür vor uns geht auf, das Bett und ich fahren in einen Raum, der mich im ersten Moment an einen Kellerraum erinnert. Oder an eine Lagerhalle. Irgendwie ist alles aus Stahl und wirkt wahnsinnig chaotisch. Es dauert ein paar Sekunden, bis ich kapiere, dass das der OP ist. Komisch sieht er aus, der OP. Der Mann taucht wieder auf. Dann geht alles ineinander über, meine Erinnerung ist verhackstückt. Wie schlechter Empfang auf dem Handy.

Nächstes Bild: Ich werde festgebunden, meine Arme und meine Beine, in einem komischen Winkel. Bestimmt sehe ich von oben aus wie ein schwangeres Lebkuchenmännchen, haha. Oder wie Jesus. Ich zittere so sehr, dass sie Probleme haben, mich richtig festzugurten. Ich kann nicht stillhalten, obwohl ich es mit aller Kraft versuche. Mein Körper ist ein kleines Erdbeben. Leute tauchen hinter dem grünen Tuch auf, das vor mein Gesicht gespannt ist. Sie stellen sich nicht vor. Wer ist der Mann hinter dem Tuch, frage ich die Anästhesistin. Sie muss lachen, weil ich das so seltsam formuliere. Das ist Dr. Oberarzt, der holt jetzt Ihr Baby. Ach so. Sie nimmt meine Hand, spricht mit mir über meine Tätowierungen, um mich abzulenken. So schöne Tätowierungen. Wer hat die denn gemacht. Aha. Und das hat sicher wehgetan? Ja. Hat es. Na, dann sind Sie ja bestimmt sehr tapfer. Nein, ich glaube nicht. Und so weiter. Ich beantworte höflich alle Fragen, obwohl mir schrecklich übel ist und ich große Angst habe, dass ich mich im Liegen übergeben muss. Was hinter dem Tuch passiert, weiß ich nicht. Meiner Erinnerung fehlen hier wieder einige Minuten.

Plötzlich ruckelt es. So dolle, dass der Tisch wackelt und ich mit ihm. Mir wird klar, dass ich das bin, an dem da so geruckelt wird. Mein Bauch ist das. Ich gerate in Panik, denn es tut richtig weh. Hinter dem Tuch entsteht Unruhe. Ich verstehe nicht, was da geredet wird. Irgendjemand drückt auf meinen Bauch. Die Übelkeit wird unerträglich, die Schmerzen auch. Die Anästhesistin guckt beunruhigt. Es wird noch fester gedrückt. Ich winsele wie unser Hund, wenn er ganz aufgeregt ist – ach nein, ich weine. Die Leute hinter dem Tuch stemmen sich von oben gegen meinen Bauch, auf meinen Magen, auf meine Rippen. Alles verschwimmt, vor meinen Augen und in meinem Kopf. Ich bin nur noch Körper. Die brechen mich in der Mitte durch, denke ich, die brechen mich ja einfach durch. Ich schreie so laut, wie ich in den vielen Stunden davor nicht geschrien habe. Ich schreie in Todesangst. Wirklich. Jetzt sterbe ich also, denke ich auf einmal. Dann hört der Druck auf, die Übelkeit lässt nach. Der Mann verschwindet von meiner Seite, erleichterte Laute von hinter dem Tuch. Das Baby ist da.

„Wir nähen Sie jetzt noch zu“, sagt einer. „Dauert nicht lange.“ Näht Ihr mal, denke ich. Mir egal. Mir ist alles egal. Anscheinend geht es dem Baby gut, sonst hätte schon jemand Alarm geschlagen. Der Mann und die Hebamme sind mit ihm verschwunden. Ich kann also in Frieden verrecken. Mir ist immer noch sehr übel und jeder Körperteil, der nicht narkotisiert ist, schmerzt höllisch. Die Anästhesistin redet schon wieder, ich höre nichts.

Unruhe an der Tür. Die Hebamme ist wieder da. Und der Mann taucht neben mir auf. Er hat ein weißes Bündel im Arm. Alle sagen irgendwas. Er hält das Bündel neben meinen Kopf, den ich aber nur mit Mühe drehen kann, weil der Rest von mir immer noch fixiert ist. Sehr große kleine Augen schauen mir ins Gesicht. Na sowas, denke ich. Da war wirklich ein Baby drin. Der Mann guckt so, wie man es wahrscheinlich auch von mir erwartet: Er grinst ein bisschen debil, als hätte er gekifft.

Die Hebamme entführt uns schnellstmöglich aus dem OP und bringt uns in ein ruhiges Zimmer. Dort kann ich sie zum ersten Mal in den Arm nehmen. Meine Tochter. Sie liegt ganz ruhig da und schaut uns an. Endlich tut mir nichts mehr weh, das liegt natürlich an all den Mitteln in meinem Blut, aber es ist trotzdem schön. Meinetwegen muss ich diesen Körper nie wieder spüren.

Danach.

Die ersten Tage sind wahnsinnig schmerzhaft. Die ersten Wochen auch. Es tut mir so leid, dass ich das Kiddo nicht richtig selbst versorgen kann, weil ich bei jedem Scheiß Hilfe brauche. Dauernd sagt jemand zu mir, es sei die Hauptsache und ein großes Glück, dass das Kiddo gesund sei. Klar ist es das. Und ich bin sehr froh, dass dieser Kaiserschnitt das Kiddo nicht daran gehindert hat, sich auf der Stelle in mein Herz zu schleichen. Trotzdem war die Geburt ein höllisches Erlebnis. Ich habe Flashbacks. Die Therapeutin, mit der ich darüber spreche, sagt: „Natürlich, Sie sind traumatisiert.“ Traumatisiert? Aber ich bin doch dankbar. Muss es sein. Die Therapeutin behauptet, man könne (und dürfe) gleichzeitig dankbar UND traurig sein. Also bin ich dankbar und traurig, und immer wenn das Innenchaos überschwappt, atme ich mich hindurch. Das ist der Trick: Weiteratmen. Ein und aus. Ganz langsam werde ich wieder ich.

Nach dem Danach.

Die Schmerzen sind nach drei Monaten endlich weg. Fast. Vorsichtig beginne ich wieder mit meinen Yogaübungen. Aber irgendetwas stimmt da nicht: In meiner Körpermitte befindet sich ein Nichts. Meine Körperhälften sind zwei einzelne funktionierende Teile. Ich bin ein Regenwurm. Ich sage das meiner Hebamme, sie nickt. Die energetischen Bahnen seien durchtrennt, sagte sie, die müssten sich erst wieder finden, das dauere lange. Klingt voll esoterisch und alles, aber ganz genau so fühlt es sich an. Um die Narbe herum ist alles taub. Ich will sie weder sehen noch anfassen. Die Narbensalbe benutze ich deshalb nie.

Heute.

Ich bin immer noch ein Regenwurm, aber es wird besser. Die Narbe gehört nicht zu mir. Ich will sie nicht haben. Sie ist da, aber ich tue so, als wäre sie es nicht. Sie macht mich wütend und bockig. Wenn andere Frauen mir von ihrer tollen spontanen Geburt erzählen, werde ich ganz still. Da ist das Gefühl, irgendwo versagt zu haben. Mich grundsätzlich geirrt zu haben. Wenn ich mir überlege, dass ich gar keine Angst hatte vor der Geburt, dass ich ein großes Vertrauen in meinen Körper und meine Kraft hatte – dann muss ich ein bisschen lachen. Weil ja immer alles anders kommt am Ende. Da liegt offensichtlich noch ein Stückchen Weg vor mir. Na gut. Dann gehe ich ihn eben.

Diesen Text habe ich für alle Frauen geschrieben, denen es ähnlich geht und die dafür keine Worte finden. Wenn Ihr mögt, bedient Euch bei meinen.

Und diese Bücher haben mir geholfen:

Es ist vorbei, ich weiß es nur noch nicht von Tanja Sahib (über traumatische Geburten)

Kaiserschnitt und Kaiserschnittmütter von Brigitte Renate Meissner

Der Kaiserschnitt hat kein Gesicht von Carolin Blasser et al.

The Bodies of Mothers von Jade Beall

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Edit:

Ich möchte noch diese Links ergänzen, weil sie gut passen.

Nach dem Kaiserschnitt (danke, Frische Brise)

Über das Bad zum Nachholen des Bondings

Seit ich ein Kind habe.

Seit ich ein Kind habe, bin ich ängstlicher. Das Kiddo könnte in meiner Abwesenheit auf diese bösartige Fliesenkante im Bad knallen und verbluten. Dasselbe könnte ihm auch in meiner Anwesenheit passieren. Es könnte eine ganz schlimme Krankheit haben, von der wir noch nichts wissen. Jemand könnte es versehentlich oder absichtlich umbringen. Es könnte später einen oder mehrere Menschen kennenlernen, die ihm das Herz brechen. Ich könnte selbst dieser Mensch sein. Das Kiddo könnte mir verloren gehen oder mit einem Fluch belegt werden. Ich könnte aus dem Fenster fallen und es zur Halbwaise machen. You name it.

Seit ich ein Kind habe, bin ich mutiger. Ich kann nicht mehr dauernd vor aller Unbill weglaufen. Ich muss und will für das Kiddo, für den Mann, für UNS als Familie einstehen und für das, was wir tun und wie wir es tun. Ich muss mich gerade machen und Kommentare teflonmäßig wegstecken. Ich trete meiner sozialen Inkompetenz regelmäßig in den Arsch (auch wenn ich oft heimlich dabei schwitze). Ich gehe auf Menschen zu und öffne ihnen meine Haustür und mein Herz. Ich fasse mir ebenjenes und lasse mir auch mal was sagen. Und wer mir die Butter vom Brot nehmen will, muss neuerdings ganz schön früh aufstehen.

Seit ich ein Kind habe, bin ich gestresster. Ich kann weder in Ruhe aufs Klo noch eine Überweisung tätigen (sofern sie eine IBAN enthält). Ich werde nachts dreitausendmal und morgens zu einer Scheißzeit geweckt. Oft durch Minifaustschläge auf meine geschlossenen Lider. Ich habe ständig Flecken von irgendwas irgendwo. Ich trete im Dunkeln auf Holzbauklötze. Und mit einem Ohr bin ich immer beim Kiddo – eine ununterbrochene Standby-Funktion, die sich nicht ausschalten lässt.

Seit ich ein Kind habe, bin ich entspannter. Ich merke am Nachmittag, dass ich morgens nur ein Auge geschminkt habe? Ach, merkt ja eh keiner. Da klebt Banane in der Kaffeemaschine? Dann kauf ich mir halt einen in der Bäckerei. Taschenfarbe + Jackenfarbe = optische Kernschmelze? Mir doch egal. Das Finanzamt will eine sehr hohe Einkommenssteuernachzahlung? Och.

Seit ich ein Kind habe, bin ich effizienter. Ui, das Kiddo ist eingeschlafen! Während ich die Essensreste vom Küchenboden klaube, mache ich der Kitaleitung am Telefon schöne Augen, schubse mit dem Fuß ein paar Krümel unter den Schrank und stelle die Waschmaschine an. Beim Staubsaugen staubwische ich parallel, mache ein lustiges Foto für Instagram, sammele resigniert das unbenutzte Holzspielzeug ein und richte das Sofa wieder rechtwinklig aus (ein Muss. MUSS. MUSS!!!). Das Kiddo quengelt – fertig. Benötigte Zeit: 27 Minuten. Aber ich bin sicher, da ist noch Luft nach oben.

Seit ich ein Kind habe, bin ich langsamer. Okay, damit habe ich gerechnet. Schließlich haben alle meine FreundInnen vor mir Kinder bekommen. Ich habe mir also schon in diversen Treppenhäusern die Beine in den Bauch gestanden, während oben schwitzende Elternteile mit infernalisch kreischenden Babys rangen (oder rungen?). Aber wie langsam man tatsächlich werden kann, schockiert mich täglich neu. Banale Verrichtungen werden zum Kunstprojekt, wenn man dabei eine Million Mal unterbrochen wird. Ich überlege, mich in Echtzeit beim Spülmaschinenausräumen zu filmen und das 12-stündige Video dann als Performance zu vermarkten.

Seit ich ein Kind habe, bin ich weicher. Vor einigen Wochen wurde in meiner Nachbarschaft ein totes Neugeborenes gefunden. Nicht, dass mir sowas vorher egal gewesen wäre, aber seit das Kiddo auf der Welt ist, beschäftigen mich Ereignisse wie diese wochenlang. Beim Gedanken an dieses arme Geschöpf, dessen Leben in einer Plastiktüte von Lidl endete, muss ich Rotz und Wasser heulen. Oder neulich, als Eltern auf der Straße ihr Kleinkind anschrien, weil es sich nicht schnell genug die Nase geputzt hat (WTF?!). Kinder sind mein neuer soft spot. Und ich kann rein gar nichts dagegen tun.

Seit ich ein Kind habe, bin ich härter. Ständiges Kreisen um Befindlichkeiten und Nichtigkeiten war früher mein allerliebstes Hobby. Heute hab ich da meist keinen Nerv für. Es ist so anstrengend, Geld zu verdienen? Du hast einen schlimmen Kater? Er/Sie/Es hat bei WhatsApp Deine Nachricht gelesen, aber nicht geantwortet? Mein Lieblingspulli ist eingegangen? Jo. Shit happens, ne.

 

Und. Da ist noch was. Eine Kleinigkeit.

Seit ich ein Kind habe, bin ich glücklicher.

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Kitsch. Aber isso.

 

 

 

Die Prophezeiungen.

Klingt wie der Titel eines sehr langweiligen historischen Romans, oder? Irgendwas mit der katholischen Kirche und einem fiesen Geheimorden. Gemeint sind aber diese in unheilvollem Ton vorgebrachten Weissagungen, die Schwangere und Neu-Eltern quasi minütlich ereilen. Der/die Prophezeiende kann meist eine gewisse Genugtuung nicht verhehlen. So ein Lehrjahre-sind-keine-Herrenjahre-Gesichtsausdruck. Ich habe mir mal in Erinnerung gerufen, was man uns bisher so alles prophezeit hat – und ob es dann auch eingetroffen ist.

 

„Wenn Du stillst, nimmst Du automatisch ab!“

Lasst mich kurz … bahahahahahaaa! Oh Mann, was bin ich da reingefallen! Weil ausnahmslos jede Mutter in meinem weiteren Umfeld behauptet hat, ich könnte stillenderweise essen wie Rainer Calmund, flogen mir in der Schwangerschaft vielleicht ein oder zwei gebratene Täubchen zu viel in den gierigen Schlund. Nach der Entbindung harrte ich vertrauensvoll der zu erwartenden Gewichtsabnahme. Sie kam nicht. Obwohl ich wirklich (!) überschaubare Mengen verspeiste. Nach etwa drei Monaten war mir das dann zu blöd, und ich verspeiste lieber unüberschaubare Mengen. Und auch das blieb ohne Effekt, diesmal erfreulicherweise. Status quo: Ich verspeise beachtliche Mengen, der Zeiger auf der Waage klebt fest und ich übe mich in Zen. Eine von mir dazu interviewte Stillberaterin sagte folgendes: Nicht bei allem Frauen führt das Stillen bei normaler Nahrungsaufnahme zum Gewichtsverlust. Bei einigen bewirkt das Prolaktin auch, dass die Pölsterchen bleiben. Die nehmen dann nach dem Abstillen leichter wieder ab, falls sie das möchten. Gut. Ich bin wohl eine davon. War ja klar.

 

„Geh nicht immer hin, wenn das Baby schreit, es gewöhnt sich sonst daran.“

Guter Witz. Das ist ja auch mein Ziel – das Kiddo soll ja eben nicht denken, es befände sich mutterseelenallein in der sibirischen Tundra. Es soll ja wissen, dass einer kommt, wenn es was hat. Gibt natürlich Leute, die da anders rangehen. Meine Erfahrung bislang: Das Kiddo war und ist sehr dankbar, wenn jemand nach ihm schaut, sobald es weint, und beruhigt sich so viel schneller, als wenn niemand reagiert (einmal ausprobiert und nach 5 Minuten abgebrochen, weil für alle Beteiligten unerträglich). Dass ein Baby zum vielzitierten Tyrannen wird, da glaube ich nicht dran. Unberechenbare Diktatoren mit lachhaften Frisuren mögen Tyrannen sein – aber mein Kind? Not so much.

 

„Von Holzspielzeug hast Du länger was.“

Stimmt. Weil es nämlich nie benutzt wird vom Kiddo. Ich habe mittlerweile einen stattlichen dreistelligen Betrag in wundertolles, altersgerechtes Holzspielzeug investiert. Sieht schnieke aus, wie es so auf dem Dielenboden liegt. Ganz allein. Und unbeachtet. Chancenlos gegen die Stapelbecher von dm und Verpackungsmüll aller Couleur.

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Krokodil: 0. Weichkäse: 1.

 

„Wenn das Baby da ist, ist Dein Hund abgemeldet.“

Come on, Leute! Was ist das denn für ein Quatsch. Ist in meinem Herzen vielleicht ein Wohnraummangel ausgebrochen, ohne dass ich es gemerkt habe? Mir war so, als hätten da sehr viele Menschen und Tiere und Babys drin Platz. Einfach so. Als unsere Hündin vor vier Monaten starb, war da auf einmal eine große Lücke in unserer Familie. Und ich finde es so schade, dass das Kiddo sich nicht an sie erinnern wird.

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Ein Herz auf vier Pfoten.

 

„Am Ende machst Du doch alles.“

Hmpf. Nicht ganz, aber es kommt mir zuweilen so vor.

 

„Eure Wohnung wird mit lauter hässlichem Spielzeug vollgemüllt sein.“

Nein – unsere Wohnung ist, siehe oben, mit ästhetischem Holzspielzeug vollgemüllt. Ich bin mir sicher, da ist noch Luft nach oben, denn das Kiddo beginnt seine Spielzeugkarriere gerade erst. Bislang schmeiße ich all den Kram abends einfach in eine Kiste. Die ist allerdings ein total hässliches Plastikding, was meine Bemühungen um eine schöne Wohnumgebung selbstverständlich konterkariert.

 

„Man kann die Liebe zum Kind nicht beschreiben, wenn man sie nicht erlebt hat.“

Das stimmt. Zumindest für mich. Und es hat mich unverhofft und knallhart erwischt. Ist mir unendlich peinlich, das zu schreiben, aber…mein Herz. Es läuft manchmal tatsächlich über. Vor Liebe. (*würg* Das klingt voll verzuckert)

 

(Und noch eine Anmerkung in eigener Sache: Die fabelhafte Rike Drust hat heute ganz viele neue BesucherInnen hierher geschickt. Das hat mich sehr sehr sehr gefreut – und auch ein bisschen nervös gemacht. Wo ich doch meine Texte nie Korrektur lese. Herzlich Willkommen, neue Menschen!)