Die Hölle, das sind die anderen.

2015-05-17 09.51.35

Angeblich ist Karstadt insolvent. Oder fast. Kann ich gar nicht glauben, wo doch gerade so viele Leute durch die Schwingtüren des Warenhauses ein und aus gehen, an einem ganz normalen Dienstagnachmittag. Seit bestimmt 15 Minuten stehen die Türen nicht still. Ich weiß das so genau, weil ich vom Mittelstreifen der vierspurigen Straße aus einen herrlichen Blick auf den Haupteingang habe. Leider hat der Haupteingang auch einen herrlichen Blick auf mich, was vor allem die Menschen zu schätzen wissen, die dort an der Haltstelle stehen und auf ihren Bus warten. Es ist nämlich so: Ich bin hier gerade die Hauptattraktion. Nicht, weil ich weltberühmt bin, oder wunderschön, oder ein Einhorn. Nein. Das Aufsehenerregende an mir befindet sich zu meinen Füßen, ist keinen Meter lang und brüllt seit einer Viertelstunde, als gäbe es kein Morgen. Es handelt sich nicht um einen pubertierenden Orang-Utan.

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Kreuzberger Nächte.

2016-01-31 11.07.13

Geständnis Nummer 1: Vor der Schwangerschaft, also damals, in diesen jugendlich-unbeschwerten Zeiten, die niemals so jugendlich-unbeschwert waren wie in meiner Erinnerung, habe ich wirklich gern getrunken, ab und an. Wenn ich jetzt behaupte, das läge bei uns in der Familie, ist das zwar faktisch richtig, bringt aber meine Eltern in Verlegenheit.

Geständnis Nummer 2: Geraucht habe ich auch gern. Nicht sehr oft, aber mit Hingabe.

Geständnis Nummer 3: Bei passender Gelegenheit habe ich außerdem gekifft. Verklagen Sie mich doch.

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Kinder machen glücklich? Nope.

2016-01-06 18.22.29

Back in the days of 1992 hat mein 14-jähriges Ich einmal eine zweifelhafte Entscheidung getroffen: Dauerwelle. Noch am selben Tag habe ich das bitter bereut. Eine Zeitmaschine wünschte ich mir, mit jeder Faser meines pubertierenden Herzens.

Bereut habe ich auch, dass ich, ebenfalls im schicksalhaften Jahr 1992, mit meinem gleichaltrigen Freund geschlafen habe, weil ich ihn „halten wollte“. Es war richtig, richtig scheiße und tat sehr, sehr weh. Einige Monate später teilte er mir telefonisch mit, er müsse sich entscheiden: Freundin oder Tennisclub. Für beides reiche die Zeit nicht. Es war das Jahr von Agassis furioser Beinkleidung. Als ich den Telefonhörer auflegte, war ich wieder Single.

Seitdem gab es vieles zu bereuen. Liebschaften, Wohnorte, Berufe, Outfits, Autokäufe, Grausamkeit. Einige Entscheidungen konnte ich rückgängig machen (auch wenn der Dauerwelle eine auberginefarbene Intensivtönung folgen sollte), andere nicht. Ich bedaure oft und lange. Fruchtloses Grübeln über Dinge, die ich möglicherweise in einer anderen Realität hätte besser machen können, ist eine Anti-Superkraft von mir. Ich kann wahnsinnig gut und mit großer Geste unglücklich sein.

Was ich nicht bereut habe, ist meine Tochter. Weiterlesen

snapshots #9

sarah young

Bild via

Spazieren mit dem Kiddo. Eher ein Analysieren. Forschen. Neu bewerten. Auf jeden Fall irre langsam. Das Ende des Blocks so weit entfernt wie das Ende der Welt.

Plötzlich kommt Bewegung in die kurzen Beinchen. Das Kiddo will dringend die Straße überqueren. Kein Aufschub möglich. Und ich habe ja sonst nichts zu tun (haha), deshalb begleite ich das aufgeregte Kind ans andere Ufer. Es steuert zielstrebig auf einen alten Sexshop zu.

Vor dem verblichenen Plakat von Sarah Young im Schaufenster bleibt das Kiddo stehen, schaut voller Zuneigung zu der Brünetten hoch und legt die Handflächen fest gegen das Glas.

„Mama!“ sagt es zärtlich.

 

Unterwegs: Bei Mama On The Rocks und Nieselpriem.

Ich versprach Beiträge, hier kommen Beiträge. Geil, was? Sollte eventuell in die Politik gehen. Oder ein queerer Weihnachtsmann werden. Mein Ansatz zu Damenbart und Wampe spielt mir da wundervoll in die Karten.

Bei Rike von Nieselpriem erzähle ich von meinem schweren Weihnachtslos als Mutter eines Grinchs. Wer Nieselpriem nicht kennt, was ich mir jedoch gar nicht vorstellen kann und will, sollte sich in Grund und Boden schämen.

Außerdem verspreche ich bei Mama On The Rocks, dass ich 2016 eine noch schlechtere Mutter werde. Doch, das geht. Und bei Séverine, die eine echte Wucht ist, ein bisschen rumzupöbeln, hat mir große Freude bereitet.

Stay tuned und esst Baumkuchen, solange Ihr noch könnt.

Unterwegs: Beim Familienbetrieb.

Hätte Kiddo The Kid einen Kummerkasten, wäre er randvoll. Wäre Kiddo The Kid eine Wüste, würde genau jetzt ein Batzen Tumbleweed vorbeirumpeln. You get it.

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Der Familienbetrieb.

Weil es aber so irre Leute gibt, die selbst in der Adventszeit, und zwar gerade dann, täglich Zeug veröffentlichen, mache ich eben dort mit. Das gibt mir einen Anstrich von Geschäftigkeit und Euch einen neuen Text zum Lesen. Mit dem nächsten Klick landet Ihr beim Familienbetrieb – dort durfte ich meinen Beitrag zum musikalischen Adventskalender leisten und erinnere mich wohlig schaudernd an die Lieblingsweihnachtsmusik meiner Mutter: Rondo Veneziano.

Nächste Woche bin ich dann bei Mama On The Rocks zu Gast, und irgendwann die Tage auch noch bei Rike von Nieselpriem – so viel Kiddo im Dezember, unglaublich. Natürlich weise ich auf diese Beiträge noch einmal extra hin, weil mich das weniger faul aussehen lässt.

Bis dahin: Stay weird und esst Lebkuchen, solange Ihr noch könnt.

It’s my party and I’ll cry if I want to.

Ein Jahr ist, in Babytagen gemessen, ein extrem kurzer und gleichzeitig sehr langer Zeitraum. Es passiert so viel, und doch so wenig, und dann ist auf einmal fast Weihnachten und man stellt fest: Huch, Kiddo The Kid hat Bloggeburtstag! Letzteres ist natürlich eine total bescheuerte Vokabel.

Ein Jahr Kiddo The Kid, das heißt:

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Denkfragment #2

Bedürfnis, jetzt.

Beruf und Mutter, Mutter und Beruf: endlose Variationen eines Themas. Wahrscheinlich hätte ich doch Lehrerin werden sollen. Hatte ich ja auch eine Zeitlang vor, aber dann mussten wir im sechsten Semester diese grauenhafte Unterrichtssimulation machen, die vom Professorinnenteam* auf Video aufgezeichnet wurde. Ich schlug mich ganz gut im Angesicht von 40 Pubertierenden. Dachte ich zumindest, bis man mir die Videoauswertung vorführte. Darauf war eine zerraufte, schwitzende Anfangzwanzigerin zu sehen, die unangemessen oft „Scheiße“ sagt.

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Unterwegs: Im Kaiserinnenreich.

Vor einigen Tagen erhielt ich eine Einladung, über die ich mich ganz besonders gefreut habe, denn es handelt sich hier um eine ausgesprochen noble Adresse: Das Kaiserinnenreich.

Für Mareice habe ich über die erste Begegnung mit ihrer behinderten Tochter geschrieben.

Überraschend für mich war, und das fand ich erst beim Schreiben heraus, dass sich einfach nicht die richtigen Worte einstellen wollten. So viele Gedanken, und dann war jeder Satz, den ich in die Tastatur tippte, blöd und belanglos. Nach einigen Tagen des Haareraufens habe ich aber doch noch ein paar zusammenhängende Absätze zustande gebracht.

Und überhaupt – wer das Kaiserinnenreich und seine drei Regentinnen nicht kennt, sollte das auf der Stelle nachholen. Essen, pinkeln gehen oder Abgabefristen einhalten kann man auch später noch.

Laute Tage.

Kalifornische Wüste. Kein Geräusch, nirgends.

Es gibt so Tage, Tage wie diesen. Davon geweckt werden, dass mir eine ins Ohr schreit. Wie an jedem anderen Morgen in dieser Woche. Dieser Lärm. Mein Kopf ist noch gar nicht da, meine Beine quälen sich aus dem Bett. Das Schreien bewegt sich ins nächste Zimmer, meine Beine hinterher. Ich versuche mich an beruhigenden Worten, heraus kommt ein Krächzen. Ich räuspere mich eine Million Mal, es hilft nichts. Ich halte die Klappe.

Das Schreien geht ins Bad, meine Beine hinterher. Dann macht das Schreien eine kurze Pause, statt dessen rumpelt es ganz scharf und scheppernd, als Zeug aus dem Schrank auf die Fliesen fällt. Noch ein dumpfer Knall obendrauf, das war der Kopf. Das Schreien nimmt wieder Fahrt auf. Irgendwann war es doch mal ruhig in dieser Wohnung. Muss Jahre her sein. So still war es, das fand ich sicher schön. Ohne es zu wissen.

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