Denkfragment #3

stay weird

Mantra. Muss ja.

Einer dieser Morgen. Ein Teil meines Hirns quält sich durch einen total sinnlosen Resttraum, ein anderer Teil registriert Schläge von kleinen Fäusten und Tritte von kleinen Füßen und ein schleppendes „Mamiiiiiiii, MAMIIIIII“ in schlecht zu ignorierender Lautstärke. Das Kind ist ebenfalls mit der falschen Hirnhälfte aufgestanden und muss seine ziellose Frustration an jemandem auslassen. Immer an mir, nie am Mann. Ich bin alles, darf alles, muss alles, ich bin der Boxsack und das Federbett und die dunkle Höhle und der Kratzbaum und Die Deren Name Nicht Genannt Werden Darf, denn ich habe mich spurlos aufgelöst in der mütterlichen Ursuppe.

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Denkfragment #2

Bedürfnis, jetzt.

Beruf und Mutter, Mutter und Beruf: endlose Variationen eines Themas. Wahrscheinlich hätte ich doch Lehrerin werden sollen. Hatte ich ja auch eine Zeitlang vor, aber dann mussten wir im sechsten Semester diese grauenhafte Unterrichtssimulation machen, die vom Professorinnenteam* auf Video aufgezeichnet wurde. Ich schlug mich ganz gut im Angesicht von 40 Pubertierenden. Dachte ich zumindest, bis man mir die Videoauswertung vorführte. Darauf war eine zerraufte, schwitzende Anfangzwanzigerin zu sehen, die unangemessen oft „Scheiße“ sagt.

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Denkfragment No. 1

Foto 20.03.15 09 57 33

Manchmal reicht es einfach nicht, mit allem. Also mit nichts. Nicht mit der Zeit, nicht mit der Ruhe, nicht mit der Hirnleistung. Daher spucke ich Inhalt in unfertigen Häppchen aus. Zeug, das mich umtreibt. Wenigstens das.

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Ich wickele das schlecht gelaunte Kiddo im Bad. Der blöde Klettverschluss der Stoffwindel zieht Fäden aus meinem Wollpulli, wie schön. Der Mann kommt rein und setzt sich aufs Klo. Wir beginnen ein ungutes Gespräch über die Vorsteueranmeldung. Oh, wow. Waren wir wirklich die, die bei Mondschein am Hafen saßen und selbstgemischten Cola-Rum aus einer alten Wasserflasche tranken und schier implodierten, weil alles so unheimlich richtig und gut war? Waren wir diese Leute? Sind wir es noch? Diese leicht überheblichen, unsicheren Kinder mit ihrer zerbrechlichen Künstlerattitüde, die sich aneinander aufrecht hielten? Oder sind wir jetzt praktisch und zweckmäßig und ohne Befindlichkeiten? Ich habe keine Ahnung. Ein Baby zu bekommen, verändert alles, sagen alle. Irgendwann wird es wieder Hafen und Rum geben. Memo an mich: Der Kiddo-Oma möglichst bald einen Flug buchen.

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Ich habe mein ganzes Leben lang super geschlafen. Schlafstörungen? Kenn ich nicht. Hinlegen, Buch lesen, einschlafen, fertig. Tja, das waren Zeiten, nicht wahr? Seit 13 Monaten habe ich nicht länger als 4 Stunden am Stück geschlafen, und das war schon spektakulär. Meist schlafe ich nur 2 Stunden ohne Unterbrechung. Oft auch weniger. Das Kiddo ist eine irre schlechte Schläferin, und nichts, was wir versucht haben, konnte das ändern. Nachts abstillen nach Gordon? Apokalypse. Rumtragen? Ruhig, aber wach. Und zwar hartnäckig. Nebendran liegen und ignorieren? Alarm! Laut! Ausquartieren? Geht räumlich (noch) nicht, und ich wette eine Million Mark, dass es nicht helfen würde, wenn es ginge. Ja also. Ich bin offiziell am Ende mit meinem Rat.

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Manchmal bin ich so genervt. SO genervt. Darf man so genervt sein von seinem Kind? Hauptsächlich dann, wenn es einen nachts wieder gefoltert und man am nächsten Morgen eine Deadline hat. Und außerdem kein Kaffee mehr da ist, während das Teufelskind gleichzeitig unaufhörlich quengelt. Wer ist denn da nicht genervt? Gibt es jemanden? Bitte melden.

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Manchmal bin ich so verlebt. SO verliebt. Ist das nicht auch wieder pathologisch? Dass mir gleichzeitig tausend schreckliche Situationen einfallen, die dem Kiddo wehtun könnten (oder es umbringen, Horror!). Dann möchte ich die ganze Welt hinter ein Türgitter sperren und mit Eckenschutz bekleben. Und weiß doch, dass das nicht geht. Und verzweifele ein bisschen daran.

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Toi Toi Toi. Klopf auf Holz. Wir haben wahrscheinlich bald eine tolle Kiddo-Betreuung. Ein paar Details müssen noch passen, aber es sieht gut aus. Es sieht sogar so gut aus, dass ich es kaum glauben kann. Ich halte es da ja mit meinen keltischen Vorfahren, die ständig misstrauisch gen Himmel äugten, immer sprungbereit – wer weiß, was sich die Götter als nächstes einfallen lassen. Vielleicht sollte ich mal einen Kurs in Optimismus besuchen.