Unterwegs: Im Kaiserinnenreich.

Vor einigen Tagen erhielt ich eine Einladung, über die ich mich ganz besonders gefreut habe, denn es handelt sich hier um eine ausgesprochen noble Adresse: Das Kaiserinnenreich.

Für Mareice habe ich über die erste Begegnung mit ihrer behinderten Tochter geschrieben.

Überraschend für mich war, und das fand ich erst beim Schreiben heraus, dass sich einfach nicht die richtigen Worte einstellen wollten. So viele Gedanken, und dann war jeder Satz, den ich in die Tastatur tippte, blöd und belanglos. Nach einigen Tagen des Haareraufens habe ich aber doch noch ein paar zusammenhängende Absätze zustande gebracht.

Und überhaupt – wer das Kaiserinnenreich und seine drei Regentinnen nicht kennt, sollte das auf der Stelle nachholen. Essen, pinkeln gehen oder Abgabefristen einhalten kann man auch später noch.

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Circus Maximama oder Wenn alle Wege nach Rom führen, suche ich das gallische Dorf.

Die fabelhafte Annalena beehrt uns wieder mit einem Gastbeitrag. Danke, Du arschcooles Weib.

Ahhh! Endlich mal ein richtig schöner langer Titel. Ich finde ja, ein Titel, der nicht über drei Zeilen geht, ist es nicht wert, überhaupt das Licht der Welt zu erblicken. Wenn der Titel kurz ist, kann der Rest ja nur amputiert hinterherhinken. Man kauft ja auch kein Pixi-Buch für den Urlaub, sondern einen verheißungsvollen Schinken. Wie es dieses Bahnhofsliteratur-Pamphlet mit dem erbärmlich-lahmen Titel „Die Bibel“ in die Bestsellerliste geschafft hat, ist mir immer noch ein Rätsel. Viel schöner wäre doch, wenn auf dem Einband „Alte Männer und ihre schier nicht endend wollende Zeugungsfähigkeit, die einem weiteren alten Mann auf einer Wolke gute Laune macht, und dann noch ein Mann, der erst stark unnachhaltige Party-Wunder vollbringt und dann aber über eine Handwasch-Affäre stolpert und beleidigt in den Orkus steigt“ stünde. Aber mich fragt ja keiner. Äh, wo waren wir? Ach ja. Wir hatten noch gar nicht angefangen. Hust. Ich hab auch ein Jahr nach Geburt noch eine brutal verbimmelte Stilldemenz. Und Bücher lese ich auch nicht mehr, überfliege nur noch Ratgeber zu BLW und Co-Sleeping. Ob ich jemals wieder eine Urlaubslektüre von innen sehen werde, steht in den Sternen.

Denn das Kind ist ein Jahr alt. Und ich bin im Arsch.

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Die Narbenparade.

Vielleicht ist „Parade“ ein flapsiger Ausdruck, aber egal. In den Kommentaren zu meinem vorigen Beitrag kam von Claudia die Idee, eine „Kaiserschnittnarbenparade“ zu machen. Ich finde das total gut. Und weil hier zwei Mails mit Fotos und kurzen Berichten von Leserinnen eingegangen sind, gibt es vielleicht noch andere, die das gut finden und mitmachen wollen.

Also: Wenn Ihr wollt, schickt mir Eure Narbenbilder. Ihr könnt dazu was schreiben oder auch nicht. Ihr könnt Euren Namen nennen oder auch nicht. Ihr könnt einen eigenen Blogbeitrag verlinken oder auch nicht. Ihr könnt Eure Narbe auch zeichnen, wenn Ihr sie nicht fotografieren wollt.

All das würde ich sammeln, sagen wir, den ganzen Mai über. Oder auch länger bei Bedarf. Und dann einen schönen Beitrag draus basteln. Die Unterschiedlichkeit der Narben und der Geschichten dahinter finde ich persönlich ziemlich faszinierend, spannend und irgendwie auch tröstend.

Ja. Also, ich glaube, das ist jetzt ein offizieller Aufruf oder so.

Kleine Scharade zur Mittagszeit.

Oder: Wie ich einmal versuchte, cool zu wirken.

Weil ich an diesem regnerischen Montag das dringende Bedürfnis habe, mich jung und unabhängig zu fühlen, treffe ich meinen Freund M zum Lunch in einem schicken japanischen Restaurant. M hat keine Kinder, dafür aber Wein, Weib und Gesang. Das Kiddo bleibt beim Papa, der sich dafür bestimmt bei der Spätkaufdame ein paar Lorbeeren abholen geht.

Jetzt folgt ein Cliffhanger. So, hier ist er. Genau da. Wer diesen Beitrag nämlich weiterlesen möchte, muss das heute hier bei Mamizeug tun.

Kommt schon, das war ein toller Cliffhanger. Oder? Kommt schon.

Das Kiddo isst übrigens schon seit Beikoststart mit Stäbchen. Kleckerfrei. Und rezitiert dabei Haikus. Bin ich jetzt ne geile Mutter oder was.

Das Kiddo isst übrigens schon seit Beikoststart mit Stäbchen. Kleckerfrei. Und rezitiert dabei Haikus. Bin ich jetzt ne geile Mutter oder was.

Hormona non grata. Ein Gastbeitrag.

(Diesen schönen Beitrag hat uns eine Gästin spendiert, und zwar meine liebe Freundin Annalena, die nicht nur schlau ist und gut schreiben kann, sondern auch noch bombig aussieht. Have fun!)

mama

Mein Freund mag es nicht, wenn ich alles auf die Hormone schiebe. Es ist ihm zu passiv, zu opfer-ig, zu verantwortungsabwälzend. Was er nicht weiß: Er lebt mit einem Sack Hormone zusammen. Das bin ich. Ich könnte auf keiner Matratze schlafen, unter der eine Anti-Baby-Pille liegt, so hormonfühlig bin ich. Ich bin die Prinzessin auf der Pille. Ich merke meinen Eisprung, den von Freundinnen und bestimmt auch den der Kassierinnen im Supermarkt, denn ich nehme jedes Mal diese lästigen Herzen für das Pfannenset mit, anstatt Nein zu sagen.

Als ich schwanger war, war mir die ersten 14 Woche sackübel – Hormone. Als ich das Baby auf die Welt brachte, hab ich nur geheult und Angst gehabt, dass mein Freund mich verlässt – Hormone. Anschließend habe ich 3 Monate in einem rosa Nebel verbracht, der meinen zerfetzten Restkörper durch extremsten Schlafmangel plus abendlich weinendem Baby geleitet hat – diese verdammten Hormone.

Und als ich nach 6 Monaten Mama sein zwei Wochen lang so down war, dass ich schon eine postnatale Depression bei mir vermutete, rutschte bestimmt auch wieder eine Ladung dieser verflixten Kontrollstoffe aus meinem Körper wie aufgeregte Menschen auf einer aufblasbaren Gummimatte aus einem Flugzeug. Denn nach diesen zwei Wochen wachte ich auf und hatte sie tatsächlich vergessen: Übelkeit, Geburt und Schlafmangel. Dafür hatte ich ein neues Gefühl: Ich wollte plötzlich noch ein Kind. Zack! Ich Opfer! Ich schwöre, dass das nicht im Geringsten meine Entscheidung war. Aber mein Freund zuckt zusammen und sagt, bitte nicht wieder diese Hormone.

Naja. Nun gut. Ich wäre ja auch lieber unabhängig in meinem Leib und würde nicht von geheimnisvollen Botenstoffen robotermäßig durch die Pampa gesteuert werden. Aber es ist nun mal so, wie Alissa Milano so schön gesagt hat: „A female body is not made to look good in a bikini. It’s made to give birth and have a baby and be a cozy companion for it afterward.“ Ich bin nun mal nicht der unabhängige Mensch, den die Medien sich ausgedacht haben. Ich bin letzen Endes nur ein Stück Natur. Und diese Natur zieht einfach eiskalt ihr Ding mit mir durch, egal, was für teure Klamotten ich anziehen würde oder was für feine Dinge ich esse. Manchmal macht mich das wütend. Manchmal macht mir das Angst. Aber jedes Jahr im Herbst lege ich den Kopf in den Nacken und habe Tränen in den Augen, wenn ich die Zugvögel beim Sammeln beobachte. Unten die schmutzige Stadt mit ihren Pappbechern und Straßenbahnen. Oben die mächtige Natur, die an uns zieht und uns mit Sehnsüchten füllt und dem Mut, das Wahnsinnige zu wagen, um etwas Wildes und Schönes zu erreichen. Afrika, oder eben ein Kind.

Es ist in uns, es fließt in uns, und es macht uns nicht zu Opfern, sondern bindet uns an diese Erde, in den Strom des Lebens meinetwegen, und zeigt uns, dieser Planet ist dein Zuhause und du bist ein Teil davon, bums aus Nikolaus. Dass ich davon Pickel bekomme oder schlechte Laune, gehört dann wohl dazu. Mein Baby liebt meine Hormone. Und mein Freund will es nicht wahr haben, aber ich bin mir ganz sicher, dass wir nur deshalb zusammen sind, weil sich unsere Hormone so gut verstehen. Und jetzt entschuldigt mich, ich muss ein minimal vergünstigtes Pfannenset kaufen. Es ist hormonell.