Seifenblasen.

 

stormiscoming

Ich möchte in einer unsichtbaren Blase wohnen. Oder in einer sichtbaren Blase, Hauptsache ist: es kommt niemand rein. Bitte alle raus aus meinem Tanzbereich, der sich im Radius eines halbgestreckten Arms um mich herum befindet; wir kennen das aus Dirty Dancing. Im Tanzbereich soll es bitte ganz still sein, oder wahlweise soll laute Musik darin spielen. Meine Musik, nur meine, und ich tanze allein.

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Kalbsschnitzel.

yap

„Nach dem zweiten gestillten Kind sehen die Brüste halt auch aus wie Kalbsschnitzel“, sagte die Spielplatzmutter und blickte bedauernd in ihren Ausschnitt. Die zweite Mutter nickte wissend. Und riet zu einem Unterwäschekauf bei Karstadt. Die älteren Damen dort in der Wäscheabteilung hätten eine geradezu unglaubliche Beratungskompetenz, was die Ent-schnitzelung des Mutterkörpers angehe. Bei diesen Worten zupfte sie leicht an einem ihrer BH-Träger: „Okee, bequem sind die Formungsdinger jetzt nicht. Aber was willste machen.“

Ja. Was will man machen. Wie wäre es mit: Gar nichts?

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Darf es etwas mehr sein?

(Diesen Text möchte ich meinem Bruder widmen. Es wäre so viel scheißer ohne Dich.)

2013-03-18 20.24.12

 

Ob wir schon Nummer 2 planen? „Nummer … ach so, ein zweites Kind. Ja. Nee. Eigentlich nicht.“

So oder ähnlich diffus fällt meine Antwort aus, wenn mich jemand fragt, wann bei uns denn Nummer 2 anstünde. Dass es um ein Wann geht, nicht um ein Ob, setzen die Fragenden selbstverständlich voraus (Nummer 2 … wie so ne Warencharge). Vielleicht sind zwei Kinder für die meisten Menschen das Normale.

Und ja, irgendwo in einer sehr geheimen, nur mir zugänglichen Gedankenkammer meines Enddreißigerhirns wohnen nicht nur zwei, sondern sogar drei Kinder. Tatsächlich, so ist es. Die drei Kinder in der Gedankenkammer haben mit meiner Lebensrealität rein gar nichts zu tun; sie existieren in einem Paralleluniversum, in dem ich vom Schreiben leben kann wie Gott in Frankreich, und das auf einem herrlichen alten Bauernhof im Voralpenland. Dort scheint immer die Sonne, niemand hat jemals Magen-Darm und die drei Kinder schlafen zwar nicht durch, wecken mich aber nachts maximal durch wohliges Kuscheln und Seufzen, bevor sie friedlich wieder einnicken. In der Gedankenkammer wohnt außerdem eine Version des Mannes, die allzeit heiter und außerdem wahnsinnig belastbar ist, große Lust auf Großfamilie verspürt und von einem unbekannten amerikanischen Onkel eine Million geerbt hat. Schön, gell? Und so realitätsfern.

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Die Hölle, das sind die anderen.

2015-05-17 09.51.35

Angeblich ist Karstadt insolvent. Oder fast. Kann ich gar nicht glauben, wo doch gerade so viele Leute durch die Schwingtüren des Warenhauses ein und aus gehen, an einem ganz normalen Dienstagnachmittag. Seit bestimmt 15 Minuten stehen die Türen nicht still. Ich weiß das so genau, weil ich vom Mittelstreifen der vierspurigen Straße aus einen herrlichen Blick auf den Haupteingang habe. Leider hat der Haupteingang auch einen herrlichen Blick auf mich, was vor allem die Menschen zu schätzen wissen, die dort an der Haltstelle stehen und auf ihren Bus warten. Es ist nämlich so: Ich bin hier gerade die Hauptattraktion. Nicht, weil ich weltberühmt bin, oder wunderschön, oder ein Einhorn. Nein. Das Aufsehenerregende an mir befindet sich zu meinen Füßen, ist keinen Meter lang und brüllt seit einer Viertelstunde, als gäbe es kein Morgen. Es handelt sich nicht um einen pubertierenden Orang-Utan.

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It’s my party and I’ll cry if I want to.

Ein Jahr ist, in Babytagen gemessen, ein extrem kurzer und gleichzeitig sehr langer Zeitraum. Es passiert so viel, und doch so wenig, und dann ist auf einmal fast Weihnachten und man stellt fest: Huch, Kiddo The Kid hat Bloggeburtstag! Letzteres ist natürlich eine total bescheuerte Vokabel.

Ein Jahr Kiddo The Kid, das heißt:

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Unterwegs: Im Kaiserinnenreich.

Vor einigen Tagen erhielt ich eine Einladung, über die ich mich ganz besonders gefreut habe, denn es handelt sich hier um eine ausgesprochen noble Adresse: Das Kaiserinnenreich.

Für Mareice habe ich über die erste Begegnung mit ihrer behinderten Tochter geschrieben.

Überraschend für mich war, und das fand ich erst beim Schreiben heraus, dass sich einfach nicht die richtigen Worte einstellen wollten. So viele Gedanken, und dann war jeder Satz, den ich in die Tastatur tippte, blöd und belanglos. Nach einigen Tagen des Haareraufens habe ich aber doch noch ein paar zusammenhängende Absätze zustande gebracht.

Und überhaupt – wer das Kaiserinnenreich und seine drei Regentinnen nicht kennt, sollte das auf der Stelle nachholen. Essen, pinkeln gehen oder Abgabefristen einhalten kann man auch später noch.

Körper. Bilder.

little kiddo-mom

Weil ich faul bin, meistens, und uninspiriert, manchmal, mache ich es mir leicht und beginne mit der Arbeit einer anderen. Auf Zehenspitzen schrieb kürzlich in „Medialer postpartum Fleischmarkt“ über die pseudojournalistische Verwurstung des königlichen Körpers von Herzogin Kate. Die hat bekanntermaßen erst vor wenigen Wochen entbunden.

Davon abgesehen, dass ich den Begriff „After-Baby-Body“ so sehr hasse wie kaum einen anderen, machten mich die verlinkten Artikel schon wieder so wütend. Schon wieder, weil ich es doch eigentlich besser wissen müsste: Frauenkörper sind mediales Freiwild. Und wütend, weil ich es einfach nicht mehr hören und lesen kann, obwohl ich es besser weiß: Frauen sind meistens zu fett oder befinden sich in der schlimmen Gefahr, demnächst fett zu werden. Und wenn sie nicht fett sind, haben sie asymmetrische Brüste oder schiefe Beine, sind zu groß oder zu klein oder weisen andere Makel auf, die sich im besten Fall mit ein paar modischen Kniffen „kaschieren“ lassen. Ach ja, „kaschieren“: Hasse ich fast ebenso dolle wie „After-Baby-Body“. Manchmal, und das meine ich ernst, habe ich große Lust, aus Protest fett zu werden. Fett und laut und leckt mich doch alle am Arsch.

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Circus Maximama oder Wenn alle Wege nach Rom führen, suche ich das gallische Dorf.

Die fabelhafte Annalena beehrt uns wieder mit einem Gastbeitrag. Danke, Du arschcooles Weib.

Ahhh! Endlich mal ein richtig schöner langer Titel. Ich finde ja, ein Titel, der nicht über drei Zeilen geht, ist es nicht wert, überhaupt das Licht der Welt zu erblicken. Wenn der Titel kurz ist, kann der Rest ja nur amputiert hinterherhinken. Man kauft ja auch kein Pixi-Buch für den Urlaub, sondern einen verheißungsvollen Schinken. Wie es dieses Bahnhofsliteratur-Pamphlet mit dem erbärmlich-lahmen Titel „Die Bibel“ in die Bestsellerliste geschafft hat, ist mir immer noch ein Rätsel. Viel schöner wäre doch, wenn auf dem Einband „Alte Männer und ihre schier nicht endend wollende Zeugungsfähigkeit, die einem weiteren alten Mann auf einer Wolke gute Laune macht, und dann noch ein Mann, der erst stark unnachhaltige Party-Wunder vollbringt und dann aber über eine Handwasch-Affäre stolpert und beleidigt in den Orkus steigt“ stünde. Aber mich fragt ja keiner. Äh, wo waren wir? Ach ja. Wir hatten noch gar nicht angefangen. Hust. Ich hab auch ein Jahr nach Geburt noch eine brutal verbimmelte Stilldemenz. Und Bücher lese ich auch nicht mehr, überfliege nur noch Ratgeber zu BLW und Co-Sleeping. Ob ich jemals wieder eine Urlaubslektüre von innen sehen werde, steht in den Sternen.

Denn das Kind ist ein Jahr alt. Und ich bin im Arsch.

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Elternprekariat.

Es soll Eltern geben, deren Familienleben ist eine einzige Zauberwolke aus Vintagemöbeln, Wolle-Seide und Superfoods. Da gibt es auf Instagram und den Blogs allerlei schöne Dinge zu bewundern. Lustig geformte Glühbirnen an bunten Textilkabeln über sorgsam verwetzten Eichentischen. Eine Küche voller Jacobsen-Stühle; auf mindestens zweien sitzen stilsicher gekleidete Kinder, die mit trendigem Kupferbesteck säuberlich ihre Edamame picken. Strahlende, locker bleibende Mütter in authentisch zerrissenen Jeans, die das Elternleben so sehr lieben, jeden Tag. Und der Urlaub war so wunder-wunder-wunderschön.

Dieses Glück, überall und ständig. Da zählen die kleinen Unannehmlichkeiten des Kinderhabens doch gar nicht.

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Vom Blues.

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Monate vergingen, es waren 14. Es sind 14, genau heute. Das Kind wurde unter Heulen und Zähneklappern zur Welt gebracht und durch dieselbe getragen, stundenlang. Es wurde und wird gestillt, geliebt und familiengebettet. Soweit, so normal. 14 Monate neues Leben im alten Leben – oder nein, es fing ja schon früher an. Diese Schwangerschaft, die schon so weit weg scheint.

Nächste Woche wird, so Gott denn endlich will, für das Kiddo die Kita beginnen (mal wieder). Und ich arme Törin sitze hier und bin so schlau als wie zuvor. Weil ich nämlich dieser großen Veränderung, von der immer alle reden und von der immer alle behaupten, dass sie mit dem Kind passiere – ja, weil ich der nämlich nicht auf die Spur komme. Hat sich mein Leben verändert? Ja. Ich schlafe weniger, also quasi nie, bin so unspontan wie selten, mache mir dauernd Kindersorgen und Müßiggang ist nicht. Die offensichtlichen Dinge, sie machen auch vor mir nicht halt. Aber hat sich mein Leben verändert? Nein. Ich bin der Mensch, der ich bin, der ich war. Der hat jetzt halt ein Kind.

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