Unterwegs: Im Kaiserinnenreich.

Vor einigen Tagen erhielt ich eine Einladung, über die ich mich ganz besonders gefreut habe, denn es handelt sich hier um eine ausgesprochen noble Adresse: Das Kaiserinnenreich.

Für Mareice habe ich über die erste Begegnung mit ihrer behinderten Tochter geschrieben.

Überraschend für mich war, und das fand ich erst beim Schreiben heraus, dass sich einfach nicht die richtigen Worte einstellen wollten. So viele Gedanken, und dann war jeder Satz, den ich in die Tastatur tippte, blöd und belanglos. Nach einigen Tagen des Haareraufens habe ich aber doch noch ein paar zusammenhängende Absätze zustande gebracht.

Und überhaupt – wer das Kaiserinnenreich und seine drei Regentinnen nicht kennt, sollte das auf der Stelle nachholen. Essen, pinkeln gehen oder Abgabefristen einhalten kann man auch später noch.

Laute Tage.

Kalifornische Wüste. Kein Geräusch, nirgends.

Es gibt so Tage, Tage wie diesen. Davon geweckt werden, dass mir eine ins Ohr schreit. Wie an jedem anderen Morgen in dieser Woche. Dieser Lärm. Mein Kopf ist noch gar nicht da, meine Beine quälen sich aus dem Bett. Das Schreien bewegt sich ins nächste Zimmer, meine Beine hinterher. Ich versuche mich an beruhigenden Worten, heraus kommt ein Krächzen. Ich räuspere mich eine Million Mal, es hilft nichts. Ich halte die Klappe.

Das Schreien geht ins Bad, meine Beine hinterher. Dann macht das Schreien eine kurze Pause, statt dessen rumpelt es ganz scharf und scheppernd, als Zeug aus dem Schrank auf die Fliesen fällt. Noch ein dumpfer Knall obendrauf, das war der Kopf. Das Schreien nimmt wieder Fahrt auf. Irgendwann war es doch mal ruhig in dieser Wohnung. Muss Jahre her sein. So still war es, das fand ich sicher schön. Ohne es zu wissen.

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Voll intolerant.

Das ist Ironie. Ironie! Wirklich.

Das ist Ironie. Ironie! Wirklich.

Ich würde gern behaupten, ich sei tolerant in meinen Ansichten. Das scheint grundsätzlich eine erstrebenswerte Charaktereigenschaft zu sein. Dass man ehrlichen Herzens so etwas sagen kann wie: Ich bin okay, Du bist okay. Gut, vielleicht nicht gerade diesen Satz, der kommt straight from 1975. Aber unter Eltern – nein, streichen Sie das – unter Müttern ist es ja nicht selten die gegenseitige Toleranz, die uns fehlt. Mommy Wars und sowas.

Hinsichtlich der üblichen Kampfthemen – stillen, tragen, betten, ernähren, impfen – bin ich nicht sonderlich dogmatisch. Dazu ist mir das alles viel zu wurst. Denn die äußere Struktur des Elternseins sagt so gar nichts über die Beziehung zum Kind aus. Soll doch jede* sich das raussuchen, was jetzt gerade passt und funktioniert. Meist habe ich dazu nur eine milde, diffuse Meinung, eine von der Sorte: „Ah, ok, finde ich jetzt anders irgendwie besser, aus diesen und solchen Gründen, aber für die ist das anscheinend schöner auf jene Art.“

Aber manchmal finde ich andere Eltern einfach nur scheiße. Ja, ist so. Nein, ich will das nicht reflektieren. Weiterlesen

Thank God It’s Friday!

Ein Freitagabend aus besseren Zeiten.

Ein Freitagabend aus besseren Zeiten. Dieser Freitag  konnte sich wirklich sehen lassen.

Der Freitag ist eine wirklich schöne Einrichtung. Alles kann, nichts muss, wie sie in Swingerclubs angeblich sagen. Nicht, dass ich das aus erster Hand wüsste. Jedenfalls, der Freitag. Das Wochenende liegt noch ganz heil und vollkommen vor Dir. Unendliche Möglichkeiten. Zwar ohne das Ausschlafen, falls man ein Elter ist. Aber dennoch.

Also ging ich letzten Freitag, es war gegen 11, frohgemut zu dm. Wochenendwindeln kaufen. Als ich sinnend vor dem Windelregal stand und mir gerade die ominösen Schwimmdinger näher ansehen wollte, legte sich von hinten eine Hand auf meine Schulter. Die Hand fühlte sich warm und schwitzig an. Ich drehte mich um und schaute auf den nackten Brustkorb eines verdammt großen, verdammt hektischen jungen Mannes. Auch sonst trug er nicht viel am Körper. Eine abgeschnittene Jogginghose, die keine Unterbuxe, dafür aber halbe Pobacken preisgab. Was es gäbe, wollte ich wissen. Der hektische junge Mann antwortete in einer Sprache, die ich nicht spreche. Ich behaupte, dass sie auch sonst niemand spricht, weil sie offenbar in Echtzeit von den Drogen in seinen Synapsen erfunden wurde.

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snapshots #8

Aber manchmal ist alles einfach sehr lustig.

Dinge, die ich in den letzten 18 Monaten gelernt habe:

Es geht immer noch schlimmer.

Elterngefühle sind wie Pubertät mit Verantwortung.

Menschenkacke ist nicht gleich Menschenkacke.

Die Streitmomente innerhalb der Beziehung wechseln das Thema, nicht jedoch die grundsätzliche Dynamik.

Sobald es schläft, ist alles gut.

Der Spielplatz ist ein Bootcamp, körperlich wie emotional.

Wenn das Kind genau das eine Kind liebt, dessen Eltern man so furchtbar findet: Apokalypse.

Sehr schöne Kinderkleidung ist arschteuer.

Sisyphos hätte große Freude an unserem Küchenboden gehabt.

Dieser Moment, in dem Du merkst: Bei den anderen ist es auch nicht einfacher.

Stille ist so schön.

Darüber reden hilft.

#meinenarbe: AnnasLiebe

Weiter geht’s mit den Kaiserschnitten! AnnasLiebe hat für uns ein Foto gemacht und ihren Geburtsbericht aufgeschrieben. Vielen Dank dafür!

Ich habe mein erstes Kind per geplantem Kaiserschnitt bekommen. Dieser war medizinisch notwendig und ich hatte während der Schwangerschaft genügend Zeit, mich mit dem Gedanken anzufreunden.

Dann kam DER Tag und mein Mann und ich gingen morgens ins Krankenhaus. Alles war OK- die Spinale saß und ich lag auf dem Tisch. Dann testen die Ärzte mittels piksen und etwas kaltem, ob ich noch etwas spürte. Ich bejahte und es wurde einen kurzen Moment gewartet. Wieder testeten sie und wieder sagte ich, dass ich links alles merke. Und wieder warteten sie (gefühlt 2 Sekunden) um mich dann aufzuschneiden. Ich spürte (links) den Schnitt,  aber es war nicht nur ein dumpfes Gefühl, es war purer Schmerz!

Ich spürte an meiner linken Seite, wie sie meine Haut hochzogen und sie fixiert wurde. Es fühlte sich an, als würde ich bei lebendigem Leib aufgerissen werden-und das wurde ich ja auch. Und ich schrie!

Links von mir saß mein Mann, der wie er später sagte, Todesangst um mich hatte und felsenfest davon überzeugt war, dass er den OP ohne mich verlassen würde.

Rechts von mir die Anästhesistin, die sagte, dass sie mir was spritzen könne, aber alles 1zu 1 auch mein Kind abbekommen würde. Ich verneinte. Sie sagte, die Ärzte wären gleich fertig und ich solle ihre Hand ganz fest drücken. Da lag ich nun, und quetschte die Hand der Anästhesistin und meines Mannes. Und dann war sie da: mein kleines Mädchen! Sie gaben sie mir kurz und nahmen sie dann für einen kleinen Augenblick mit. In Windeseile war sie wieder da und wurde mir auf die Brust gelegt und hat auch schon ein wenig getrunken.

Ich war mittlerweile so voller Medikamente, dass ich meine Tochter nicht alleine halten konnte-ich hatte keine Kontrolle mehr über meine Hände. Und wirklich sprechen konnte ich auch nicht mehr.  Aber ich war ganz klar im Kopf und kann mich an alles erinnern.

Und so schlimm die voran gegangene halbe Stunde auch für mich war, als meine Tochter bei mir lag, war irgendwie alles vergessen (die Schmerzmittel trugen sicher auch einen nicht ganz unwesentlichen Teil dazu bei…). Und ich bin trotz allem so froh, keine Vollnarkose bekommen zu haben. So konnte ich die ersten Minuten mit meiner Tochter erleben!

Natürlich hat mich mein Geburtserlebnis noch beschäftigt. Das Schlimmste waren nicht einmal die Schmerzen, sondern das sich den Ärzten ausgeliefert und nicht ernst genommen fühlen! Meine Hebamme war leider wenig empfänglich für das Thema und gerade in den ersten Wochen war ich so mit dem Mutter sein beschäftigt, dass dieses Erlebnis immer wieder in den Hintergrund gerückt ist.

Irgendwie habe ich meinen Frieden damit gefunden. Es ist nicht alles gut, aber OK. Und manchmal muss man sich vielleicht auch mit einem OK zufrieden geben?!?

#meinenarbe: Andrea Harmonika

Diese Lady hier muss ich vermutlich keinem vorstellen. Die hat nämlich geschätzte drölfzig Milliarden Leser und wird ge-shared, was das Zeug hält. Zu Recht übrigens! Believe the hype!

Umso mehr habe ich mich gefreut, als ich Andrea Harmonikas Beitrag zu #meinenarbe gelesen habe. Danke, liebste Andrea. Du bist wie immer voll auf die Zwölf und mitten ins Herzgeschehen. Den ganzen Artikel gibt es dort, hier ein paar Eindrücke:

Herrje Kaiserschnittmütter,

ihr konntet also eure Babys nicht mittels Regenbogenwehe im Lotussitz herauslächeln, sondern wurdet per chirurgischer Intervention entbunden?

Habt ihr wirklich keine anderen Sorgen, als hier mit euren lächelnden, gesunden Kindern im Arm auf hohem Niveau zu jammern?

Also seid endlich dankbar und hört auf zu jammern, ihr First-World-Problems-Wöchnerinnen!

Auch eine lebensrettende Intervention kann als Akt der Gewalt empfunden werden, ein Gefühl der Leere hinterlassen oder irrationale Schuld- und Versagensgefühle auslösen.

Für alle Frauen, die andere Mütter für einen Wunschkaiserschnitt verachten. Es geht euch einen feuchten Kehricht an, wieso und warum andere Frauen per Sectio entbunden haben.

Du, Kiddo

Du, Kiddo,

ich muss Dich warnen: Es kann schon sein, dass Du Dich später, irgendwann, in einer oh-so-fernen Zukunft … also, dass Du Dich ein bisschen genieren wirst, wenn Du dies hier liest. Falls Du es noch nicht gemerkt hast – Deine Mom ist eine, die ihr Herz auf der Zunge trägt. Weil es manchmal überquillt, dieses Herz, und dann muss alles raus, in Worte verpackt, oder in Tränen oder in viel zu feste Umarmungen.

Es ist nämlich so, Kiddo: Ich denke gerade an Dich und kann nicht damit aufhören. Dafür gibt es keinen besondereren Grund. Oder vielleicht sehr viele Gründe. Lass uns einfach sagen: Ich denke an Dich, weil Du super bist.

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#meinenarbe: Barfuss auf Lego.

Oh ja, was lange währt und so! Ewig und drei Millionen Tage habe ich überlegt, wie ich die Einsendungen zur Narbenparade vernünftig präsentieren könnte. Ergebnis: Ich mache das als Serie. Denn ich finde, dass jeder einzelne Beitrag ausreichend Raum verdient, um für sich zu stehen. Fertig aus. So machen wir das jetzt. Als äußerst überraschender Hashtag soll mir #meinenarbe dienen. Jede, die ein Foto oder eine Geschichte einsenden will, kann das übrigens auch jetzt noch gerne machen.

Beginnen möchte ich mit einem der beiden Blogbeiträge, die zu #meinenarbe geschrieben wurden. Er stammt von Barfuss auf Lego und handelt vom Frieden-machen, Dankbarkeit und besseren vs. schlechteren Geburten. Ein sehr schöner Text, vielen vielen Dank dafür!

barfuss auf lego

Hier einige Zitate als kleiner Vorgeschmack – den ganzen Text könnt ihr dort lesen: Kaiserschnitte und froh darum.

die sectio war zwar nicht geplant, hat aber dieser langen geburt ein ende gesetzt. ich hätte nicht dankbarer sein können.

ein paar wochen nach der geburt haben wir von einer verwandten familie eine geburtsanzeige erhalten. darauf stand “geboren zuhause im wasser bei kerzenschein und ruhiger musik”.

ich glaube übrigens nicht, dass es für das kind “der bessere start ins leben” ist, wenn es spontan geboren wird. ich glaube, dem kind ist es ziemlich egal, wo es rausgequetscht wird.

hier wurde mein kind geboren, mein kleines wunder. ich bin dankbar dafür.

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Und zum Nachlesen, die Beiträge zum Thema hier auf dem Blog:

Aus dem Bauch heraus.

Bauchgefühle. Retrospektive.